Examensarbeit, 2005
60 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
Teil I
1. Allgemeine Daten zur Entstehung
2. Zur Publikation
3. Zur Form und zur Tradition des Verwandlungsmotivs
Teil II
Charakterisierung und Beziehungen zwischen den einzelnen Figuren
1. Gregor
1.1. Gregors Beziehung zu sich selbst: Der Fremde im eigenen Körper als passiver Beobachter
1.2. Gregors Beziehung zu seinem Beruf
1.3. Die Flucht vor der Realität ins Sprachliche
1.4. Gregors Verhältnis zu seiner Familie
1.5. Gregors Kleinbürgertum
1.6. Gregors Kontaktscheue und Sexualität
1.7. Individualität
1.8. Der Tod Gregors
2. Der Vater
3. Die Mutter
4. Beide Eltern
5. Grete
6. Der Prokurist
7. Die drei Zimmerherren
8. Die knochige Bedienerin
9. Die Rolle der Sprache und die Rolle der Musik
9.1. Exkurs: Ein Vergleich mit Grillparzers Erzählung Der arme Spielmann
Schlusswort
Die vorliegende Arbeit untersucht Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ unter dem Aspekt der kleinbürgerlichen Gesellschaft, wobei der Fokus auf der Analyse der Figurenkonstellationen, ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen sowie ihrer Entfremdungsprozesse liegt. Dabei wird die zentrale Forschungsfrage verfolgt, wie die Verwandlung Gregors und die Reaktionen seiner Familie als Spiegelbild kleinbürgerlicher Ordnungsmuster und patriarchaler Machtstrukturen gedeutet werden können.
1.1. Gregors Beziehung zu sich selbst: Der Fremde im eigenen Körper als passiver Beobachter
Gregor nimmt gleich zu Beginn die Rolle des Beobachters ein in Bezug auf sich selbst und seine Umgebung. Schlagartig ist er in einem Körper gefangen, den er nicht kennt. Hierin kann man einen Verweis auf das nach Sigmund Freuds Entdeckungen ins Wanken gebrachte Selbstbild des Menschen sehen, der erkennen musste, dass er auch den eigenen Körper nicht kannte, bzw. von daran gebundenen, ihm unbekannten Trieben dominiert war. Gregor ist also sich selbst entfremdet, was im Kontrast zum unveränderten Zimmer dargestellt wird.
Wir erleben ihn gleich zu Beginn in seiner Beobachter-Rolle als passiv. Er ist sich nicht „ekelhaft“, schon gar nicht gerät er „in Panik“ oder „wehrt sich“, wie Martin Walser behauptet; aber gerade diese Teilnahmslosigkeit ist das Erschreckende. Man kann sein Verhalten auch nicht als den Versuch deuten, „seine Tendenz zur Panik energisch zu bekämpfen“, da eine solche Tendenz nirgends zu erkennen ist. Stattdessen macht ihn „das trübe Wetter [...] ganz melancholisch“ (116), das ist aber auch schon alles. Seine ganze Taktik besteht darin zu warten, bis etwas passiert, „als erwarte er vielleicht von der völligen Stille die Wiederkehr der wirklichen und selbstverständlichen Verhältnisse.“ (123) Selbst die häufig in der Sekundärliteratur zu findende Frage nach der Ursache seiner Verwandlung stellt sich Gregor nie.
Teil I: Das erste Kapitel befasst sich mit den biographischen Hintergründen der Entstehung, der Publikationsgeschichte sowie der literarischen Einordnung des Verwandlungsmotivs.
Teil II: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die Charaktere Gregor, Vater, Mutter, Eltern, Grete, Prokurist, Zimmerherren und Bedienerin hinsichtlich ihrer Beziehungen und ihrer Rolle innerhalb der kleinbürgerlichen Ordnung.
Franz Kafka, Die Verwandlung, Gregor Samsa, Kleinbürgertum, Entfremdung, Familienstrukturen, Patriarchat, Literaturwissenschaft, Rezeptionsgeschichte, Grillparzer, Der arme Spielmann, Machtstrukturen, Identitätsverlust, Beobachterrolle, Symbolik.
Die Arbeit analysiert Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ und untersucht, wie die Beziehungen der Figuren zueinander als Spiegelbild einer kleinbürgerlichen Gesellschaft fungieren.
Die Schwerpunkte liegen auf der Untersuchung von Entfremdung, familiären Machtstrukturen, dem Verlust der Identität und der Rolle von Sprache und Musik im sozialen Kontext.
Ziel ist es, die Erzählung losgelöst von einseitigen autobiographischen Deutungen als Kunstwerk zu betrachten und die gesellschaftlichen Zusammenhänge zu untersuchen, die zur Ausgrenzung des Protagonisten führen.
Der Autor nutzt eine textnahe Analyse unter Einbeziehung der Sekundärliteratur und setzt die Erzählung in einen vergleichenden Kontext zu Grillparzers „Der arme Spielmann“.
Der Hauptteil widmet sich einer tiefgehenden Charakterisierung der einzelnen Familienmitglieder sowie der Nebenfiguren wie dem Prokuristen und den Zimmerherren.
Die zentralen Begriffe sind Kafka, Kleinbürgertum, Entfremdung, Machtstrukturen und Identität.
Die Musik wird als gescheiterter Versuch Gregors interpretiert, eine emotionale Verbindung zur menschlichen Gemeinschaft wiederherzustellen, wobei sie sich als bürgerliches Statussymbol entpuppt.
Sie wird als wichtige Kontrastfigur hervorgehoben, da sie als einzige ohne Fassade agiert und Gregor unvoreingenommen gegenübertritt.
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