Fachbuch, 2019
105 Seiten
1 Phänomen Dschihad
2 Die Unterschiede kennen - Begriffserklärung
2.1 Terrorist / Terrorismus
2.2 Fundamentalist / Fundamentalismus
2.3 Extremist / Extremismus
2.4 Islamist / Islamismus
2.5 Salafist / Salafismus
2.5.1 Der puristische Salafismus
2.5.2 Der politische Salafismus
2.5.3 Der terroristische (dschihadistische) Salafismus
2.6 Dschihad / Dschihadist / Dschihadismus
3 Nächstes Ziel: Dschihad
3.1 Zur Adoleszenz junger Menschen mit und ohne Migrationshintergrund
3.2 Radikalisierungsfaktoren und Ursachen junger Menschen
3.2.1 Zugehörigkeitsgefühl / soziale Bindungen
3.2.2 Gesellschaft und Politik
3.2.3 Sexualität
3.2.4 Mädchen / junge Frauen
3.2.5 Justizvollzugsanstalten
3.2.6 Moscheen und islamische Gemeinden
3.2.7 Konvertit_innen
3.2.8 Die Rolle der Religion
3.3 Radikalisierungsmodelle
3.3.1 Radikalisierungsmodell nach Lamya Kaddor
3.3.1.1 Gruppenidentität
3.3.1.2 Isolation
3.3.1.3 Radikalisierung und Gewalt
3.3.2 Das „Staircase to terrorismen“-Modell von Fathali Moghaddam
3.3.2.1 Erdgeschoss: Subjektiv unzufrieden
3.3.2.1.1 Stockwerk: Die Möglichkeit, die Lage zu verändern
3.3.2.1.2 Stockwerk: Verschiebung der Aggressionen
3.3.2.1.3 Stockwerk: Zunehmende Abgrenzung
3.3.2.1.4 Stockwerk: Feindbilder reproduzieren
3.3.2.1.5 Stockwerk: Wenn alle Hemmungen fallen
3.3.3 Das New-York-Police-Department-Modell
3.3.3.1 Phase der Vorradikalisierung (Pre-Radicalization)
3.3.3.2 Phase der Selbstidentifikation (Self-Indentification)
3.3.3.3 Phase der ideologischen Verfestigung (Indoctrination)
3.3.3.4 Phase der Dschihadisierung (Jihadization)
3.3.4 Gegenüberstellung der Modelle
4 Der Salafismus und „Pop-Dschihad“ als Jugendkultur
4.1 Das Internet und die Sozialen Medien als Deutungsangebote und Rekrutierungsorgan
4.2 Äußerliche Merkmale
4.3 Zur Bedeutung der Anaschid (Sprechgesang)
4.4 Die „Stars“ der Szene
4.4.1 Pierre Vogel (Abu Hamza)
4.4.2 Denis Mamadou Cuspert (Abou Maleeq später Abu Talha al-Amani)
5 Zur Aufgabe der Sozialen Arbeit / Sozialpädagogik
5.1 Salafisten – die besseren Sozialarbeiter?
5.2 Präventionsarbeit
5.2.1 Offene Kinder- und Jugendarbeit
5.2.2 Schule
5.2.3 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen
5.2.4 Politische Rahmenbedingungen
5.2.5 Zur Verantwortung der Medien und sozialen Netzwerke
5.2.6 Bildungspolitik
5.2.7 Justizvollzugsanstalten
5.2.8 Moscheen und islamische Gemeinden
6 Das Leben nach dem Dschihad – Zurück in Deutschland
6.1 Aussteiger und Deradikalisierungsprogramme
6.2 Organisationen
6.2.1 Violence Prevention Network
6.2.2 Beratungsstelle Hayat
6.2.3 Die Beratungsstelle „Radikalisierung“ des BAMF
7 Schlusswort
Die Arbeit untersucht, warum sich junge Menschen radikalen und extremistischen Organisationen anschließen und bereit sind, für deren Ideologien in den bewaffneten Kampf zu ziehen. Dabei steht die Frage im Vordergrund, inwieweit Faktoren wie Identitätsbildung, soziale Ausgrenzung und die Attraktivität salafistischer Strukturen als Jugendkultur die Radikalisierung begünstigen und wie die Soziale Arbeit präventiv und intervenierend reagieren kann.
3.2.1 Zugehörigkeitsgefühl / soziale Bindungen
Jeder Mensch möchte das Gefühl haben dazuzugehören, nicht alleine zu sein und sich verstanden zu fühlen. Besonders in der Umbruchsphase der Adoleszenz, in der die Jugendlichen oft das Gefühl haben, dass es drunter und drüber geht, brauchen sie Halt und Geborgenheit. Idealerweise bekommen sie von Zuhause das Gefühl, ein Teil von etwas zu sein, wichtig zu sein und ernst genommen zu werden. Als Alternative wenden sich Jugendliche oft an ihre Peergroups, die im besten Fall als Ergänzung oder eben als Ersatzfamilie dienen. Vor allem in Krisensituationen ist das Gefühl, Halt zu bekommen, von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Salafisten wissen, wie sie diese Gefühle für sich nutzen können. Sie geben ihnen durch individuell zugeschnittene Angebote das Gefühl, dazuzugehören. Sie suchen bewusst nach jungen Menschen, die noch auf der Suche nach ihrer Identität sind, denn in dieser Zeit sind sie beeinflussbarer und anfälliger für extreme Gruppierungen (vgl. Mansour 2014: 2 f.).
