Magisterarbeit, 2007
216 Seiten, Note: 1,5
Einleitung
I. „Daß ich nur schreibend über die Dinge komme!“
Prozess 1 – Das Interview als Fortführung offener, prozessualer Textpraxis
Prozess 2 – Das fremde Material oder: der Dialog mit den Toten
Prozess 3 – Selbstbearbeitung
Prozess 4 – Der Widerspruch ungebrochen auf die Bühne geworfen
II. Ehrlos ehrlich – Ehrabschneider?
1. DDR als Material
2. Die „kritische Solidarität“ mit der DDR
3. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
III. Geschichte
1. Der historisch-materialistische Gemischtwarenladen: Karl Marx
2. Der eilige Kunde: Die DDR
Exkurs: Heiner Müller als Marxist wider Willen
3. Der unzufriedene Lehrling: Müller oder: Die Reklamation
(I) Geschichte als Katastrophe oder Ein Trümmerhaufen
(II) Gegen den Starrsinn
(III) Der (alternative) historische Materialismus oder Konstruktives Eingedenken
Einschub: Posthistoire und Stillstand
(IV) Der Messianismus des historischen Materialismus und die Utopie
(V) Die utopischste Kunst – das Theater
Exkurs: Gespenster
IV. Mythos
1. Mythos als diskursive gesellschaftliche Praxis
2. Zur Tradierung des Mythos in der Literatur
3. Die Mythenrezeption in der DDR im Anschluss an Karl Marx
4. Zu Heiner Müllers Mythenrezeption
V. „Philoktet“
1. Die Forschung
2. Vorgänger und Verhältnisse
3. Der lange Weg durch die Produktion
4. Figuren(potenziale)
(I) Neoptolemos
(II) Philoktet
(III) Odysseus
VI. Die Frage nach der Tragödie nach der Tragödie – Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Stück „Philoktet“ von Heiner Müller unter der Forschungsfrage, wie dieses Drama als ein konstruktiv-erinnernder Umgang mit Geschichte im mythischen Erfahrungs- und Denkmodell verstanden werden kann und welchen Stellenwert es innerhalb von Heiner Müllers Schaffen einnimmt.
Prozess 4 – Der Widerspruch ungebrochen auf die Bühne geworfen
Es ist nur folgerichtig, wenn Müller darauf besteht, die Konflikte, die er mit dem Material – im Dialog mit den Toten – aufgenommen und denen er vor dem Hintergrund eigener Wirklichkeitserfahrung eine aktualisierte Form gegeben hat, in ihrer Ungelöstheit an das Publikum zur Bearbeitung zu übergeben. Ungelöst bedeutet in diesem Fall: uninterpretiert: „Die Interpretation ist die Aufgabe des Zuschauers, die darf nicht auf der Bühne stattfinden. Dem Zuschauer darf diese Arbeit nicht abgenommen werden.“ (GI1, S. 153, 1985)
Die Fragen, die hier noch offen bleiben müssen, sind jene: Welche Lösung imaginiert Heiner Müller für die Konflikte? Wie verschwinden die Widersprüche, einmal auf der Bühne (in den Köpfen) präsent? Die Beschwörung der Geister im „Dialog mit den Toten“ – sind sie gerufen, um sie erneut zu begraben oder auf ewig in unserer Mitte zu behalten? Ist die Beschwörung eine Willkommensgruß oder der Auftakt eines Exorzismus?
Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Rezeption von Heiner Müllers „Philoktet“ ein und formuliert die zentrale These der Arbeit, dass die Modellhaftigkeit des Stücks sowohl die inhaltliche als auch die formale Ebene betrifft.
I. „Daß ich nur schreibend über die Dinge komme!“: In diesem Kapitel wird Heiner Müllers prozessuales Textverständnis untersucht, wobei insbesondere die Bedeutung seiner Interviews als Mittel zur fortlaufenden (Weiter-)Arbeit am Textmaterial herausgestellt wird.
II. Ehrlos ehrlich – Ehrabschneider?: Der Abschnitt beleuchtet das komplexe, von „kritischer Solidarität“ geprägte Verhältnis Müllers zur DDR und verdeutlicht, wie dieses als Widerspruchslabor für sein Schaffen diente.
III. Geschichte: Hier wird Müllers tiefgreifende Auseinandersetzung mit der Geschichtsphilosophie, insbesondere im Bezug auf Marx und Walter Benjamin, analysiert, um den theoretischen Rahmen für seine Dramatik zu spannen.
IV. Mythos: Das Kapitel untersucht die Bedeutung des Mythos als Denkmodus bei Heiner Müller und zeigt auf, wie er die griechische Tragödie für aktuelle gesellschaftliche Konfliktmodelle produktiv macht.
V. „Philoktet“: Dies ist das zentrale Analysedokument, in dem Entstehung, Deutungsgeschichte und die Figurenkonstellation von „Philoktet“ detailliert betrachtet werden.
VI. Die Frage nach der Tragödie nach der Tragödie – Fazit: Das Fazit führt die Fäden zusammen und resümiert, inwiefern Müllers „Philoktet“ als (unabgeschlossenes) Theatermodell die Tragödie als Paradigma der kollektiven Auseinandersetzung mit Geschichte heute noch produktiv macht.
Heiner Müller, Philoktet, Theaterästhetik, Geschichtsphilosophie, Mythos, Tragödie, DDR-Literatur, Walter Benjamin, Prozessualität, Erinnerung, Widerspruch, Lehrstück, Subjekt.
Die Arbeit analysiert das Drama „Philoktet“ von Heiner Müller und untersucht, wie Müller antike Mythen und tragische Formen nutzt, um zeitgenössische geschichtliche und gesellschaftliche Widersprüche zu reflektieren.
Zu den zentralen Themen zählen die Theaterästhetik Müllers, sein kritisches Verhältnis zur DDR, der Stellenwert der Geschichte und die Funktion des Mythos als Instrument zur Auseinandersetzung mit der Gegenwart.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass „Philoktet“ als Modell fungiert, das keine abgeschlossenen Antworten liefert, sondern als „Laboratorium“ dient, um gesellschaftliche Konflikte für das Publikum produktiv zu machen.
Die Untersuchung stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Analyse von Primär- und Sekundärtexten, die Müllers eigene Poetologie, seine Selbstaussagen in Interviews sowie die Rezeptionsgeschichte einbezieht.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Abschnitte zu Geschichte, Mythos und Theaterbegriff sowie eine dezidierte Analyse des Stücks „Philoktet“, seiner Figurenkonstellation und Aufführungsgeschichte.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Heiner Müller, Philoktet, Geschichtsphilosophie, Mythos, Tragödie und prozessuale Textpraxis bestimmt.
Der Mythos dient Müller nicht nur als Stoffquelle, sondern als strukturelles Konfliktmodell, das die Offenheit des Dramas für heutige Diskurse ermöglicht und als Korrektiv zur verengten teleologischen Geschichtssicht wirkt.
Diese Vorstellung postuliert, dass Theater nicht nur Abbild der Wirklichkeit sein soll, sondern ein Raum, in dem das Publikum durch das „Aufbrechen“ gewohnter Denkweisen zur aktiven, kritischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Realitäten angeregt wird.
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