Diplomarbeit, 2018
97 Seiten, Note: 16/20
Kapitel 0: Einleitung
0.1 Themenstellung und Darstellung des Korpus
0.2 Forschungsstand
0.3 Problematik und Hypothesen
0.4 Ziele der Arbeit
0.5 Theoretischer Rahmen
0.6 Gliederung der Arbeit
ERSTER TEIL: THEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN ÜBER DIE GRUNDKATEGORIEN DER ARBEIT
Kapitel 1: Begriffsbestimmung
1.1 Vergangenheitsaufarbeitung
1.1.1 Zu Adornos Ansichten bezüglich der Frage „Was bedeutet Aufarbeitung der Vergangenheit“
1.1.2 Der Standpunkt von Aleida Assmann
1.2 Zum Begriff Kolonialismus
1.3 Postkolonialismus
1.4 Zum neuen historischen Afrikaroman
1.4.1 Zum Begriff historischer Roman
1.4.2 Ansgar Nünnings Klassifizierung von gegenwärtigen historischen Romanen
1.4.3 Kolonialismus und Postkolonialismus in der Literatur oder neuere deutschsprachige historische Afrikaromane
1.4.4 Das Beispiel von Ruanda-Romanen
1.5 Zum Begriff Genozid
Kapitel 2: Historischer Abriss einer Geschichte Ruandas
2.1 Abriss einer Kolonialgeschichte Ruandas
2.1.1 Das vorkoloniale Ruanda: Hutu, Tutsi und Twa als einziges Volk
2.1.2 Ruanda als Teil des Deutsch-Ostafrikas oder Ausgangspunkt einer Ethnisierung der Gesellschaft
2.1.3 Ruanda unter belgischer Herrschaft (1916-1962) oder die Verstärkung des Tutsi-Monopols
2.2 Zum nachkolonialen Ruanda
2.2.1 Zur Entstehung einer Völkermord-Mentalität in der ruandischen Gesellschaft
2.2.2 Der Genozid Hutu/Tutsi oder die 100 Tage Massenmord
Zwischenfazit
ZWEITER TEIL: WERKANALYSE
Kapitel 3: Zu Buch' schen Ruanda-Vergangenheitsaufarbeitung in Kain und Abel in Afrika
