Bachelorarbeit, 2018
149 Seiten, Note: 1,8
1. Einleitung
2. Rezeptionsforschung: Handlungstheoretische Ansätze
2.1 Encoding/Decoding-Modell nach Hall
2.2 Parasoziale Interaktionen (PSI) und Beziehungen (PSB)
2.2.1 Parasoziale Interaktion
2.2.2 Parasoziale Beziehungen als Summe / Manifestierung stabiler PSI
2.2.3 Figurenbindung (Parasoziale Nähe)
3. Arzt- und Krankenhausserien
3.1 Darstellung der Arzttypen
3.2 Grey’s Anatomy
3.2.1 Handlungsüberblick
3.2.2 Figurenkonzeption
4. Methodisches Vorgehen
4.1 Erkenntnisinteresse
4.2 Leitfadenorientiertes (Experten)Interview und Auswahl der Interviewpartner
4.3 Leitfaden
4.5. Durchführung und Transkription
4.6 Auswertung anhand der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring
5. Auswertung und Interpretation der (Experten)Interviews
5.1 Ergebnisse der Befragung
5.1.1 Persönliches Umfeld
5.1.2 Rezeptionsverhalten
5.1.3 Allgemeine Beurteilung der Serie
5.1.4 Lieblingsfiguren und deren Bedeutung
5.1.5. Hassfiguren und deren Bedeutung
5.1.6 Wahrnehmung der Protagonistin Meredith Grey
5.1.7 Positive und negative Beziehungen innerhalb der Serie
5.1.8 Integrierung in den Alltag
5.2 Vergleichende Analyse
5.3 Einordnung in die Theorie
6. Schlussbetrachtung
Diese Bachelorarbeit untersucht das Rezeptionsverhalten und die parasozialen Bindungen von sechs jungen Erwachsenen im Alter von 22 bis 31 Jahren zur US-amerikanischen Krankenhausserie Grey’s Anatomy. Zentral ist die Frage, wie Zuschauer die Serienfiguren wahrnehmen, ob sie Beziehungen zu ihnen aufbauen, welchen Stellenwert diese Bindungen im Alltag einnehmen und wie individuelle Lebenserfahrungen sowie Sympathie- oder Antipathieempfindungen die Rezeption und Interpretation der Inhalte beeinflussen.
2.2.3 Figurenbindung (Parasoziale Nähe)
Serienfiguren nehmen keinen direkten Kontakt zu den Rezipienten auf, sondern richten sich mit ihren Worten, ihrer Mimik und Gestik an ihr fiktives Umfeld und übertragen somit dem Zuschauer die Funktion eines reinen Beobachters einer fiktiven Welt (vgl. Gormász 2015, 121). Die Figuren sind Gegenstand sozialer Wahrnehmung und können von den Zuschauern verstanden werden, wie reale Personen ihrer unmittelbaren Umgebung (vgl. Wulff 1996, 30). Um sich von den Figuren angesprochen zu fühlen, im Sinne von Interesse an deren Leben und Geschichten zu haben, müssen die Serienmacher es schaffen, die Zuschauer an die Serienfiguren zu binden. Sich mit einem Charakter identifizieren zu können ist die Anforderung der Serienmacher, die lange Zeit damit gleichgesetzt wurde, dass der Charakter von den Zuschauern gemocht werden muss (vgl. Gormász 2015, 119). Die Figur zu mögen kann ebenfalls bedeuten, ihr Verhalten zu verstehen, ihre Ansichten zu teilen oder sie zu bewundern. In der Regel findet ein Zusammenspiel dieser Haltungen statt. Um Sympathie aufbauen zu können, muss der Zuschauer in der Figur das Menschenähnliche wahrnehmen können, um sie als schlüssiges, fiktives Wesen verstehen zu können. Dabei spielen vor allem reale Erfahrungswerte eine wichtige Rolle. Ebenso bedeutend ist die Realität der Fiktion selbst – „So lernen wir im Verlauf der seriellen Erzählung, welche Handlungsweisen für eine bestimmte Figur realistisch – im Sinn von möglich und wahrscheinlich – sind.“ (ebd., 120). So wie die PSB eine Summe aller manifestierten PSI darstellt, lernt der Zuschauer die Summe aller Verhaltensweisen der Figur kennen und zu beurteilen. Wenn einzelne Handlungen unrealistisch erscheinen, können sie dennoch im Gesamtkontext aller Handlungen als realistisch wahrgenommen werden. Jede „Serie erzeugt also ihre eigene Realität und je vertrauter uns deren Regeln sind, desto eher werden wir auch jenes Figurenverhalten als realistisch wahrnehmen […].“ (ebd.).
