Fachbuch, 2019
106 Seiten
1 Einleitung
1.1 Untersuchungsgegenstand, Fragestellungen und Thesen
1.2 Quellenmaterial
1.3 Theorien und Methoden
1.4 Forschungsstand
1.5 Aufbau
2 Die „Polizei“? Konfigurationen von Polizei im frühen 19. Jahrhundert
2.1 Von der Policey zur Polizei
2.2 Polizeiliches Personal: Spektrum lokaler Ordnungskräfte
2.3 Fremd- und Selbstverständnisse von Polizeibediensteten
3 Polizeiliche Ermittlungen
3.1 Rekonstruktion der Tatabläufe: Zeugenvernehmung und Beweissicherung
3.2 Prozesse der Administration
3.3 „Profiling“ – Erstellung von Verbrecherprofilen
3.3.1 Kriminalwissenschaftliche Erfassung von Verbrechern
3.3.2 Spezifische Tätergruppen
3.3.2.1 Vaganten
3.3.2.2 Räuber
3.3.3 Kriminelle Netzwerke: Organisationsform Räuberbande
3.4 Operative Maßnahmen
3.4.1 Fahndung mittels Steckbriefen
3.4.2 Patrouillen und Visitationen
3.4.2.1 Strategische Implikationen
3.4.2.2 Lokalisierung der Delinquenten
3.4.2.3 Problematiken der Ausführung
4 Diskurse um (Un-) Sicherheit
4.1 Öffentlichkeit und Delinquenz
4.1.1 Destruktion der sozialen Ordnung: Straftatbestand Raubmord
4.1.2 Berichterstattung im Spannungsfeld von Aufklärung und Unterhaltung
4.2 Topos „Im Wald da sind die Räuber…“: Der Naturraum Wald als Unort
4.3 Abwesenheit von Polizei – Praktiken des Selbstschutzes
5 Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht die Polizeiarbeit in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts am Beispiel der preußischen Stadt Mühlhausen, um Möglichkeiten und Grenzen der lokalen Ordnungsgewalt sowie den Umgang mit Kriminalität zu analysieren.
3.1 Rekonstruktion der Tatabläufe: Zeugenvernehmung und Beweissicherung
Der Kaufmann Habbicht wurde von einer in den Akten nicht mit Namen benannten Person am 16. Juni 1834 in einem Teil des Mühlhäuser Stadtwaldes namens Kringel verletzt aufgefunden und anschließend in seine Wohnung in Mühlhausen geschafft. Alsbald wurden die Bediensteten der Mühlhäuser Polizeiverwaltung verständigt. Wenn irgend jemand durch Gewaltthätigkeit getödtet oder lebensgefährlich verwundet worden ist, sollte gemäß dem Polizeihandbuch von Merker durch die Ordnungskräfte zuerst für die etwa noch mögliche Lebensrettung des […] Verwundeten gesorgt werden. Sodann sollten Vorkehrungen getroffen werden, um den Thatbestand einer etwa vorgefallenen verbrecherischen Handlung nicht verdunkel[n] zu können und um die Entweichung der muthmaßlichen Verbrecher zu verhindern. Zudem sollten die Polizeibediensteten mit möglichster Schonung, [den Verletzten] über den Thäter […] befragen. Wer die Befragung von Habbicht vornahm, ist nicht klar ersichtlich. In Betracht würde der Bürgermeister als leitender Ermittler in Polizeiangelegenheiten kommen, da auch er den Bericht dazu verfasste. Aufgrund der Befragung des Verwundeten ergab es sich, dass er Räubern zum Opfer gefallen war.
Es stellte heraus, dass der Kaufmann Habbicht heute früh [16. Juni 1834] vor 5 Uhr […] in Geschäfte von hier weg [von Mühlhausen] [ritt] und wenige Stunden nachher […] an der rechten Schläfe durch einen Schuß schwer blesiert in Grindel aufgefunden [wurde], wo er erzählte, wie er von 4 Kerls, deren einer eine kurze Flinte und ein anderer ein kurzes Seitengewehr gehabt, überfallen, verwundet und seiner Geldkatze beraubt [worden] sey.
1 Einleitung: Die Einleitung legt den Untersuchungsgegenstand fest, stellt die zentralen Fragestellungen zur Polizeipraxis im frühen 19. Jahrhundert vor und erläutert die methodische sowie quellenkritische Herangehensweise.
2 Die „Polizei“? Konfigurationen von Polizei im frühen 19. Jahrhundert: Dieses Kapitel erörtert die historische Entwicklung des Polizeibegriffs von der frühneuzeitlichen „guten Policey“ zur staatlich organisierten Polizei und analysiert das Personal sowie dessen Selbstverständnis.
3 Polizeiliche Ermittlungen: Hier werden die konkreten administrativen und operativen Vorgehensweisen, wie die Rekonstruktion von Tatabläufen, die Erstellung von Verbrecherprofilen und die Nutzung von Fahndungsmitteln, detailliert untersucht.
4 Diskurse um (Un-) Sicherheit: Das Kapitel befasst sich mit der medialen Berichterstattung, der Konstruktion des Waldes als gefährlicher „Unort“ und den von der Bevölkerung praktizierten Formen des Selbstschutzes bei Polizeimangel.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse hinsichtlich der Polizeiarbeit und Sicherheitsarchitektur zusammen und gibt einen Ausblick auf weiterführende kriminalitätshistorische Fragestellungen.
Polizeiarbeit, 19. Jahrhundert, Mühlhausen, Kriminalitätsgeschichte, Sicherheitsdiskurs, Verbrecherprofile, Räuberbanden, Vaganten, Ermittlungsstrategien, Preußen, Polizeihoheit, Kriminalistik, Social Profiling, Wald, Selbstschutz.
Die Arbeit untersucht die Polizeiarbeit und Sicherheitsarchitektur in der preußischen Stadt Mühlhausen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Zentral sind die Ermittlungsmethoden der Polizei, die Konstruktion von Verbrecherbildern, die mediale Berichterstattung über Kriminalität und der Umgang der Bevölkerung mit wahrgenommener Unsicherheit.
Ziel ist es, die Möglichkeiten und Grenzen lokaler Ordnungsgewalt aufzuzeigen und zu analysieren, wie Kriminalität diskursiv geformt und polizeilich behandelt wurde.
Die Arbeit nutzt einen historisch-praxeologischen Ansatz innerhalb der Kriminalitätsgeschichte, gestützt auf eine quellenkritische Analyse von Polizeihandbüchern und einer spezifischen Kriminalakte von 1834.
Der Hauptteil analysiert die Konfigurationen von Polizei, polizeiliche Ermittlungsstrategien wie "Profiling" und Patrouillen sowie die gesellschaftlichen Diskurse rund um Sicherheit, insbesondere im Kontext des Waldes als Gefahrenraum.
Wichtige Begriffe sind Polizeiarbeit, Kriminalitätsgeschichte, Sattelzeit, Sicherheitsdiskurs, Räuberbanden, "Social Profiling" und historische Praxeologie.
Der Wald fungierte im 19. Jahrhundert als „Unort“ und Rückzugsraum für Delinquenten, was ihn zu einem zentralen Agitationsraum für Überfälle und zu einem Fokus polizeilicher Kontrollbemühungen machte.
Sie dienen als maßgebliche Quellen, um das theoretische Wissen und die Normvorgaben zu verstehen, an denen sich die Polizeipraktiker in ihrem administrativen Alltag orientierten.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

