Bachelorarbeit, 2018
52 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Forschungsstand
1.3 Vorgehen
2. Der Schmerz
2.1 Akuter versus chronischer Schmerz
2.2 Der chronische Rückenschmerz
3. Iatrogene Faktoren
3.1 Überdiagnostik
3.2 Informationsmängel
3.3 Vernachlässigung psychosozialer Faktoren
4. Zwischenfazit
5. Multimodale Schmerztherapie
5.1 Hintergrund
5.2 Anamnese
5.2.1 Fragebögen
5.2.2 Belastungstests
5.3 Körperliche Ebene
5.3.1 Graded Activity
5.3.2 Work Hardening
5.4 Psychologische Ebene
5.4.1 Entspannungsverfahren
5.4.2 Schmerztagebücher
5.5 Multimodale Interventionsprogramme im Vergleich
5.5.1 Göttinger Rücken-Intensiv-Programm
5.5.2 Münchner Rücken-Intensiv-Programm
5.5.3 Rückenfit-Programm
6. Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht die Rolle iatrogener Faktoren bei der Entstehung und Chronifizierung von Rückenschmerzen und analysiert, wie durch systembedingte Fehlsteuerungen im medizinischen Bereich Schmerzverläufe negativ beeinflusst werden können, um darauf aufbauend geeignete, multimodale Interventionsmaßnahmen zu identifizieren.
3.1 Überdiagnostik
„Rückenschmerzen ohne Röntgenuntersuchung scheinen so wenig vorstellbar, wie Zahnarztbesuche ohne Bohren“ (Nilges, 2011, S. 256). Oft herrschen in den Köpfen der Ärzte und Schmerzkranken, bezogen auf die Behandlung chronischer Rückenschmerzen, immer noch veraltete Krankheitsmodelle. Derartige überholte Krankheitsverständnisse führen häufig zu mehr Schaden, mit dessen Folgen die Patienten ihr Leben lang zu kämpfen haben (Heger, 1999, S. 225).
Die erste Schwierigkeit bei der frühzeitigen Erkennung von chronischen Schmerzen liegt an der Diagnostik. In der schmerztherapeutischen Untersuchung hat die biomedizinische Diagnostik besonderen Vorrang. Es gilt in erster Linie, mögliche somatische Schmerzursachen zu analysieren. Dabei kommt nicht selten eine große Auswahl an Verfahren zur Anwendung, wie z. B. Röntgen, Kernspintomographie (MRT) oder Computertomographie. Dabei kann der Einsatz von Verfahren, wie Röntgen oder MRT, trotz fehlender Befunde für ernsthafte Schädigungen, weitreichende negative Folgen für den Patienten haben. Oft ist die Nutzung solcher Verfahren bloß eine überdiagnostische Reaktion des Behandlers, der davon überzeugt sein könnte, eine somatische Ursache übersehen zu haben (Hasenbring & Pfingsten, 2007, S. 110).
Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2017 (Abs. 2,4,5) hat aufgedeckt, dass die Zahl der Rückenoperationen stark angestiegen ist. Zwischen 2007 und 2015 gab es einen Anstieg von 71 %. Besonders auffällig dabei die regionalen Unterschiede, denn in einigen Gebieten wurde bis zu 13-mal häufiger operiert, was deutlich macht, dass sich Diagnostik und Therapie in Deutschland regional noch immer stark unterscheiden und viele Klinikaufenthalte, bei richtiger Operation, vermeidbar sind. Problematisch wird es, wenn durch die Betrachtung radiologischer Befunde nichtzutreffende Ursachenzuschreibungen resultieren und aufgrund dessen anschließend falsch angelegte Behandlungsmaßnahmen herangezogen werden (Hasenbring & Pfingsten, 2007, S. 110).
1. Einleitung: Beschreibt die epidemiologische Relevanz des Rückenschmerzes als Volkskrankheit und definiert die Forschungsfrage bezüglich iatrogener Faktoren.
2. Der Schmerz: Erläutert neurophysiologische und psychologische Grundlagen des Schmerzverständnisses, insbesondere die Abgrenzung zwischen akutem und chronischem Schmerz.
3. Iatrogene Faktoren: Analysiert medizinische Systemfehler wie Überdiagnostik und Informationsmängel, die wesentlich zur Chronifizierung beitragen können.
4. Zwischenfazit: Fasst die Schwachstellen der aktuellen medizinischen Versorgung zusammen und leitet zur Notwendigkeit multimodaler Therapieansätze über.
5. Multimodale Schmerztherapie: Präsentiert Methoden zur Anamnese sowie spezifische körperliche und psychologische Therapiebausteine und vergleicht drei etablierte Interventionsprogramme.
6. Fazit und Ausblick: Beantwortet die Forschungsfrage und resümiert, dass eine multidimensionale Behandlung zur erfolgreichen Bewältigung chronischer Rückenschmerzen unumgänglich ist.
Iatrogene Faktoren, Chronifizierung, Rückenschmerz, Überdiagnostik, Bio-psycho-soziales Modell, Multimodale Schmerztherapie, Schmerzbehandlung, Patientenschulung, Fear-Avoidance-Modell, Patientenkommunikation, Gradualisierte Aktivierung, Work Hardening.
Die Arbeit analysiert, wie das medizinische System selbst durch inkorrekte diagnostische oder therapeutische Ansätze dazu beitragen kann, dass Rückenschmerzen chronifizieren.
Der Fokus liegt auf der Wechselwirkung zwischen ärztlichem Handeln (iatrogene Faktoren) und dem psychologischen sowie sozialen Erleben des Schmerzpatienten.
Ziel ist es, die Rolle von systembedingten Faktoren bei der Chronifizierung zu identifizieren und aufzuzeigen, wie multimodale Interventionsprogramme diese Fehlentwicklungen abfedern können.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Studien und fachmedizinischer Standards zum Thema Schmerzmanagement.
Im Hauptteil werden nach einer theoretischen Fundierung des Schmerzbegriffs die negativen Einflüsse ärztlicher Fehldiagnosen und mangelnder Kommunikation beleuchtet sowie konkrete moderne Therapiekonzepte verglichen.
Schlüsselbegriffe sind Iatrogene Faktoren, Chronifizierung, multimodale Therapie und das bio-psycho-soziale Krankheitsmodell.
Iatrogene Faktoren sind laut der Arbeit Einflüsse, die „durch den Arzt verursacht“ werden – also negative Auswirkungen von diagnostischen oder therapeutischen Maßnahmen auf den Krankheitsverlauf des Patienten.
Sie dienen als Best-Practice-Beispiele, die den Patienten nicht mehr nur rein somatisch betrachten, sondern ihn durch Interaktion von Physiotherapie, Psychologie und Sozialarbeit befähigen, die Eigenverantwortung für seinen Schmerz zurückzugewinnen.
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