Masterarbeit, 2012
60 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1 Formen des Determinismus
1.1 Kausaler Determinismus
1.2 Logischer Determinismus
1.3 Teleologischer Determinismus
2 Freiheit und Determinismus in der philosophischen Diskussion
2.1 Diodors Modalsystem
2.2 Chrysipps Modalsystem
2.3 Epikur und die atomare Bahnabweichung
2.4 Karneades und die willentlichen Seelenbewegungen
3 Ciceros De Fato
3.1 Kontext des Werkes
3.1.1 Politische Umstände
3.1.2 Der Gesprächspartner Hirtius
3.1.3 Die Quellen
3.1.4 Die Lücken in der Überlieferung
3.2 Aufbau des Werkes und Kommentar
4 Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen einer deterministisch geordneten Welt und dem freien Willen des Menschen in Ciceros Spätwerk De Fato. Dabei wird analysiert, wie Cicero die verschiedenen philosophischen Konzepte des Determinismus einordnet und ob er eine Vereinbarkeit mit menschlicher Freiheit und moralischer Verantwortung aufzeigt.
§ III 5 - § III 6: Sympathielehre des Poseidonios
Die Überlieferung setzt wieder ein, als Cicero ankündigt, einige Beispiele seines Lehrers Poseidonios, die wohl ebenfalls in Lacuna B ausgeführt worden sind, zu widerlegen, oder diese zumindest auf eine andere Ursache als das fatum zurückführen zu wollen. Hierbei geht es um Personen, die auf die Art umgekommen seien, die ihnen geweissagt worden sei. Cicero vertritt die Meinung, dass – sollten diese Geschichten überhaupt der Wahrheit entsprechen – man das fatum nicht als Prinzip benötigte, um diese zu erklären:
Quaero igitur, atque hoc late patebit, si fati omnino nullum nomen, nulla natura, nulla vis esset, et forte, temere, casu aut pleraque fierent aut omnia, num aliter, ac nunc eveniunt, evenirent? Quid ergo attinet inculcare fatum, cum sine fato ratio omnium rerum ad naturam fortunamve referatur?
Ich frage also – und diese Frage wird weit reichen: Wenn das fatum überhaupt keinen Namen hätte, keine Wirksamkeit, keine Bedeutung, und die meisten oder alle Dinge auf gut Glück, blindlings, zufällig geschahen, würden sie dann anders passieren als sie nun passieren? Wofür also ist es relevant, das fatum hineinzupressen, wenn doch ohne fatum die Funktionsweise aller Dinge auf die Naturgesetze und den Zufall zurückgeführt wird?
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den mythologischen Ursprung des Schicksalsbegriffs und dessen spätere philosophische Transformation innerhalb der griechischen Schulen sowie die Bedeutung Ciceros für das Verständnis der antiken Debatte.
1 Formen des Determinismus: Dieses Kapitel definiert und differenziert zwischen kausalem, logischem und teleologischem Determinismus und deren Begründungen in der antiken Physik und Logik.
2 Freiheit und Determinismus in der philosophischen Diskussion: Hier werden die konträren Positionen von Diodor, Chrysipp, Epikur und Karneades hinsichtlich Modalsystemen und Willensfreiheit gegenübergestellt.
3 Ciceros De Fato: Dieses Kapitel widmet sich dem historischen Kontext, den Quellen, der Überlieferungsgeschichte und einer detaillierten argumentativen Analyse von Ciceros Schrift De Fato.
4 Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, dass Cicero den freien Willen als Postulat verteidigt und den kausalen Determinismus aufgrund der fehlenden Vorhersagbarkeit menschlichen Handelns sowie der Notwendigkeit moralischer Verantwortung ablehnt.
Cicero, De Fato, Determinismus, freier Wille, Fatalismus, Stoa, Epikureismus, Kausalität, logischer Determinismus, Bivalenzprinzip, Modalsystem, moralische Verantwortung, Chrysipp, Karneades, Sympathielehre
Die Arbeit analysiert Ciceros Schrift De Fato im Hinblick auf das Spannungsfeld zwischen einem durch das Schicksal (fatum) determinierten Weltverlauf und der menschlichen Handlungsfreiheit.
Die zentralen Themen sind antike Determinismuskonzepte, die Vereinbarkeit von Vorherbestimmung und menschlicher Moral sowie die logische Struktur des Schicksalsbegriffs in der griechischen Philosophie.
Das Ziel ist es, Ciceros eigene philosophische Position gegenüber den stoischen und epikureischen Determinismusmodellen herauszuarbeiten und zu prüfen, wie er den freien Willen des Menschen verteidigt.
Die Autorin nutzt eine philologische und philosophische Kommentierung, indem sie Ciceros Argumentationsverlauf in De Fato systematisch rekonstruiert und mit den Quellen vergleicht.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Determinismusformen, eine Diskussion konkurrierender Modalsysteme und eine detaillierte textkritische Einordnung von Ciceros De Fato.
Die wichtigsten Begriffe sind Cicero, De Fato, Determinismus, Freiheit, Stoa, Kausalität und das Bivalenzprinzip.
Die Wahl von Hirtius als Gesprächspartner in De Fato wird von der Autorin als politisch motivierter Akt interpretiert, um einflussreiche Kreise der römischen Republik gegen Antonius zu mobilisieren.
Die Lücken werden als hinderlich für das Verständnis des Gesamtwerks angesehen, jedoch versucht die Autorin, durch den Aufbau von Ciceros Argumentation den vermutlich verlorenen Inhalt wissenschaftlich zu rekonstruieren.
Cicero nutzt den Zufall als ein physikalisches Prinzip, um die Unabwendbarkeit einer ewigen Kausalkette zu durchbrechen und somit den Spielraum für menschliches Handeln zu rechtfertigen.
Das Apollon-Beispiel dient der Unterscheidung zwischen der theoretischen Festgelegtheit zukünftiger Ereignisse und der praktischen Unvorhersehbarkeit, die es selbst einer allwissenden Instanz (Laplacescher Dämon) unmöglich machen würde, das Handeln der Menschen exakt vorherzubestimmen.
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