3.1 Zu Hans Christoph Buchs Kain und Abel in Afrika
3.1.1 Bio-bibliographie des Autors
3.1.2 Zum Entstehungskontext von Kain und Abel in Afrika
3.1.3 Zur Handlung, Erzählstruktur und Erzählperspektive des Romans
3.2 Kain und Abel in Afrika als Darlegung deutscher Kolonialherrschaft in Ruanda
3.2.1 Zu Buchs Richard Kandt
3.2.1.1 Kurzbiographie des konstruierten Richard Kandt
3.2.1.2 Richard Kandts Auftrag in Afrika oder der lange Weg auf der Suche nach den Quellen des Nils
3.2.2 Buchs Inszenierung des kolonialen Ruanda in Kain und Abel in Afrika
3.2.2.1 Zu Kandts Gesamtwerk in Ruanda
3.2.2.1.1 Kandts Errichtung einer Residenz in Ruanda und die Gründung der Hauptstadt Kigali
3.2.2.1.2 Weitere Realisationen Richard Kandts als Resident in Ruanda am Beispiel von Buchs Kain und Abel in Afrika.
3.2.2.2 Buchs Rückgriff auf ein vergessenes Kapitel der Kolonialgeschichte Deutschlands oder die Manifestation der Verwicklung deutscher Kolonialherrschaft in Ruanda beim Ausbruch des postkolonialen Genozids
3.2.2.2.1 Zu Kandts Darlegung der Verhältnisse zwischen Völkern des kolonialen Ruanda
3.2.2.2.2 Zu Buch’ schen Inszenierung der Verantwortung deutscher Kolonialpolitik im postkolonialen Genozid
3.3 Zur literarischen Aufarbeitung des postkolonialen Ruanda unter Berücksichtigung des postkolonialen Genozids von 1994 in Kain und Abel in Afrika
3.3.1 Zum Hutu-Tutsi-Konflikt: die Racheakte der Tutsi oder die zweite Phase des Genozids
3.3.2 Die Folgen des Genozids in Kain und Abel in Afrika
3.3.2.1 Zur Flüchtlingsproblematik
3.3.2.2 Zur Inszenierung einiger Überlebenden des Genozids
3.3.2.3 Das Phänomen von Kindersoldaten
3.3.3 Weitere Implikationen in dem ruandischen Genozid
3.3.3.1 Zur versteckten Verantwortung der Weltgemeinschaft im ruandischen Völkermord
3.3.3.2 Die Verwicklung der Medien
Zwischenfazit
Kapitel 4: Zur Bewertung Hans Christoph Buchs postkolonialer Blick in Kain und Abel in Afrika
4.1 Zur Analyse ausgewählter Merkmale postkolonialer Romane in Kain und Abel in Afrika
4.1.1 Das Motiv der Reise in die Fremde und die Inszenierung interkultureller Begegnung: Sprache als Mittel des Fremdverstehens
4.1.2 Intertextuelle Bezüge in Kain und Abel in Afrika
4.1.3 Zum Bruch mit Tabus
4.1.3.1 Sexuelle Tabubrüche
4.1.3.2 Kritische Erinnerung an die vergessene Verwicklung Deutschlands im ruandischen Genozid
4.2 Kritik an Buchs postkolonialer Perspektive
4.2.1 Zu den Hutu-Tutsi-Zuschreibungen
4.2.2 Buchs Konstruktion der Europäer und Afrikaner
4.3 Zur Aktualität und Forschungsrelevanz des Themas
Zwischenfazit
Schlussbetrachtung
LITERATURVERZEICHNIS
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die literarische Aufarbeitung der ruandischen Geschichte, insbesondere des Völkermords von 1994, in Hans Christoph Buchs Roman "Kain und Abel in Afrika" aus postkolonialer Perspektive zu untersuchen und dabei die Verstrickung deutscher Kolonialherrschaft in die Entstehung dieser historischen Katastrophe aufzuzeigen.
3.2.1.2 Richard Kandts Auftrag in Afrika oder der lange Weg auf der Suche nach den Quellen des Nils
Richard Kandts Auftrag in Deutsch-Ostafrika war es, die Quelle der Lebensader der Wüstenstaaten Ägypten und Sudan bzw. des längsten Flusses der Erde (mit mehr als 5600 Kilometer lang) zu suchen. Der, so Nadja Podbregar, als „Vater der Flüsse“ geltende Nil blieb seit Jahrhunderten ein Mysterium für Wissenschaftler, aber erst im 19. Jahrhundert sorgten Expeditionen europäischer Forschungsreisenden zu den Quellen endlich für Klarheit (Podbregar, 2016, S. 1). Im 19. Jahrhundert schenkten Forschungsreisenden der Problematik des Nilurprungs mehr Achtung. Jahrelang veranstalten erfahrene und bekannte Mitglieder der britischen Royal Geographical Society wie Sir Richard Burton, John Hanning Speke, Grant und David Livingstone und amerikanische Journalisten wie Henry Morton Stanley Forschungsexpeditionen nach Afrika; aber es gelang ihnen nicht, die richtige Quelle des Nils zu entdecken (ebd.). Hans Christoph Buch nähert sich ebenfalls diesem Motiv der Suche nach den Quellen des Nils in seinem Ruanda-Roman Kain und Abel in Afrika.
Einige Wochen nach seinem Treffen mit Bismarck und dem Erhalt seines Auftrags segelte Kandt von Hamburg aus mit Koffern und Bleckkästen nach Deutsch-Ostafrika, wo er angesichts des Abmarschierens des Gouverneurs nach Uhehe von dessen Stellvertreter Herr von Bennigsen, dem Sohn des gleichnamigen Reichtagsabgeordneten, empfangen wurde (KAA, S. 68). Vor Ort stellte ihm das Auswärtige Amt alles, trotz des leeren Inhalts der Kassen der Kolonie, zur Verfügung. In Bagamozo bildete er eine Karawane für seine Expedition nach Ruanda. Sie wurde von zuverlässigen Trägern, einigen Askaris, Wasser und anderen Provianten ausgerüstet, die ihn nach Ruanda führen sollten.
