Bachelorarbeit, 2018
35 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung in die Thematik
2 Aktivierender Sozialstaat
2.1 Aktivierende Sozialpolitik
2.2 Instrumente der Aktivierungspolitik
2.3 Das Bild des Menschen im aktivierenden Sozialstaat
3 Das doppelte Mandat
3.1 Definition des doppelten Mandats
3.2 Aktuelle Entwicklung
4 Die Jugendberufshilfe
4.1 Rechtliche Grundlagen
4.2 Aufgaben und Ziele
5 Jugendberufshilfe im aktivierenden Sozialstaat – das Verhältnis von Hilfe und Kontrolle im Wandel
6 Fazit
Das Hauptanliegen dieser Arbeit besteht darin, aufzuzeigen, wie sich durch den Wandel vom Wohlfahrtsstaat zum aktivierenden Sozialstaat das Verhältnis von Hilfe und Kontrolle innerhalb des doppelten Mandats der Sozialen Arbeit verschiebt. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, welche Konsequenzen dieser sozialpolitische Paradigmenwechsel für die Praxis der Jugendberufshilfe hat und wie sich die Aufgaben sowie Methoden in diesem Handlungsfeld unter den neuen Rahmenbedingungen verändern.
3.1 Definition
Früh wurde in der Sozialen Arbeit ein Widerspruch zwischen Hilfe und Kontrolle entdeckt, der sich als konstitutives Merkmal in diesem Arbeitsfeld verfestigte (vgl. Lutz 2013: 25). 1973, als Reaktion auf die Akademisierung der Sozialen Arbeit und der 68er-Bewegung, wurde das „doppelte Mandat“ von Böhnisch und Lösch wissenschaftlich entdeckt (vgl. ebd.). „In diese[m] ist der Sozialarbeiter angehalten, ein stets gefährdetes Gleichgewicht zwischen den Rechtsansprüchen, Bedürfnissen und Interessen des Klienten einerseits und den jeweils verfolgten sozialen Kontrollinteressen seitens öffentlicher Steuerungsagenturen andererseits aufrechtzuerhalten.“ (Böhnisch/ Lösch 1973: 28). Das Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle ist folgerichtig kein harmonisches, sondern ein von Konflikten geprägtes Verhältnis, welches immer wieder neu in der Praxis ausgehandelt werden muss. Es gilt als das „Berufsschicksal“ und „zentraler Rollenkonflikt“ eines Sozialarbeiters (vgl. Böhnsich/ Lösch 1973: 27). Somit bezieht sich die Hilfeseite des „doppelten Mandats“ auf die Bedürfnisse und Wünsche des Individuums, wohingegen die Kontrollseite durch Aufträge von staatlicher Seite dominiert wird (vgl. Dahme/ Wohlfahrt 2018: 219f.). „Die Tätigkeit der Jugendhilfe ist geprägt durch die Gleichzeitigkeit von Hilfe und Kontrolle. Je nach Handlungsfeld erhält dabei die Hilfe oder die Kontrolle größeres oder geringeres Gewicht.“ (Schone 2016: 1108). Die Jugendhilfe als Teil der Sozialpädagogik dient in diesem Fall als Beispiel, um zu zeigen, dass es in Bezug auf das „doppelte Mandat“ Unterschiede zwischen den einzelnen Handlungsfeldern gibt.
1 Einleitung in die Thematik: Die Einleitung erläutert den Wandel des deutschen Sozialstaatsmodells hin zur Aktivierung und führt in die Problematik des doppelten Mandats als Kern der Sozialen Arbeit ein.
2 Aktivierender Sozialstaat: Dieses Kapitel analysiert die theoretischen Grundlagen und die Entstehung des aktivierenden Sozialstaats, inklusive der Prinzipien von "Fördern und Fordern".
3 Das doppelte Mandat: Hier wird das Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle definiert und die historische sowie aktuelle Bedeutung für die Soziale Arbeit herausgearbeitet.
4 Die Jugendberufshilfe: Dieses Kapitel behandelt die rechtlichen Grundlagen (§ 13 SGB VIII) sowie die ursprünglichen Aufgaben und Ziele der Jugendberufshilfe.
5 Jugendberufshilfe im aktivierenden Sozialstaat – das Verhältnis von Hilfe und Kontrolle im Wandel: Das Kapitel verknüpft die zuvor analysierten Schwerpunkte und zeigt die Verschiebung der Jugendberufshilfe hin zu einer stärkeren Kontrollorientierung auf.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Gefahren der Instrumentalisierung sozialer Arbeit für rein arbeitsmarktpolitische Ziele.
Jugendberufshilfe, Aktivierender Sozialstaat, Doppeltes Mandat, Hilfe und Kontrolle, SGB VIII, Arbeitsmarktintegration, Employability, Fördern und Fordern, Sozialisationshilfe, Prekarität, Soziale Arbeit, Hartz-Reformen, Disziplinierung, Aktivierungspolitik, Sozialpolitik.
Die Arbeit untersucht den sozialpolitischen Wandel in Deutschland und dessen Auswirkungen auf das Handlungsfeld der Jugendberufshilfe, insbesondere hinsichtlich des beruflichen Selbstverständnisses von Sozialarbeitern.
Die zentralen Themen sind der Wandel vom Wohlfahrtsstaat zum aktivierenden Sozialstaat, das doppelte Mandat der Sozialen Arbeit und die gesetzlichen sowie strukturellen Rahmenbedingungen der Jugendberufshilfe.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich durch den Druck zur Arbeitsmarktintegration das Verhältnis zwischen der Hilfeleistung und der Kontrollausübung in der Jugendberufshilfe zu Ungunsten der Hilfe verschiebt.
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf Fachliteratur, sozialwissenschaftlichen Diskursen und gesetzlichen Grundlagen basiert, um die Veränderungen im Handlungsfeld Jugendberufshilfe systematisch zu reflektieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des aktivierenden Staates, die Erläuterung des doppelten Mandats, die rechtliche Verortung der Jugendberufshilfe und die abschließende Zusammenführung dieser Aspekte in der Analyse des Wandels.
Neben der Jugendberufshilfe sind Begriffe wie "aktivierender Sozialstaat", "doppeltes Mandat", "Fördern und Fordern" sowie "Employability" für das Verständnis der Arbeit essentiell.
Der Autor stellt fest, dass sich das Verhältnis deutlich in Richtung der Kontrollseite verschiebt, da staatliche Vorgaben und Sanktionsmechanismen zunehmend die pädagogische Arbeit überlagern.
Weil die Fokussierung auf die schnelle Integration in den Arbeitsmarkt dazu führt, dass breitere soziale Probleme der Jugendlichen ignoriert werden und die ursprüngliche Funktion als ganzheitliche "Sozialisationshilfe" verloren geht.
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