Diplomarbeit, 2001
132 Seiten, Note: 1.0
1. Einleitung
2. Überblick über die zentralen Arbeitsbegriffe
2.1. Was ist Erlebnispädagogik
2.1.1. Vom Erleben zum Lernen
2.1.2. Versuch einer Definition des Begriffes „Erlebnispädagogik“
2.1.3. Geschichte der Erlebnispädagogik
2.1.4. Erlebnispädagogik als moderne pädagogische Konzeption
2.1.5. Anwendungsgebiete der Erlebnispädagogik
2.2. Was ist Offene Jugendarbeit
2.2.1. Gesetzliche Grundlagen
2.2.2. Annäherung an den Begriff der Offenen Jugendarbeit
2.2.3. Geschichte der Offenen Jugendarbeit nach 1945
2.2.4. Formen und Methoden der Offenen Jugendarbeit
2.2.5. Verschiedene pädagogische Ansätze von 1945 bis heute
2.2.6. Perspektiven der Offenen Jugendarbeit
3. Zielstellungen
3.1. Ziele der Erlebnispädagogik
3.2. Ziele der Offenen Jugendarbeit
3.3. Vergleich der Ziele von Offener Jugendarbeit und Erlebnispädagogik
4. Erlebnispädagogik in der Offenen Jugendarbeit in Geschichte und Gegenwart
5. Das Erlebnispädagogik – Projekt im „Haus um die Ecke“
5.1. Die Situation im Vorfeld des Projektes
5.1.1. Das Wohnumfeld
5.1.2. Das „Haus um die Ecke“ als Angebot der Offenen Jugendarbeit
5.1.3. Die Besucherstruktur
5.1.4. Zusammensetzung und Situation der beteiligten Jugendgruppe
5.2. Konzeption und Verlauf des Projektes
5.2.1. Ziele
5.2.2. Planung der Projekteinheiten
5.2.3. Verlauf der Aktivitäten
5.2.3.1.Das Vorbereitungstreffen
5.2.3.2. Einzelaktionen des Projektes
5.2.3.3. Die Wochenendkurse
5.2.3.4.Das Nachbereitungstreffen
5.3. Weiterführende Aktivitäten
6. Untersuchung der Wirkungen im Rahmen des Projektes
6.1. Problemstellung und Strategie der Untersuchung
6.2. Warum eine qualitative Untersuchung?
6.3. Die Einzelfallstudie
6.4. Die teilnehmende Beobachtung
6.4.1. Inhaltliche Merkmale
6.4.2. Praktische Umsetzung im Projektverlauf
6.4.2.1.Beobachtende Person und Beobachtungssituation
6.4.2.2.Rahmen der Beobachtung
6.4.2.3. Verlauf der Beobachtung
6.4.3. Protokollierung
6.4.4. Auswertung
6.4.5. Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse
6.4.6. Schlußfolgerungen
6.5. Das problemzentrierte Experteninterview
6.5.1. Die inhaltlichen Merkmale
6.5.2. Die Datenerhebung
6.5.3. Vorbereitung und Durchführung
6.5.3.1.Die Interviewsituation
6.5.3.2.Der Leitfaden
6.5.3.3.Verlauf des Interviews
6.5.4. Die Auswertung
6.5.5. Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen und Ergebnisse
6.5.6. Schlußfolgerungen
6.6. Ergebnisse der Untersuchung
6.6.1. Das Problem der Generalisierung
6.6.2. Zusammenfassung der Ergebnisse beider Forschungsmethoden
6.6.3. Auswertung
7. Darstellung der Ergebnisse anderer Untersuchungen
8. Schlußwort
Ziel dieser Diplomarbeit ist es, die pädagogische Sinnhaftigkeit und die konkreten Wirkungen erlebnispädagogischer Projekte im Kontext der Offenen Jugendarbeit zu untersuchen. Anhand eines praktischen Projekts („Haus um die Ecke“ in Erfurt) wird analysiert, inwieweit erlebnispädagogische Methoden als sinnvolle Arbeitsmethode dienen können, um individuelle Entwicklungsprozesse und soziale Kompetenzen junger Menschen zu fördern und einen Transfer in den Alltag zu ermöglichen.
