Bachelorarbeit, 2017
37 Seiten, Note: 1,7
1 EINLEITUNG
2 HISTORISCHER KONTEXT UND DIE ASPEKTE DER GEWALT WÄHREND DER MEXIKANISCHEN REVOLUTION
3 DIE THEORIE VON ARIEL DORFMAN
3.1 LA VIOLENCIA VERTICAL Y SOCIAL
3.2 LA VIOLENCIA HORIZONTAL E INDIVIDUAL
3.3 LA VIOLENCIA INESPACIAL E INTERIOR UND LA VIOLENCIA NARRATIVA
4 DIE DARSTELLUNG DER GEWALT IN DEN KURZGESCHICHTEN VON JUAN RULFO
4.1 EL HOMBRE
4.2 LA CUESTA DE LAS COMADRES
4.3 ¡DILES QUE NO ME MATEN!
4.4 EL LLANO EN LLAMAS
5 SCHLUSSBETRACHTUNG
Die Arbeit untersucht die Darstellung von Gewalt in ausgewählten Kurzgeschichten von Juan Rulfo unter Rückgriff auf die Gewalttheorie von Ariel Dorfman und beleuchtet dabei, inwiefern diese Erzählungen die Mexikanische Revolution widerspiegeln.
4.1 El hombre
Die Kurzgeschichte El hombre ist eine Geschichte über Blutrache. Zudem gibt es in diesem cuento eine erste und eine zweite Rache. Einer der Protagonisten, Urquidi, tötet José Alcancías Bruder, welcher daraufhin die beiden Söhne und die Tochter Urquidis umbringt. Urquidi möchte sich an Alcancía rächen, verfolgt diesen und tötet ihn am Ende mit mehreren Schüssen in den Nacken. Am Ende der Geschichte berichtet ein Hirte der Obrigkeit von dem Fund einer Leiche in einer ruhigen Stelle des Wassers.
Die Struktur der Kurzgeschichte ist relativ komplex. Die Erzählung besteht aus zwei voneinander abgegrenzten Teilen. Im ersten Teil wechseln sich die Perspektiven von Verfolger und Verfolgtem in Form innerer Monologe ab. Zwischen den inneren Monologen taucht ein allwissender Erzähler auf, der den schweren Weg des Verfolgers und dessen Umgebung beschreibt. Während dieser Monologe erfährt der Leser etwas über die Vorgeschichte der beiden Männer und über die Mühen der Flucht und der Verfolgung. Der erste Teil besteht aus zwei Zeitebenen. Die erste Ebene handelt von der Flucht und der Verfolgung, wobei nicht deutlich wird, in welchem Abstand Urquidi Alcancía folgt. Durch die zweite Zeitebene wird die erste Ebene immer wieder unterbrochen und der eigentliche Tathergang beschrieben.
Im zweiten Teil der Geschichte taucht ein weiterer Erzähler auf und es kommt zu einem weiteren Perspektivwechsel. Während einer Befragung, durchgeführt von einem señor licenciado, berichtet ein Hirte von den letzten Tagen des Verfolgten und versichert, dass er nicht gewusst habe, dass der Verfolgte ein Mörder war. Die ganze Geschichte wird also aus drei verschiedenen Perspektiven beleuchtet.
Das Motiv der Gewalt ist in dieser Geschichte eindeutig die Rache. Beide Männer werden von dem Verlangen nach Rache geplagt, und ihr Denken ist im Grunde vom gleichen Muster bestimmt. Der Tod der Verwandten muss gerächt werden, und beiden ist bewusst, dass auf diese Tat wieder mit Rache geantwortet wird. Dieses Verhalten kreiert einen nie endenden Kreislauf der Rache. Beiden ist klar: „Y donde yo me detenga, allí estará. Se arrodillará y me pedirá perdón. Y yo le dejaré ir un balazo en la nuca … Eso sucederá cuando yo te encuentre.“
1 EINLEITUNG: Einführung in die Biographie von Juan Rulfo und die Relevanz der Themen Gewalt und Einsamkeit für sein literarisches Schaffen.
2 HISTORISCHER KONTEXT UND DIE ASPEKTE DER GEWALT WÄHREND DER MEXIKANISCHEN REVOLUTION: Beleuchtung der historischen Hintergründe und der allgegenwärtigen Gewalt während der Mexikanischen Revolution zwischen 1910 und 1920.
3 DIE THEORIE VON ARIEL DORFMAN: Erläuterung der Klassifikation verschiedener Gewalttypen, insbesondere der vertikalen und horizontalen Gewalt, basierend auf Dorfmans Werk.
4 DIE DARSTELLUNG DER GEWALT IN DEN KURZGESCHICHTEN VON JUAN RULFO: Detaillierte Analyse der Gewaltmotive und deren Zuordnung zu den theoretischen Modellen anhand von vier repräsentativen Kurzgeschichten.
5 SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Bewertung der Gewalt als zentrales, unverzichtbares Element in Rulfos Kurzgeschichten und Spiegelbild der Revolutionsära.
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Die Arbeit untersucht, wie Gewalt in den Kurzgeschichten von Juan Rulfo dargestellt wird und in welcher Beziehung diese literarische Darstellung zur historischen Realität der Mexikanischen Revolution steht.
Die zentralen Themen sind Gewalt als erzählerisches Element, die Auswirkungen der Mexikanischen Revolution auf das Leben der ländlichen Bevölkerung sowie die literarische Auseinandersetzung mit Rache, Schuld und gesellschaftlicher Unterdrückung.
Das Ziel ist es, die Darstellung der Gewalt in Rulfos Kurzgeschichten herauszuarbeiten, die Motive für diese Gewalt zu erläutern und die Geschichten in die Gewalttypen nach der Theorie von Ariel Dorfman einzuordnen.
Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse von Kurzgeschichten unter Anwendung der theoretischen Klassifikation von Gewalt durch Ariel Dorfman sowie einen historischen Abgleich mit Ereignissen der Mexikanischen Revolution.
Im Hauptteil werden vier Kurzgeschichten (El hombre, La Cuesta de las Comadres, ¡Diles que no me maten! und El llano en llamas) analysiert, um die spezifischen Motive, die Art der Gewalt und deren Bezug zur Revolution aufzuzeigen.
Wichtige Schlagworte sind Juan Rulfo, Mexikanische Revolution, Gewaltspirale, Blutrache, Dorfmans Theorie und die sozio-historische Bedingtheit der Gewalt in der lateinamerikanischen Literatur.
Die Blutrache dient in vielen Erzählungen als zentrales, oft kreislaufartiges Gewaltmotiv, das die Protagonisten in ihrer Handlungsfreiheit einschränkt und sie in einer fatalistischen Spirale aus Rache und Gegenschlag gefangen hält.
In der Titelgeschichte ist die Gewalt weniger durch individuelle Rache motiviert, sondern durch eine kollektive, teils sinnlose Destruktivität, die das völlige Scheitern revolutionärer Ideale an der rohen Realität und der moralischen Verrohung widerspiegelt.
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