Kapitel 0: Einleitung: Die Einleitung führt in die postkoloniale Thematik ein und erläutert die Relevanz von Hans Christoph Buchs Roman für die historische Aufarbeitung der deutsch-afrikanischen Beziehungen.
Kapitel 1: Begriffsbestimmung: Hier werden die theoretischen Grundkategorien wie Vergangenheitsaufarbeitung, Kolonialismus, Postkolonialismus und Genozid detailliert definiert.
Kapitel 2: Historischer Abriss einer Geschichte Ruandas: Dieses Kapitel skizziert die vorkoloniale, koloniale und nachkoloniale Geschichte Ruandas und legt dar, wie die deutsche und belgische Herrschaft zur Ethnisierung des Landes beitrug.
Kapitel 3: Zu Buch' schen Ruanda-Vergangenheitsaufarbeitung in Kain und Abel in Afrika: Dieser Teil analysiert, wie Hans Christoph Buch die koloniale Geschichte Ruandas und den Genozid von 1994 im Roman verarbeitet und inszeniert.
Kapitel 4: Zur Bewertung Hans Christoph Buchs postkolonialer Blick in Kain und Abel in Afrika: Das letzte Kapitel bewertet den postkolonialen Blick des Autors und kritisiert die Darstellung von ethnischen Zuschreibungen sowie die Privilegierung europäischer Perspektiven im Werk.
Kolonialismus, Postkolonialismus, Genozid, Ruanda, Hans Christoph Buch, Kain und Abel in Afrika, Vergangenheitsaufarbeitung, historischer Roman, Richard Kandt, Hutu, Tutsi, Erinnerungskultur, deutsche Kolonialgeschichte, interkulturelle Begegnung, Gedächtnisarbeit.
Die Arbeit untersucht die literarische Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit Ruandas und des Völkermords von 1994 durch Hans Christoph Buch in seinem Roman „Kain und Abel in Afrika“.
Die zentralen Themen sind der deutsche Kolonialismus in Ruanda, die postkoloniale Theorie in der Literatur, die Mechanismen der Vergangenheitsaufarbeitung und die kritische Analyse der Darstellung von Identität und ethnischer Gewalt.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der Roman als literarische Gedächtnisarbeit fungiert und inwiefern der Autor Hans Christoph Buch eine kritische Rekonstruktion der deutsch-ruandischen Geschichte gelingt.
Die Arbeit nutzt den biographischen Ansatz des Positivismus, die postkoloniale Theorie sowie die Produktionsästhetik, um den Roman und seine historischen Hintergründe zu analysieren.
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Analyse der historischen Grundlagen Ruandas, eine Werkanalyse von Buchs Roman sowie eine kritische Bewertung der postkolonialen Perspektive des Autors.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Kolonialismus, Postkolonialismus, Genozid, Ruanda, Richard Kandt und Vergangenheitsaufarbeitung.
Die Arbeit zeigt, dass Buch die Figur des Richard Kandt nutzt, um die historische Verwicklung deutscher Kolonialherrschaft in die Entstehung ethnischer Konflikte in Ruanda kritisch zu beleuchten.
Die Du-Perspektive dient dem Autor dazu, eine Distanz zum erzählten Leid aufzubauen, eigene Erfahrungen während journalistischer Reisen in Krisengebiete zu verarbeiten und einen höheren Anspruch an Authentizität zu erheben.
Nein, die Arbeit kritisiert eine teils starke Ethnifizierung und übertriebene Verwendung von Hutu-Tutsi-Zuschreibungen sowie die Privilegierung europäischer Figuren im Roman.
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