Examensarbeit, 2005
130 Seiten, Note: sehr gut
1. Einleitung
2. Europa und die Ursachen des Krieges
2.1 Spanien und die Kandidatur der Hohenzollern für den spanischen Thron
2.2 Frankreichs Garantieforderung und die „Emser Depesche“
2.3 Englands Neutralität
2.4 Der casus foederis der süddeutschen Staaten
2.5 Russische Rückendeckung für Preußen
2.6 Die Sackgasse Österreich-Ungarns
2.7 Italiens Neutralität
3. Die „Kriegsschuldfrage“
4. Europa während des Krieges
4.1 Von der Kriegserklärung bis Sedan
4.2 Das Problem der Annexion von Elsass und Lothringen
4.3 Von Sedan bis zum Waffenstillstand
4.4 Die Londoner Konferenz zur Klärung der Pontusfrage
4.5 Die Gründung des Deutschen Reiches
4.6 Vom Waffenstillstand bis zum Frankfurter Frieden
5. Schluss – Europa nach dem Krieg
6. Anhang
6.1 Dokument 1: Die „Emser Depesche“
6.2 Dokument 2: Die französische Kriegserklärung an Preußen
6.3 Dokument 3: Der Kaiserbrief Ludwigs II. an Wilhelm I.
7. Personenverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht den deutsch-französischen Krieg von 1870/71 nicht als isoliertes nationales Ereignis, sondern als ein gesamteuropäisches Phänomen mit weitreichenden politischen Konsequenzen für den Kontinent. Das primäre Ziel ist es, die Entstehungsgeschichte, den Verlauf und die Folgen des Konflikts im Kontext der europäischen Mächtebeziehungen darzustellen und dabei insbesondere das Zusammenspiel der europäischen Großmächte sowie die Rolle Bismarcks kritisch zu analysieren.
2.1 Spanien und die Kandidatur der Hohenzollern für den spanischen Thron
Im September 1868 wurde Königin Isabella II. von Spanien durch einen Militärputsch gestürzt und musste aus Spanien fliehen. Bald darauf begann unter Führung des Präsidenten des Ministerrats, General Juan Prim, die Suche nach einem geeigneten Thronnachfolger. Auch die Möglichkeit, Spanien könnte in eine Republik umgeformt werden, wurde in Europa erwogen, doch diese Lösung kam für Prim selbst nicht in Frage und wäre auch unter keinen Umständen von Napoleon III. gebilligt worden, von dessen Gunst Spanien zu dieser Zeit abhängig war. Doch wollte Spanien sich auch von eben dieser französischen Übermacht lösen, die nicht nur die Außenpolitik, sondern auch die Innen- und Wirtschaftspolitik Spaniens bestimmte.
Prim wollte sein Land in eine konstitutionelle Monarchie umwandeln und für diese bedurfte es nun eines Thronkandidaten, der allerdings hohen Ansprüchen genügen musste: Er durfte die Septemberrevolution nicht ad absurdum führen, wie es Isabellas Sohn getan hätte, sondern sollte vielmehr deren krönender Abschluss sein; er sollte innenpolitisch einen Kompromiss zwischen den Parteien ermöglichen, die die Revolution trugen; er sollte einer europäischen Dynastie entstammen, die der stolzen Geschichte Spaniens würdig war; er musste national wie international eine starke Position haben, um zum einen die Mehrheit in den Cortes zu erreichen und zum anderen die Rückendeckung der großen internationalen Politik zu haben.
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die weitreichende Bedeutung des Krieges von 1870/71 für Europa und erläutert die methodische Herangehensweise sowie die Auswahl der Quellen und Literatur.
2. Europa und die Ursachen des Krieges: Dieses Kapitel arbeitet die komplexen Hintergründe des Konflikts auf, angefangen bei der spanischen Thronkandidatur bis hin zu den Interessen und Reaktionen der europäischen Großmächte.
3. Die „Kriegsschuldfrage“: Hier wird untersucht, wie die Schuld am Kriegsausbruch zeitgenössisch und in der späteren Forschung wahrgenommen wurde und welche historischen Akte für die Eskalation entscheidend waren.
4. Europa während des Krieges: Dieser Teil betrachtet den Kriegsverlauf von der Kriegserklärung bis zum Frankfurter Frieden unter Einbeziehung zentraler Themen wie der Annexionsproblematik und der Gründung des Deutschen Reiches.
5. Schluss – Europa nach dem Krieg: Das Kapitel bewertet die Ereignisse und Vorgänge des Krieges im Hinblick auf ihre Bedeutung für die europäische Nachkriegszeit und den Aufstieg des neuen Deutschen Reiches.
Deutsch-französischer Krieg, 1870, 1871, Bismarck, Napoleon III., Emser Depesche, Hohenzollern, Thronkandidatur, Reichsgründung, Elsass-Lothringen, Kriegsschuldfrage, Neutralität, europäisches Mächtekonzert, Diplomatie.
Die Arbeit behandelt den deutsch-französischen Krieg von 1870/71 als ein Ereignis von europäischer Tragweite und untersucht dessen Ursachen, den Kriegsverlauf sowie die politischen Folgen für das europäische Mächtesystem.
Die zentralen Felder umfassen die spanische Thronkandidatur, die diplomatischen Aktionen Bismarcks und Napoleons III., die Reaktionen anderer europäischer Mächte sowie die Annexionspolitik und Reichsgründung.
Ziel ist es, ein umfassendes Bild der oft unterschätzten europäischen Bedeutung dieses Krieges zu zeichnen und die komplexen Entscheidungsprozesse der beteiligten Akteure kritisch aufzuarbeiten.
Die Arbeit folgt einer chronologisch-thematischen Struktur und stützt sich methodisch primär auf eine fundierte Analyse zeitgenössischer Dokumente sowie die intensive Auswertung der historischen Forschungsliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Ursachen, die Analyse der Kriegsschuldfrage, die Darstellung des Kriegsverlaufs einschließlich diplomatischer Krisen wie der Pontusfrage sowie die Bewertung der Reichsgründung.
Wichtige Begriffe sind insbesondere: Deutsch-französischer Krieg, Bismarck, Emser Depesche, Thronkandidatur, Reichsgründung und Mächtekonzert.
Die Kandidatur diente als Auslöser, da sie Frankreich in seiner Vormachtstellung bedrohte und von Bismarck geschickt genutzt wurde, um Frankreich unter Druck zu setzen, was schließlich zur Zuspitzung der Krise führte.
Österreich-Ungarn befand sich in einer Zwangslage, da es zwar mit Frankreich sympathisierte, militärisch und innenpolitisch jedoch zu geschwächt war, um aktiv einzugreifen, was schließlich in einer abwartenden Neutralitätspolitik mündete.
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