Magisterarbeit, 2004
101 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
I. Spiel
1. Zum Begriff des Spiels
2. Spieldefinitionen und Spielmerkmale
3. Spieltheorien und -klassifizierungen
3.1. Anfänge
3.2. Klassische Spieltheorien
3.3. Moderne Spieltheorien
3.3.1. Die kognitive Spieltheorie Jean Piagets
3.3.2. Psychoanalytische Spieltheorien
3.3.3. Dialektische Spieltheorie nach Brian Sutton-Smith
3.4. Ergänzende Klassifikationsmöglichkeiten
4. Spielpädagogik
5. Die Nutzbarmachung des Spiels als Medium der Friedenspädagogik
6. Korrespondierende pädagogische Handlungsbereiche
II. Frieden
1. Zum Begriff des Friedens
2. Friedensforschung
3. Friedenspädagogik / Friedenserziehung
3.1. Frühe Konzepte der Friedenspädagogik und -erziehung
3.2. Klassische Konzepte der Friedenspädagogik und -erziehung
3.2.1. Anthropologisch-personale Friedenspädagogik
3.2.2. Geisteswissenschaftlich-dialektische Friedenspädagogik
3.3. Inhalte, Prinzipien und Aufgaben heutiger Friedenserziehung
III. Friedensspiele
1. Rollenspiele
1.1. Planspiele / Simulationsspiele
1.1.1. Das NATO-Spiel
1.1.2. Soja, Kaffee oder schwarze Bohnen?
1.1.3. Krieg oder Frieden
1.1.4. Model United Nations
1.1.5. World Game
1.1.6. Zusammenfassende Bewertung
1.2. Darstellendes Spiel
1.2.1. Schwarz-Weiß-Begegnungsspiel
1.2.2. Puppentheater
1.2.3. Friedenserziehung mit allen Sinnen
1.2.4. Zusammenfassende Bewertung
2. Gesellschaftsspiele
2.1. Gruppenspiele
2.2. Brettspiele
2.3. Das Spiel für den Frieden
2.4. Zusammenfassende Bewertung
3. Sportspiele
3.1. Kooperative Sportspiele
3.2. Fremdheit in Sportspielen
3.3. Straßenfußball
3.4. Zusammenfassende Bewertung
4. Computer- und Videospiele
5. Gestaltendes Spiel
6. Spiel als Rahmenkonzept
7. Entwurf eines Bewertungssystems
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einsatz von Spielen als zivile Handlungsmöglichkeit im Kontext der Friedensbildung, Friedenserziehung und Friedenspädagogik. Die zentrale Forschungsfrage liegt darin, wie verschiedene Spielkonzepte als Medien zur Förderung friedensrelevanter Kompetenzen und Strategien fungieren können und wie diese anhand eines Bewertungsrasters in den Kontext friedenspädagogischen Handelns einzuordnen sind.
3.3.1. Die kognitive Spieltheorie Jean Piagets
Der Schweizer Psychologe Jean Piaget (1896-1980) sieht die Entwicklung des Spielens parallel zu dem bekannten von ihm entwickelten kognitiven Entwicklungsmodell. Die wesentlichen Hauptbegriffe seiner Spieltheorie sind demnach die Systeme der Assimilation und Akkommodation. Diese bilden einen ständig rückkoppelnden Regelkomplex, der der Anpassung des Kindes dient und Adaption genannt wird. Während unter Assimilation die Anpassung der Umwelt an die jeweiligen eigenen geistigen Schemata verstanden wird, erklärt die Akkommodation das Anpassen eines Schemas oder einer Struktur an die jeweilige Situation oder den jeweiligen Gegenstand. Überwiegend akkommodatives Verhalten führt nach Piaget zu Imitation, während ein Übergewicht an Assimilation zu Spiel führt. Nachahmungsverhalten erfordert also zunächst die Akkommodation der Umgebung, wobei dieses Verhalten dann bei zunehmender Beherrschung des jeweiligen Materials in Assimilation übergeht und dann Spiel genannt werden kann.
Piagets Stadien der Denkentwicklung lassen sich wie folgt den entsprechenden Stadien der Spielentwicklung zuordnen: Im sensomotorischen Stadium im Alter vom 2. bis zum 18. Lebensmonat überwiegt das Übungsspiel, in der kognitiven Entwicklungsstufe des verbalen und anschaulichen Denkens vom 2. bis zum 7. Lebensjahr ist das Symbolspiel die vorherrschende Spielform, es wird schließlich in der Phase der konkret operationellen Intelligenz vom 7. bis zum 11. Lebensjahr vom Regelspiel abgelöst, wobei Piaget das Symbolspiel als den „Höhepunkt des Kinderspiels“ ansieht.
I. Spiel: Dieses Kapitel erläutert den komplexen Begriff des Spiels, beleuchtet historische sowie moderne Spieltheorien und führt die Spielpädagogik als Handlungsfeld ein.
II. Frieden: Hier wird der Friedensbegriff aus verschiedenen Perspektiven (völkerrechtlich, theologisch, pädagogisch) analysiert und die historische Entwicklung der Friedenspädagogik nachgezeichnet.
III. Friedensspiele: Das Hauptkapitel präsentiert eine Auswahl an Rollenspielen, Gesellschaftsspielen und Sportspielen, die als Medien der Friedenserziehung dienen, analysiert deren Wirkungsweise und entwirft ein Bewertungssystem.
Friedenspädagogik, Friedenserziehung, Spieltheorie, Kooperationsspiele, Planspiele, Friedensforschung, Rollenspiel, Sportspiele, Konstruktive Konfliktlösung, Interkulturelle Verständigung, Spielpädagogik, Gewaltprävention, Sozialkompetenz, Simulation, Friedenskompetenz.
Die Arbeit untersucht, wie verschiedene Arten von Spielen als Medien im Kontext der Friedenspädagogik und Friedenserziehung eingesetzt werden können, um friedensfördernde Kompetenzen zu vermitteln.
Die zentralen Themen umfassen die theoretische Fundierung des Spiels, die Konzepte der Friedenspädagogik sowie die Analyse und Bewertung praktischer Spielexempel.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Spiele als Instrumente der Friedenserziehung genutzt werden können, und einen systematischeren Entwurf für ein Bewertungsraster zu entwickeln, um solche Konzepte wissenschaftlich und praktisch greifbar zu machen.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse, der historischen Aufarbeitung von Spieltheorien und der systematischen Kategorisierung praktischer Fallbeispiele basiert.
Der Hauptteil analysiert konkrete Spielbeispiele aus den Bereichen Rollenspiele (Planspiele), Gesellschaftsspiele, Sportspiele, Computerspiele und gestaltendes Spiel unter friedenspädagogischen Gesichtspunkten.
Die wichtigsten Begriffe sind Friedenspädagogik, Kooperationsspiele, Spieltheorie, Konfliktlösung und Friedenserziehung.
Planspiele zeichnen sich besonders dadurch aus, dass sie komplexe Konfliktsituationen oder Handlungsabläufe simulieren und somit den Fokus auf die Interaktion von Spielparteien legen, um politisches oder soziales Verständnis zu fördern.
Sutton-Smith betrachtet das Spiel als ein Mittel zur Konfliktlösung, das gewöhnliche Gegensätze transzendiert und durch reversible Handlungen neue adaptive Verhaltensmöglichkeiten für das Individuum schafft.
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