Masterarbeit, 2017
129 Seiten, Note: 1,0
1. Einführung in den Gegenstand und den Aufbau der Arbeit
2. Annäherung an das Thema: Flucht und Migration in Deutschland
2.1 Flucht und Migration im Allgemeinen
2.2 Historische Perspektive auf geflüchtete Menschen in Deutschland und deren sprachliche Repräsentation
2.3 Gesellschaftspolitische Entwicklung: Der Kontext des Diskurses in Deutschland 2015
2.4 Diskurstheoretische Perspektiven auf die Konstruktion des Flüchtlings in Deutschland
3. Foucault and Friends: Theoretisches Handwerkszeug
3.1 Vom „Diskurs über Flüchtlinge in den Medien“ zur „Diskussion über massenmedial vermittelte, geflüchtete Menschen“: Einige Überlegungen zum Begriffsgebrauch
3.2 Einführung in die Diskurstheorie Foucaults. Einige Werkzeuge aus seiner „Kiste“
3.3 Diskursanalyse und moderne Fremdenfeindlichkeit
3.4 Die Theorie des „Othering“ und der Postkolonialismus
3.5 Die Konstruktion des Konstrukteurs: „Deutschland“ die Gussform geflüchteter Menschen
3.6 Ein theoretisches Bindeglied: Die Hegemonietheorie und ihre Potentiale innerhalb der Diskursanalyse
4. Eine Brücke von der Diskurstheorie zur Diskursanalyse: Das methodische Vorgehen
4.1 Begriffliches Handwerkszeug der Diskursanalyse
4.2 Ansätze zur praktischen Diskursanalyse
4.3 Anzahl und Auswahl der Zeitungsartikel
4.4 Zergliederung des Diskurses: Code-Struktur und Codierungsverfahren
5. Quantitative Ergebnisse und qualitative Analyse
5.1 Alterität im Diskurs
5.2 „Hilflose Kinder“: Geflüchtete Menschen als Opfer
5.3 Ursachen und Verantwortung für die Opfersituation geflüchteter Menschen
5.4 „Die amorphe Masse kommt“: Geflüchtete Menschen als Bedrohung für Deutsch-e/-land
5.5 „Jung, lernwillig und arbeitsam“: Geflüchtete Menschen als Helfer
5.6 Marginalisiert und rar: Geflüchtete Menschen als politische Subjekte
5.8 Die Täter sind die Anderen: Deutsch-e/-land als Täter
6. Aufgliederung der analysierten Zeitungen in ihre jeweilige Darstellungstendenz
7. Im Spannungsfeld der Kategorien: Die Konstruktion des Flüchtlings als Projektionsfläche deutscher Interessen
Die Arbeit untersucht die mediale Konstruktion von geflüchteten Menschen in führenden deutschen Tageszeitungen während des 3. Quartals 2015, um die damit verbundenen Machtmechanismen und Vorstellungsräume offenzulegen. Im Fokus steht dabei die Frage, wie durch sprachliche Repräsentation, Quantifizierung und die Verwendung spezifischer Kollektivsymbole ein Bild des „Flüchtlings“ erzeugt wird, das den Ausschluss oder die Instrumentalisierung der betroffenen Menschen legitimiert.
3.1 Vom „Diskurs über Flüchtlinge in den Medien“ zur „Diskussion über massenmedial vermittelte, geflüchtete Menschen“: Einige Überlegungen zum Begriffsgebrauch
Schon dem Wort „Flüchtling“ sind einige essentialisierende Konnotationen inhärent. Es wird gebildet aus dem Verb „flüchten“ und dem Ableitungssuffix „-ling“ und verknüpft sprachlich also die Person mit der dauerhaften Eigenschaft des Flüchtens. „Flüchtling“ ist nach SEUKWA jedoch „[…] kein Persönlichkeitsmerkmal, sondern ein Rechtskonstrukt, das als eine Folge institutionellen Handelns in der Ankunftsgesellschaft gesehen werden muss“ (SEUKWA 2010: 3, zit. nach GEIGER 2016: 18). In dieser Form kommen in der Literatur immer wieder Warnungen vor der „Naturalisierung der Flüchtlingsexistenz“ (HEMMERLING 2003: 15, zit. nach GEIGER 2016: 18) vor. Die Essentialisierung von geflüchteten Personen, die ihre Flucht als Identität vom Bezeichnenden „vermacht bekommen“, marginalisiert ihre individuelle Vielfalt. Der sächsische Flüchtlingsrat kritisiert daher treffend:
Hinter der Versachlichung, die durch das Suffix „-ling“ entsteht, verschwinden persönliche Hintergründe von Personen, Bildungs- und Berufsgeschichten, persönliche Interessen und politische Meinungen. Daher ist es angebrachter, von „geflüchteten oder geflohenen Menschen“ zu sprechen (Sächsischer Flüchtlingsrat 2015: 2).