Durch die auf junge Menschen ausgelegten Angebote sowie mit Predigten, die in einer jugendlich zugeschnittenen Sprache gehalten werden, schaffen es die Salafisten, ein Gemeinschaftsgefühl hervorzurufen. Die Jugendlichen verstehen sich somit als ein wichtiger Teil dieser Gemeinschaft. Die Jugendlichen erhalten dort „ein geregeltes, strukturiertes Umfeld (...) und bekommen dort Sinn, Orientierung und eine Mission“ (Mansour 2014: 3). Mansour beschreibt, dass die Zugehörigkeit zu einer salafistischen Gruppierung durch verschiedene Identitätsmerkmale (Kleidung, Sprache, Alter etc.) sich zu einer Art Jugendkultur entwickelt (vgl. Mansour 2014: 3).
1 Phänomen Dschihad: Einleitung in die Thematik der Radikalisierung von Jugendlichen und die mediale sowie gesellschaftliche Debatte rund um Islamismus und Terrorismus.
2 Die Unterschiede kennen - Begriffserklärung: Differenzierung der zentralen Begriffe wie Terrorist, Fundamentalist, Extremist, Islamist und Salafist sowie Erläuterung des Dschihad-Konzepts.
3 Nächstes Ziel: Dschihad: Analyse der Ursachen und Faktoren von Radikalisierung im Jugendalter, einschließlich psychologischer Aspekte, gesellschaftlicher Diskriminierung und spezifischer Orte wie Moscheen oder JVA.
4 Der Salafismus und „Pop-Dschihad“ als Jugendkultur: Darstellung des Salafismus als subkulturelle Bewegung, die sich durch Internetpropaganda, Anaschid und Vorbilder aus der Szene als Identitätsangebot inszeniert.
5 Zur Aufgabe der Sozialen Arbeit / Sozialpädagogik: Erörterung der Rolle der Sozialen Arbeit bei der Prävention und Deradikalisierung, kritische Auseinandersetzung mit der These der „besseren Sozialarbeit“ durch Salafisten und Vorstellung konkreter Handlungsfelder.
6 Das Leben nach dem Dschihad – Zurück in Deutschland: Untersuchung der Situation von Rückkehrern, Herausforderungen der Resozialisierung sowie Vorstellung von Programmen wie dem Aarhus-Modell und Beratungsstellen wie Hayat.
7 Schlusswort: Resümee über die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Umdenkens und die zentrale Aufgabe, Jugendliche durch attraktive Alternativen und soziale Teilhabe zu stärken.
Salafismus, Dschihadismus, Radikalisierung, Jugendkultur, Soziale Arbeit, Prävention, Deradikalisierung, Identitätsbildung, Islam, Terrorismus, soziale Ausgrenzung, Internetpropaganda, Konvertiten, Jugendliche, Resozialisierung
Die Arbeit analysiert, wie und warum Jugendliche in Deutschland für den militanten Salafismus gewonnen werden und welche Rolle dabei soziale Ausgrenzung, Identitätssuche und die gezielte Strategie von Anwerbern spielen.
Die zentralen Felder umfassen die Begriffsklärung extremistischer Strömungen, die psychologischen und sozialen Faktoren der Radikalisierung sowie die Möglichkeiten und Grenzen präventiver Sozialarbeit.
Das Ziel ist es, die Mechanismen der Anwerbung zu verstehen, um effektive Strategien der Sozialen Arbeit zu identifizieren, die Jugendliche von einer Radikalisierung abhalten oder einen Ausstieg ermöglichen können.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Studien, Expertenberichte und Radikalisierungsmodelle, um die komplexen Zusammenhänge theoretisch und praxisorientiert zu beleuchten.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Radikalisierungsfaktoren während der Adoleszenz, der Inszenierung des „Pop-Dschihad“ als Jugendkultur, der Rolle des Internets sowie der professionellen Deradikalisierungsarbeit in Schulen, Moscheen und Strafvollzugsanstalten.
Wichtige Begriffe sind Salafismus, Dschihad, Radikalisierungsmodelle, Soziale Arbeit, Präventionsarbeit, Identitätsbildung und Deradikalisierung.
Die Arbeit zeigt, dass Salafisten durch gezielte Medieninszenierungen, die Verwendung von Jugendsprache, „Kampfhymnen“ (Anaschid) und die Vermittlung einer Identität als „Held“ oder Teil einer exklusiven „Weltgemeinschaft“ eine Anziehungskraft ausüben, die dem Mainstream abgrenzt.
Die Autorin argumentiert, dass Sozialarbeiter eine zentrale Schnittstelle bilden müssen, da Salafisten durch „einfache Antworten“ in Lebenskrisen attraktiver wirken können als staatliche Hilfsangebote, wenn letztere nicht über das notwendige Wissen und interkulturelle Kompetenzen verfügen.
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