Diplomarbeit, 2005
89 Seiten, Note: 1,3
Vorwort
1. Einführung in die Thematik der Heimerziehung
1.1 Geschichte der Heimerziehung
1.2 Heimerziehung heute
1.3 Formen der Heimerziehung
1.3.1 Kinderheime
1.3.2 Außenwohngruppen und Wohngemeinschaften
1.3.3 Betreutes Wohnen
1.4 Statistische Zahlen zur Hilfe zur Erziehung in stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe
1.5 Qualität sozialer und pädagogischer Arbeit in Heimen
2. Die Situation Jungendlichen und junger Erwachsener aus Heimen und sonstigen betreuten Wohnformen
2.1 Die Entwicklungspsychologische Gesichtspunkte zur Jugendphase
2.2 Fünfte Phase nach Erikson: Die Adoleszenz
2.3 Der Beginn des Erwachsenenalters
2.4 Soziologische Aspekte zur Phase der Jugend
2.5 Lebenslage und Lebenswelt
3. Verselbständigung
4. Wohnen
5. Praxisteil: Workshop „Verselbständigung im Bezug auf die erste eigene Wohnung“
5.1 Das Konzept des Workshops
5.2 Vorbereitungen
5.3 Tag 1 des Workshops mit Vorstellung der Teilnehmer
5.3.1 Tag 2 des Workshops
5.3.2 Tag 3 des Workshops
5.3.3 Tag 4 des Workshops
5.4 Auswertung des Workshops
6. Fazit
Ziel dieser Arbeit ist es, die Problematik der Verselbständigung von Jugendlichen aus stationären Jugendhilfeeinrichtungen zu beleuchten und eine praxisnahe Hilfestellung für den Übergang in die erste eigene Wohnung zu entwickeln. Es wird der Frage nachgegangen, welche Aspekte für ein eigenverantwortliches Leben entscheidend sind und wie ein pädagogisch begleitetes Workshop-Konzept den Jugendlichen diesen Schritt erleichtern kann.
1.1 Geschichte der Heimerziehung
Heimerziehung entstand zusammen mit der Anstaltspflege in der Zeit des Mittelalters. Die ersten Findel- und Waisenhäuser waren der allgemeinen Armenfürsorge angegliedert. Eine spezielle Heimpflege für Kinder, deren Eltern sie nicht ernähren konnten bzw. ums Leben gekommen waren, gab es nicht. Die Kinder, meist Säuglinge, wurden an Ammen vermittelt, um im Alter von etwa sechs Jahren wieder zurück ins Waisenhaus zu kehren. Dort lebten sie solange bis sie alt genug waren, für ihren Lebensunterhalt selbständig zu sorgen, oft durch betteln. Planvolle Erziehung oder Bildung gab es für diese Kinder nicht, außer religiöser Art. (vgl. Homes, 13f.)
Zwischen 1500-1700 ging die bisher ausschließlich bei der Kirche angesiedelte Sozialfürsorge an die staatliche Verwaltung über. Für die in der Zeit vermehrt aufkommenden Vagabunden und Armen gab es eine Arbeitspflicht. Wer dieser nicht nachkam, wurde in eine Zwangsarbeitsanstalt oder in ein Zuchthaus gebracht. So wurden zu dieser Zeit „zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“: Zum einen kriegte man das Armutsproblem halbwegs in den Griff und zum anderen waren die für die aufblühenden frühkapitalistischen Manufakturen nötigen Arbeitskräfte an einem Ort verfügbar. (vgl. ebd., 14ff.)
Um 1700 blühte dann der Kapitalismus immer mehr auf und so wurden die Waisenhäuser an die neugebauten Manufakturen angegliedert. Für fast alle Kinder und Jugendlichen die dort untergebracht waren, bestand das kärgliche Leben aus religiöser Unterweisung, strenger Zucht und harter Arbeit. Nur ein kleiner Teil der Kinder mit herausragendem Talent dufte von der Armen- zur Lateinschule wechseln. An alledem konnte auch der steigende Einfluss der Pietisten, z.B. August Hermann Francke, nichts ändern. Der wirtschaftliche Druck war größer als das humanitäre und christliche Interesse der Gründer der Manufakturen. (vgl. ebd., 16f.)
1. Einführung in die Thematik der Heimerziehung: Ein historischer Abriss der Heimerziehung von ihren mittelalterlichen Ursprüngen bis hin zu aktuellen Strukturen und gesetzlichen Rahmenbedingungen.
2. Die Situation Jungendlichen und junger Erwachsener aus Heimen und sonstigen betreuten Wohnformen: Analyse der entwicklungspsychologischen und soziologischen Faktoren, die den Übergang für Jugendliche aus Heimen erschweren.
3. Verselbständigung: Theoretische Einordnung des Verselbständigungsprozesses als fortgeschrittene Phase der Sozialisation.
4. Wohnen: Erläuterung der existenziellen Bedeutung des Wohnens und der notwendigen Kompetenzen für ein eigenständiges Haushalten.
5. Praxisteil: Workshop „Verselbständigung im Bezug auf die erste eigene Wohnung“: Detaillierte Darstellung des entwickelten Praxisprojekts, inklusive Konzept, Vorbereitung, Durchführung und Auswertung.
6. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung zur Notwendigkeit einer individuelleren Unterstützung bei der Verselbständigung in der Jugendhilfe.
Heimerziehung, Verselbständigung, stationäre Jugendhilfe, Adoleszenz, Sozialisation, Betreutes Wohnen, Lebenswelt, Alltagskompetenzen, Wohnungsgründung, Jugendhilfegesetz, SGB VIII, Identitätsbildung, Finanzkompetenz, Übergangsbegleitung, Praxisprojekt.
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Herausforderung, Jugendlichen aus der stationären Jugendhilfe den Übergang in ein selbständiges Leben zu erleichtern, wobei der Fokus insbesondere auf der Gründung eines eigenen Haushaltes liegt.
Die zentralen Themenfelder umfassen die Geschichte der Heimerziehung, die Entwicklungspsychologie der Adoleszenz, soziologische Aspekte der heutigen Jugendphase sowie die praktische Vermittlung von Alltagskompetenzen.
Das Ziel ist es, durch die Verknüpfung von Theorie und Praxis eine effektive "Starthilfe" in Form eines Workshops zu entwickeln, die Jugendliche befähigt, die Anforderungen ihrer ersten eigenen Wohnung eigenverantwortlich zu bewältigen.
Die Autorin kombiniert eine theoretische Auseinandersetzung mit entwicklungspsychologischen und soziologischen Modellen (z.B. Erikson, Arlt) mit einem Praxisprojekt, dessen Verlauf sie dokumentiert und evaluiert.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Heimerziehung und Verselbständigung sowie einen umfangreichen Praxisteil, der einen Workshop zur finanziellen und praktischen Lebensplanung beschreibt.
Schlüsselbegriffe sind Heimerziehung, Verselbständigung, Adoleszenz, soziale Starthilfe, Alltagskompetenzen und die erste eigene Wohnung.
Viele Jugendliche aus der Jugendhilfe weisen entwicklungsbedingte Defizite auf und stehen beim Auszug ohne den schützenden Rückhalt einer Herkunftsfamilie da, während die Erwartungen der Gesellschaft an ihre Volljährigkeit oft unrealistisch hoch sind.
Das Fazit fällt positiv aus, da die Teilnehmer eine hohe Motivation zeigten und der Workshop ihnen half, viele zuvor unbekannte Sachverhalte (wie Finanzen oder Behördengänge) besser zu verstehen und realistischer zu planen.
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