In dem vorrausgegangenen Zitat befindet sich der Hinweis, dass die Flucht der Menschen durch ihre Bezeichnung als geflüchtete Menschen zu einer Episode in ihrem Leben wird und nicht zum essentialistischen Hauptkriterium. Handlungen, die in der Regel zeitlich begrenzt sind, werden durch die Dauerhaftigkeit der sprachlichen Verknüpfung zu einer essentialisierenden Identitätszuschreibung. Die Tendenz der von Außen stattfindenden Essentialisierung findet sich in der späteren Analyse signifikant wieder, was in Verbindung mit der wortimmanenten Zuschreibung verstärkt wird.
1. Einführung in den Gegenstand und den Aufbau der Arbeit: Diese Einleitung skizziert die mediale Präsenz geflüchteter Menschen im Jahr 2015 und legt das Forschungsziel fest, Machtströme in der Konstruktion des „Flüchtlings“ diskursanalytisch aufzuzeigen.
2. Annäherung an das Thema: Flucht und Migration in Deutschland: Dieses Kapitel liefert den sozialen und historischen Kontext der Fluchtmigration und diskutiert wissenschaftliche Perspektiven sowie Ausgrenzungsmechanismen in der deutschen Debatte.
3. Foucault and Friends: Theoretisches Handwerkszeug: Hier wird das theoretische Fundament durch Foucaults Diskurstheorie sowie Ansätze wie „Othering“, Hegemonietheorie und postkoloniale Perspektiven gelegt, um die Analyse zu ermöglichen.
4. Eine Brücke von der Diskurstheorie zur Diskursanalyse: Das methodische Vorgehen: Dieses Kapitel definiert die methodischen Werkzeuge der Diskursanalyse, erläutert die Auswahl des Textkorpus und führt in das spezifische Codierungsverfahren ein.
5. Quantitative Ergebnisse und qualitative Analyse: Der Hauptteil präsentiert die Analyseergebnisse zur Alterität, zur Opfer-Täter-Konstruktion und zur Darstellung des deutschen Staates, wobei diese durch Feinanalyse illustriert werden.
6. Aufgliederung der analysierten Zeitungen in ihre jeweilige Darstellungstendenz: Eine vergleichende Analyse der drei Zeitungen zeigt die spezifischen medialen Ausprägungen und Darstellungstendenzen innerhalb des Diskurses auf.
7. Im Spannungsfeld der Kategorien: Die Konstruktion des Flüchtlings als Projektionsfläche deutscher Interessen: Das Fazit fasst zusammen, wie das Flüchtlingsbild als projektive Fläche für nationale Identität und deutsche Interessen dient.
Diskursanalyse, Michel Foucault, Flüchtling, Othering, Deutschland, Hegemonietheorie, Medienanalyse, Alterität, Konstruktivismus, Sprachkritik, Migration, Macht-Wissen-Nexus, Identitätskonstruktion, Fremdenfeindlichkeit.
Die Masterarbeit befasst sich mit der diskursiven Konstruktion des „Flüchtlings“ in führenden deutschen Tageszeitungen (BILD, F.A.Z., Süddeutsche Zeitung) im dritten Quartal 2015.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die sprachliche Repräsentation von Flucht und Migration, Mechanismen des „Othering“ und die Inszenierung der deutschen Identität im medialen Diskurs.
Ziel ist es, die Machtwirkungen und diskursiven Strategien herauszuarbeiten, durch die der Begriff „Flüchtling“ geformt wird und welche Auswirkungen dies auf die gesellschaftliche Wahrnehmung hat.
Es wird eine kritische Diskursanalyse nach Foucault angewandt, ergänzt durch hegemonietheoretische Ansätze und eine qualitative Feinanalyse von Textpassagen.
Der Hauptteil analysiert, wie geflüchtete Menschen als Opfer, Täter oder Helfer diskursiv gerahmt werden und wie diese Kategorisierungen mit der Konstruktion einer deutschen Identität korrespondieren.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Diskursanalyse, Alterität, Othering, Hegemonie und die mediale Konstruktion von Identität.
Die Analyse zeigt, dass die Verantwortung für die Fluchtursachen fast durchgängig auf „außerdeutsche Gründe“ projiziert wird, während Deutschland als helfendes oder bedrohtes Opfer dargestellt wird.
Die BILD-Zeitung neigt stärker zur Emotionalisierung und Infantilisierung von Flüchtlingen, nimmt aber gleichzeitig oft radikalere, nationalistische Positionen ein als die SZ oder F.A.Z.
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