Diplomarbeit, 2005
76 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
1.I Ein Blick auf die Familie heute
1.II Begriffsdefinitionen
2. Geschwisterbeziehung im Allgemeinen
2.I Die längste Beziehung des Lebens
2.II Geschwisterreihe
2.III Rivalität
3. Menschen mit behinderten Geschwistern
3.I Erwartungen, die an die Geschwister behinderter Menschen gestellt werden - aus Sicht der Kinder
3.II Risikofaktoren und was heißt eigentlich "gut entwickelt"?
3.II.a Die Geschwisterreihe: Alter, Geschlecht und Position in der Geschwisterfolge
3.II.b Familiengröße, Familienumfeld und sozioökonomischer Status
3.II.c Art und Schwere der Behinderung
3.II.d Einstellung der Eltern
3.II.e Betreuung, Pflege und Hausarbeit - Eine Übersicht über die Studien
3.II.f Elterliche Aufmerksamkeit - Bekommen Kinder mit behinderten Geschwistern tatsächlich weniger Aufmerksamkeit?
3.III Qualität der Beziehung von behinderten und nichtbehinderten Geschwistern: Rollenbeziehung und Spielverhalten
3.IV Behinderte Geschwister: Auch eine Bereicherung?
3.V Verantwortung versus Selbstkonzept
4. Aussichten
4.I Zukünftige Forschung
4.II Praxiskonzepte und die Aufgabe der Heilpädagogik
Die Arbeit untersucht die komplexe Dynamik der Geschwisterbeziehung zwischen nichtbehinderten Kindern und ihren behinderten Geschwistern. Ziel ist es, die Auswirkungen dieser besonderen Konstellation auf die Entwicklung der nichtbehinderten Kinder zu beleuchten, wobei sowohl potenzielle Belastungsfaktoren als auch bereichernde Aspekte analysiert werden, um ein umfassendes Verständnis für deren Lebenswelt zu schaffen.
3.II.a Die Geschwisterreihe: Alter, Geschlecht und Position in der Geschwisterfolge
Das Alter der Kinder innerhalb einer Familie hat sicherlich auch Einfluss auf die aktuellen Probleme die sich ergeben. Sowohl die einzelnen Geschwister, wie auch deren Beziehungen untereinander machen eine Entwicklung durch, die von den verschiedenen Entwicklungsphasen geprägt werden.
So beginnt dieser Prozess im Kleinkindalter, das dauerhaft durch neue Erfahrungen geprägt ist. Aus dem Säugling wird ein zunehmend selbstständigeres Kleinkind, das seine erlernten Fähigkeiten, wie das Laufen, weiter ausdifferenziert und sich mit Stolz der Sprache und deren Zuordnung zu den Dingen beschäftigt. Mit drei Jahren entwickelt es ein Ich-Bewusstsein und kann sich von anderen Menschen mit "Ich" und "Du" differenzieren. In dieser Phase besuchen die meisten Kinder den Kindergarten. Die Trotzphase stellt sich ein und begibt die Eltern oft vor schier auswegslose Probleme. Besonders schwierig kann es werden, wenn dieses Kind einen behinderten Bruder oder eine behinderte Schwester hat, für die "Sonderregelungen" gelten. Wie soll ein vierjähriges Mädchen auch verstehen, dass es in den Kindergarten muss, obwohl es heute lieber bei Mama bleiben will, wenn der sechsjährige behinderte Bruder wegen eines Arzttermins zu Hause bleiben kann? Schwer ist auch zu Verstehen, warum die behinderte Schwester schreien und toben darf, während das nichtbehinderte Kind immer schön brav und still sein soll. "Sie kann das halt nicht verstehen" sagt zum Beispiel die Mutter über ihre geistig behinderte Tochter. Kann ihre gesunde Tochter mit vier Jahren das besser verstehen? Jedenfalls wird Verständnis schon früh von den Kindern erwartet.
1. Einleitung: Beschreibt den soziologischen Wandel der Familienstrukturen und die abnehmende Familiengröße in Deutschland sowie die Relevanz der Thematik für die Heilpädagogik.
2. Geschwisterbeziehung im Allgemeinen: Erläutert die Grundlagen geschwisterlicher Bindung, die Rolle der Geburtenfolge und das Phänomen der Rivalität als Teil der kindlichen Entwicklung.
3. Menschen mit behinderten Geschwistern: Analysiert tiefgreifend die spezifischen Herausforderungen, Erwartungen, Risikofaktoren und die Beziehungsqualität für nichtbehinderte Geschwister von Kindern mit Behinderung.
4. Aussichten: Diskutiert Notwendigkeiten für zukünftige Forschungen und leitet heilpädagogische Handlungsmöglichkeiten zur Unterstützung betroffener Familien ab.
Geschwisterbeziehung, Behinderung, Heilpädagogik, Familienklima, Rollenverhalten, Schattenkinder, Rollenüberkreuzung, Belastung, Resilienz, Entwicklungspsychologie, Geschwisterreihe, elterliche Zuwendung, Identitätsentwicklung.
Die Arbeit untersucht das Aufwachsen von Kindern, die einen behinderten Bruder oder eine behinderte Schwester haben, und wie diese besondere Familiensituation ihre Entwicklung und Identität prägt.
Die Schwerpunkte liegen auf der psychosozialen Situation, der Rolle der Geschwister im Familiensystem, der Dynamik der elterlichen Zuwendung sowie der Unterscheidung zwischen positiven und negativen Einflüssen der Behinderung auf das nichtbehinderte Kind.
Das Ziel ist es, ein differenziertes Bild der Geschwister behinderter Menschen zu zeichnen, Belastungen zu identifizieren und aufzuzeigen, wie unterstützende heilpädagogische Maßnahmen aussehen können.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Studien und Forschungsergebnisse, ergänzt durch Fallbeispiele und psychologische Theorien zur kindlichen Entwicklung.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Risikofaktoren wie elterlicher Erziehung, Alter, Geschlecht und der Art der Behinderung, sowie in die Untersuchung der Qualität der Geschwisterbeziehung und der Rolle des behinderten Kindes im Alltag.
Wichtige Begriffe sind unter anderem "Rollenüberkreuzung", "Schattenkinder", "Rivalität", "familiäres Bewältigungsverhalten" und die Auseinandersetzung zwischen "Verantwortung" und "Selbstkonzept".
Dieser Begriff, geprägt von Biermann und Biermann (1988), beschreibt Kinder, die aufgrund der intensiven Bedürfnisse ihres behinderten Geschwisters elterliche Aufmerksamkeit und Zuwendung vermissen oder sich zeitweise in deren Schatten gestellt fühlen.
Der Rollentausch tritt auf, wenn ein jüngeres nichtbehindertes Kind entwicklungsmäßig sein älteres behindertes Geschwister überholt. Dies kann zu Verunsicherung beim jüngeren Kind führen, da gewohnte Hierarchien aufgehoben werden und es früh Verantwortung übernimmt.
Die Heilpädagogik bietet präventive und intervenierende Ansätze, wie etwa themenzentrierte Gesprächsgruppen, um den Geschwistern Raum zur Verarbeitung ihrer Gefühle zu geben und die Gesamtsituation der Familie zu stärken.
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