1. Einleitung: Vorstellung des Forschungsgegenstandes und der Relevanz der Serie im Medical-Drama-Genre sowie Definition der Zielsetzung der Arbeit.
2. Rezeptionsforschung: Handlungstheoretische Ansätze: Theoretische Fundierung durch das Encoding/Decoding-Modell und Erläuterung der Konzepte parasozialer Interaktionen und Beziehungen.
3. Arzt- und Krankenhausserien: Historischer Überblick über das Genre, die Entwicklung der Arzttypen und die Besonderheiten von Grey’s Anatomy.
4. Methodisches Vorgehen: Begründung des leitfadenorientierten Experteninterviews sowie der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring zur Datenauswertung.
5. Auswertung und Interpretation der (Experten)Interviews: Detaillierte Darstellung der Befragungsergebnisse, thematisch gegliedert in Rezeptionsverhalten, Figurenbewertung und Alltagsintegration.
6. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Reflexion der methodischen Vorgehensweise.
Parasoziale Interaktion, Parasoziale Beziehung, Rezeptionsforschung, Grey’s Anatomy, Krankenhausserien, Encoding/Decoding-Modell, Figurenbindung, Qualitative Inhaltsanalyse, Medical-Drama, Serienrezeption, Charakteridentifikation, Zuschauerbindung, Medienkommunikation, Alltagsintegration, Qualitative Interviews.
Die Arbeit analysiert, wie junge Erwachsene Grey’s Anatomy rezipieren und welche parasozialen Bindungen sie zu den Serienfiguren aufbauen.
Im Fokus stehen das Rezeptionsverhalten, die Wahrnehmung von Serienfiguren (Lieblings- und Hassfiguren), die Integration der Serie in den Alltag sowie der Vergleich zwischen fiktiven und realen Lebenswelten.
Ziel ist es zu untersuchen, ob und wie Rezipienten parasoziale Beziehungen zu Charakteren aufbauen und welche Faktoren – wie Sympathie, Lebenserfahrung oder Handlungsstränge – diese Bindung beeinflussen.
Es handelt sich um eine qualitative Studie, für die sechs leitfadenorientierte Experteninterviews durchgeführt und mittels der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Rezeptionsforschung, eine Genre-Analyse von Krankenhausserien, die methodische Herleitung und schließlich die detaillierte Auswertung und Interpretation der geführten Interviews.
Wichtige Begriffe sind parasoziale Interaktion, Rezeptionsforschung, Grey’s Anatomy, Charakteridentifikation, Zuschauerbindung und qualitative Inhaltsanalyse.
Meredith Grey wird zwar als zentrale Identifikationsfigur wahrgenommen, stößt jedoch aufgrund ihrer emotionalen Komplexität und ihrer teils schwierigen Charakterzüge bei den Befragten auf ein durchwachsenes Echo, wobei sie nicht von allen als durchweg sympathisch empfunden wird.
Überraschenderweise nicht; die Studie zeigt, dass der Unterhaltungswert durch zwischenmenschliche Dramen und Beziehungen für die Zuschauer weitaus motivierender ist als die medizinische Korrektheit oder der Krankenhausalltag selbst.
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