2.1.1. Vom Erleben zum Lernen
Will man verstehen, welche besonderen Merkmale und auch Chancen der Ansatz der Erlebnispädagogik in sich birgt, sollte man zuerst versuchen, sich der Bedeutung der Begriffe „Erleben“ und „Erlebnis“ zu nähern. Das Erleben wird in der BROCKHAUS - Enzyklopädie definiert als der „im Bewußtsein ablaufende, unmittelbare und unreflektierte Vorgang, in dem Ich und Welt, Subjekt und Objekt ungeschieden in der ‚Erlebniswirklichkeit‘ gegenwärtig sind. Inhalt und Vollzug des Erlebnisses lassen sich im nachhinein begrifflich trennen." (BROCKHAUS Enzyklopädie 1988, S. 530).
Nach dem alltagspsychologischen Ansatz einer Theorie, welche das Erlebnis vordergründig als Eindruck begreift, „kommt es vor allem auf die Situation an, die das Subjekt beeindruckt“ (Schulze 1992, S. 42). Schulzes Meinung zufolge erfaßt diese Erklärung aber bei weitem noch nicht den wirklichen Kern des Begriffes. Seiner Ansicht nach werden die Erlebnisse nicht vom Subjekt empfangen, sondern im Inneren von ihm selbst gemacht, denn „was von außen kommt, wird erst durch Verarbeitung zum Erlebnis“ (Schulze 1992, S. 44). Nach dieser „Erlebnistheorie der Verarbeitung“ gibt es also einen Unterschied zwischen dem alltäglichen Erleben, das oft nur kurz im Gedächtnis gespeichert wird und dem verarbeiteten, bleibenden Erlebnis, welches als Teil des persönlichen Erfahrungsschatzes nachhaltige und langfristige Wirkungen auf das Individuum haben kann.
Von wesentlichem Interesse für die Sinnhaftigkeit der Erlebnispädagogik ist der Zusammenhang von Erleben und Lernen. Die Bedeutung des Lernens liegt in der Aneignung von Kenntnissen und Fähigkeiten. Durch den Prozeß der vorhergehenden Verarbeitung beinhaltet das Erlebnis schon ein bewußtes Element, es bietet gleichzeitig aber „die Chance für mehr, verlangt vielleicht sogar nach mehr, nämlich Erkenntnis“ (Weiß/Ostenrieder 1993, S.29). In der Psychologie versteht man unter dem Begriff Lernen eine allgemeine und umfassende Bezeichnung für das Erwerben oder Verändern von Reaktionen unter bekannten oder kontrollierten Bedingungen, insofern die beobachteten Veränderungen dauerhaft ausfallen (vgl. Drever/Fröhlich Wörterbuch zur Psychologie 1974, S. 179). Liegt der Sinn der Ermöglichung von Erlebnissen, wie eben in der Erlebnispädagogik, nun im Erreichen angestrebter Lernziele, so ist ein entscheidendes Kriterium hierbei, inwieweit es gelingt, Erlebnisse für bewußtes Lernen fruchtbar zu machen.
1. Einleitung: Diese Einleitung begründet die Relevanz der Arbeit, da die erlebnispädagogische Forschung in der Offenen Jugendarbeit bisher unterrepräsentiert ist und die veränderten Lebenswelten Jugendlicher neue methodische Ansätze erfordern.
2. Überblick über die zentralen Arbeitsbegriffe: Dieses Kapitel definiert die Grundlagen der Erlebnispädagogik und der Offenen Jugendarbeit und diskutiert deren historische Entwicklung sowie konzeptionelle Einordnungen.
3. Zielstellungen: Hier werden die Erziehungs- und Lernziele beider Arbeitsbereiche detailliert herausgearbeitet und miteinander in Bezug gesetzt, um Gemeinsamkeiten und methodische Überschneidungen aufzuzeigen.
