Masterarbeit, 2017
110 Seiten, Note: 1,1
1. Einführung in die Untersuchungsgegenstände
1.1 Was ist Kultur?
1.1.1 Dimensionen des anthropologischen Kulturbegriffs
1.1.2 Geschlossener vs. offener Kulturbegriff
1.1.3 Multi-, Inter- und Transkulturalität
1.2 Was ist interkulturelle Kompetenz?
1.2.1 Dimensionen interkultureller Kompetenz
1.2.2 Aktuelle Herausforderungen für das Konzept interkultureller Kompetenz
1.3 Was ist transkulturelle Literatur?
1.3.1 Systematisierungsansätze mehrkultureller Literatur
1.3.2 Zum didaktischen Potenzial literarischer Texte
2. Analyse ausgewählter Werke transkultureller Literatur
2.1 Auswahl des Textkorpus
2.2 Zu den Autoren
2.3 Inhaltsstrukturen, Handlungsverläufe und Figurenkonstellationen
2.4 Interkulturelle Interaktionen und Prozesse der Selbstreflexion in ausgewählten Textpassagen
2.4.1 Sten Nadolny: Selim oder Die Gabe der Rede
2.4.2 Emine Sevgi Özdamar: Die Brücke vom Goldenen Horn
2.4.3 Rafik Schami: Die Sehnsucht fährt schwarz
2.4.4 Wladimir Kaminer: Russendisko
2.5 Vergleichende Aspekte
2.6 Didaktische Analyse der vorliegenden Texte auf ihr Potenzial zur Vermittlung interkultureller Kompetenzen
3. Schlussbetrachtungen und Ausblick
Die Arbeit untersucht das didaktische Potenzial transkultureller Literatur der deutschen Gegenwartsliteratur für die Vermittlung interkultureller Kompetenzen. Hierbei wird analysiert, wie literarische Werke durch ihre thematische und formale Ausgestaltung interkulturelle Interaktionsprozesse sowie Prozesse der Selbstreflexion bei den Lesenden anregen und somit als Medium zur Überwindung essenzialistischer Kulturkonzepte fungieren können.
1.1.2 Geschlossener vs. offener Kulturbegriff
Wie dem vorhergehenden Kapitel offenkundig zu entnehmen ist, so birgt auch das zeitgenössische Verständnis von Kultur ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotenzial, da es auf einem weit verbreiteten Theorieansatz fußt, der Kulturen mittels ethnischer Standardisierungen zu erklären versucht. Nun wird der Grundstein der theoretischen Konzeptualisierung des geschlossenen Kulturbegriffs oftmals mit dem vielzitierten Kugelmodell von Johann Gottfried Herder assoziiert, demzufolge Kulturen vermeintlich als holistische Entitäten gedacht werden und sich somit zwar begegnen, aber nicht zu vermischen vermögen. Diesem Ansatz folgend sei das Nationalvolk mithin Träger und Produzent von Kultur. Es ist nicht zu leugnen, dass die Wirksamkeit dieser folgenreichen Kulturkonzeption bis in die Gegenwart fortdauert und die Wissenschaft disziplinübergreifend auf einschneidende Weise geprägt hat. Dabei unterminiert das Beharren auf einer geschlossenen Variante des Kulturbegriffs und der damit verbundenen Ethnisierung den notwendigen Paradigmenwechsel hin zu einer offenen Variante des Kulturbegriffs in beachtlichem Maße. In der seit mehreren Jahren fortwährenden und intensiv geführten Debatte um den Rekurs auf ein standardisiertes Kulturverständnis, sehen sich zahlreiche Wissenschaftsdisziplinen mit der Forderung nach einer Gegenstandserweiterung konfrontiert. Das ist insofern verständlich, als dass viele Fachrichtungen sich notwendigerweise aus Gründen der einfacheren Handhabbarkeit dem geschlossenen Kulturbegriff verschrieben haben, der insbesondere im Zeitalter der Globalisierung angesichts internationaler Verbindungen und Austauschpraktiken jedoch zunehmend obsolet erscheint. Jürgen Bolten kritisiert in diesem Zusammenhang die Tendenz, den geschlossenen Kulturbegriff aus pragmatischer Absicht zu verwenden, da er kulturelle Reziprozitätsverhältnisse schlichtweg ignoriere.
1. Einführung in die Untersuchungsgegenstände: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen zu Kultur, interkultureller Kompetenz sowie transkultureller Literatur und diskutiert die Notwendigkeit eines offenen Kulturverständnisses.
2. Analyse ausgewählter Werke transkultureller Literatur: Der Hauptteil analysiert Romane und Erzählungen von Nadolny, Özdamar, Schami und Kaminer hinsichtlich ihrer interkulturellen Interaktionsmuster und ihres didaktischen Potenzials.
3. Schlussbetrachtungen und Ausblick: Das abschließende Kapitel resümiert die theoretischen und analytischen Erkenntnisse und reflektiert die Möglichkeiten und Grenzen der Literaturdidaktik im interkulturellen Kontext.
Transkulturelle Literatur, Interkulturelle Kompetenz, Gegenwartsliteratur, Kulturtheorie, Identitätskonstruktion, Migration, Hybridität, Literaturdidaktik, Interkulturelle Interaktion, Selbstreflexion, Postnationales Schreiben, Multiperspektivität, Fremdverstehen, Stereotypisierung, Ambiguitätstoleranz.
Die Arbeit untersucht das Potenzial transkultureller Texte der deutschen Gegenwartsliteratur als Medium zur Vermittlung interkultureller Kompetenzen.
Zentrale Felder sind Kulturtheorien, Konzepte interkultureller Kompetenz, Migrationserfahrungen und die didaktische Aufbereitung literarischer Texte.
Es wird untersucht, wie Literatur genutzt werden kann, um Lernende für interkulturelle Dynamiken zu sensibilisieren und ein offenes, prozessuales Kulturverständnis zu fördern.
Die Autorin verwendet eine literatur- und kulturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Kulturmodelle mit der detaillierten Textanalyse ausgewählter Werke verbindet.
Im Hauptteil werden Werke von Sten Nadolny, Emine Sevgi Özdamar, Rafik Schami und Wladimir Kaminer analysiert, um interkulturelle Interaktionen und Prozesse der Selbstreflexion in den Texten aufzuzeigen.
Wichtige Begriffe sind Transkulturalität, Identität, Hybridität, interkulturelle Kompetenz und Literaturdidaktik.
Der geschlossene Kulturbegriff wird als statisch und homogen (Kugelmodell) definiert, während der offene Kulturbegriff Kultur als dynamischen, prozessualen und hybriden Interaktionsraum versteht.
Die "doppelte Optik" bzw. narrative Mehrperspektivität dient dazu, einseitige, eurozentrische Sichtweisen zu relativieren und den Prozess des Fremdverstehens in den Erzählungen selbst zu reflektieren.
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