Forschungsarbeit, 2002
25 Seiten
1. Das Motiv
2. Erzählte Zeit (Die Zeit der Handlung)
3. Die Raumkomposition als Ort verborgener Zeitaspekte
4. Abstraktion versus Natur: die geometrische Struktur als ein Element des Zeitlosen
6. Gleichmaß und Indifferenz: was haben die Erfindung der Eisenbahn, die Modernisierung von Paris und die industrielle Revolution mit Cézanne zu tun?
7. Zeitlichkeit versus Dauer: die Akzentuierung des Wesentlichen
8. Resümee
Die Arbeit untersucht das Gemälde "La femme à la cafetière" von Paul Cézanne im Hinblick auf die Darstellung von Zeit und Zeitbezügen im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zentrum steht die Frage, wie Cézanne durch formale Kompositionsmittel und die Reduktion auf geometrische Grundformen eine zeitlose "Dauer" erschafft, die in einem spannungsreichen Kontrast zur modernen, durch Beschleunigung und industrielle Veränderungen geprägten Epoche steht.
3. Die Raumkomposition als Ort verborgener Zeitaspekte
Die bildende Kunst scheint nach Boehm Zeit und Zeitlichkeit per se auszuschließen: Die Leinwand, der Sockel und der Boden sind „die stabilen Orte der, so scheint es, wesensgemäß bewegungsfremden Bildnerei.“ Diese Annahme geht wesentlich auf Lessing (1729-1781) zurück, der 1766 in „Laokoon oder über die Grenzen der Malerei und Poesie“ einen Vergleich der Darstellungsträger und nicht der Medien vorgenommen hatte:
„Leinwand, Bronze oder Stein, die materiellen Substrate der bildenden Kunst, sind räumlich und von sich her unbewegt, Sprache und Ton dagegen zeitlich und bewegt...Der Klang des Wortes will zeitlich realisiert werden: gesprochen, gespielt, dargestellt; auch bei der Musik gehen wir hörend mit, während Bilder ohne eine solche offene zeitliche Perspektive eine lediglich indirekte temporale Realisierung erlauben.“
In der Bild-Zeit gerinnt der flüchtige Moment zur Ewigkeit; im Bild-Raum manifestiert sich die Idee der Unendlichkeit. Einer Unendlichkeit, interpretierbar im Sinne eines immerwährenden, unveränderlichen Seins: Der Bild-Raum war nicht und wird auch nicht sein; er ist. Er dehnt sich nicht aus und zieht sich nicht zusammen. Er ist ein vollendetes, perfektes Gebilde. Abgeschlossen in seinem Entstehungsprozeß, trotzt er jeder weiteren Veränderung; er ist und bleibt. In diesem Sinne sind gemalte Bilder nach Berger statisch:
„Die einzigartige Erfahrung beim Betrachten eines Bildes - über mehrere Tage oder Jahre hin - ist, daß inmitten des ständigen Wechsels das Bild unveränderlich bleibt. Natürlich kann sich die Bedeutung eines Bildes aufgrund historischer oder persönlicher Entwicklungen ändern, aber das Gemalte verändert sich nicht: die gleiche Milch fließt aus dem gleichen Krug, die Meereswellen haben unterbrochen genau die gleiche Gestalt, das Gesicht und das Lächeln haben sich nicht verändert.“
1. Das Motiv: Beschreibung des Bildes, der Dargestellten und der spezifischen Anordnung der Gegenstände sowie der Farbgebung.
2. Erzählte Zeit (Die Zeit der Handlung): Analyse der zeitlosen Ruhe im Bild und der Erstarrung der dargestellten Figur und ihrer Umgebung.
3. Die Raumkomposition als Ort verborgener Zeitaspekte: Untersuchung des Bildraums als statisches Gebilde im Gegensatz zur bewegten Zeit des modernen Lebens.
4. Abstraktion versus Natur: die geometrische Struktur als ein Element des Zeitlosen: Erörterung der geometrischen Reduktion als Mittel, das Motiv in eine Sphäre zeitlosen Seins zu überführen.
6. Gleichmaß und Indifferenz: was haben die Erfindung der Eisenbahn, die Modernisierung von Paris und die industrielle Revolution mit Cézanne zu tun?: Darstellung des Einflusses technischer Entwicklungen auf die menschliche Wahrnehmung und deren Parallelen zu Cézannes Werk.
7. Zeitlichkeit versus Dauer: die Akzentuierung des Wesentlichen: Diskussion über Cézannes Bestreben, das "Wesentliche" und "Dauerhafte" gegenüber der flüchtigen Moderne zu bewahren.
8. Resümee: Zusammenfassende Betrachtung, dass Cézannes Gemälde zeitlos und zeitgemäß zugleich wirken, da sie eine Konjunktion verschiedener Zeitebenen schaffen.
Paul Cézanne, La femme à la cafetière, Kunstgeschichte, Raumkomposition, Zeitlosigkeit, Dauer, Geometrische Abstraktion, Industrialisierung, Moderne, Wahrnehmungsgeschichte, Fotografie, Vergänglichkeit, Bildanalyse, Haussmann, Zeitbewusstsein
Die Arbeit untersucht das Gemälde "La femme à la cafetière" von Paul Cézanne unter dem besonderen Fokus der Darstellung von Zeit, Dauer und Zeitlosigkeit im Kontext der gesellschaftlichen Veränderungen des 19. Jahrhunderts.
Die zentralen Felder umfassen die Bildkomposition bei Cézanne, den Einfluss von technischen Neuerungen wie der Eisenbahn und der Fotografie auf die zeitliche Wahrnehmung sowie das philosophische Spannungsfeld zwischen flüchtigem Moment und dauerhaftem Sein.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Cézanne durch formale Mittel wie geometrische Strenge dem Wandel seiner Zeit trotzt und eine "zeitlose Dauer" in der Kunst etabliert, die dennoch in engem Austausch mit der Moderne steht.
Es handelt sich um eine kunsthistorische Analyse, die formale Bilduntersuchungen mit historischen und philosophiegeschichtlichen Kontexten (z. B. Lessings Ästhetik oder die Relativitätstheorie) verknüpft.
Der Hauptteil analysiert die Raumkomposition, die Wirkung der Geometrie auf die Zeitwahrnehmung und setzt diese in Beziehung zu den Umbrüchen der Industriegesellschaft, wie etwa dem Haussmannschen Umbau von Paris.
Wichtige Begriffe sind Zeitlosigkeit, Dauer, geometrische Struktur, industrielle Moderne, Wahrnehmungsgeschichte und Cézannes künstlerische Intention der Bewahrung.
Die Autorin zieht Analogien zwischen Cézannes stilisierter, "zeitenthobener" Darstellung und der Fotografie, da beide Medien eine Art "Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen" erzeugen und Momente aus der Zeit herauslösen.
Die Eisenbahn symbolisiert den neuen, beschleunigten Rhythmus des 19. Jahrhunderts. Dieser dient als Kontrastfolie zu Cézannes statischer und dauerhafter Bildkomposition, um den zeitkritischen Gehalt seiner Kunst zu unterstreichen.
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