4. Erlebnispädagogik in der Offenen Jugendarbeit in Geschichte und Gegenwart: Das Kapitel beleuchtet die langsame Etablierung erlebnispädagogischer Elemente in der Jugendzentrumsarbeit und den "Boom" der neunziger Jahre.
5. Das Erlebnispädagogik – Projekt im „Haus um die Ecke“: Dieser Abschnitt beschreibt das spezifische Praxisprojekt, von der Ausgangssituation im Wohngebiet über die Planung und Durchführung der Aktivitäten bis hin zur Reflexion.
6. Untersuchung der Wirkungen im Rahmen des Projektes: Der Hauptteil der Arbeit erläutert die gewählte methodische Strategie der qualitativen Einzelfallstudie, bestehend aus teilnehmender Beobachtung und Experteninterviews, und fasst die erhobenen Erkenntnisse zusammen.
7. Darstellung der Ergebnisse anderer Untersuchungen: Hier werden zur Einordnung der eigenen Ergebnisse bestehende wissenschaftliche Erkenntnisse und Studien zur Erlebnispädagogik in anderen Kontexten präsentiert.
8. Schlußwort: Das Schlußwort resümiert, dass Erlebnispädagogik ein geeignetes Mittel zur Verwirklichung der Ziele Offener Jugendarbeit ist, sofern die pädagogische Einbettung und Nachbereitung gewährleistet sind.
Erlebnispädagogik, Offene Jugendarbeit, Lebensweltorientierung, Sozialraumarbeit, Jugendarbeit, Handlungskompetenz, Persönlichkeitsentwicklung, Gruppendynamik, Qualitatives Interview, Teilnehmende Beobachtung, Einzelfallstudie, Selbstwertgefühl, Transfer, Jugendsozialarbeit, Freizeitgestaltung.
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung, ob und in welcher Weise erlebnispädagogische Projekte die Ziele der Offenen Jugendarbeit unterstützen und welche Wirkungen dabei bei den teilnehmenden Jugendlichen erzielt werden können.
Die zentralen Themen sind die theoretischen Grundlagen der Erlebnispädagogik und der Offenen Jugendarbeit, die Schnittstellen beider Konzepte, die praktische Umsetzung eines Erlebnispädagogik-Projekts sowie deren wissenschaftliche Evaluation.
Das primäre Ziel ist es, die pädagogische Sinnhaftigkeit und Wirksamkeit von Erlebnispädagogik in der Offenen Jugendarbeit anhand eines konkreten Praxisbeispiels zu belegen und zu reflektieren.
Die Arbeit nutzt einen qualitativen Forschungsansatz, namentlich eine Einzelfallstudie, die sich auf zwei Verfahren stützt: die teilnehmende Beobachtung der Jugendlichen und das problemzentrierte Experteninterview mit der Einrichtungsleiterin.
Im Hauptteil liegt der Schwerpunkt auf der detaillierten Projektbeschreibung („Haus um die Ecke“) und der anschließenden Wirkungsanalyse, die aufzeigt, wie Gruppendynamik, Sozialkompetenzen und das Selbstvertrauen der Jugendlichen durch erlebnispädagogische Maßnahmen beeinflusst wurden.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Sozialraumarbeit, Lebensweltorientierung, Handlungs- und Gruppenkompetenz sowie dem Transfer von Erlebnissen in den Alltag.
Die Konflikte waren zu Beginn deutlich spürbar, dienten jedoch im Projektverlauf als notwendige Lernanlässe. Die Arbeit zeigt auf, wie durch Reflexion und angeleitete Kommunikation eine Verbesserung der gruppendynamischen Prozesse erreicht werden konnte.
Laut dem Autor ist die Nachbetreuung entscheidend, um den Transfer der in der „Ausnahmesituation“ Erlebnispädagogik gewonnenen Erkenntnisse in den Alltag der Jugendlichen nachhaltig zu sichern.
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