Fachbuch, 2019
51 Seiten
1 Einleitung
2 Merkmale der modernen westlichen Gesellschaft
2.1 Leistungsfähigkeit, Erfolg und Selbstoptimierung als Credo der modernen Bevölkerung
2.2 Die Entzauberung der Welt – Rationalisierung, Säkularisierung und Gefühllosigkeit
2.3 Individualisierung als zentraler Trend in der modernen Gesellschaft
3 Tod und Sterben in der modernen Gesellschaft
3.1 Der Wandel des Todes- und Sterbeverständnisses
3.1.1 Der gezähmte Tod
3.1.2 Der eigene Tod
3.1.3 Der lange und der nahe Tod
3.1.4 Der Tod des Anderen
3.1.5 Der ins Gegenteil verkehrte Tod
3.2 Die neue Sichtbarkeit des Todes
4 Trauer in der modernen Gesellschaft
4.1 Der natürliche Umgang mit Trauer
4.2 Gesellschaftliche Faktoren, die einen natürlichen Umgang mit Trauer erschweren
4.2.1 Die Idee vom falschen und vom richtigen Trauern
4.2.1.1 Die normale oder „richtige“ Trauer
4.2.1.2 Die pathologische oder „falsche“ Trauer
4.2.1.3 Das Konzept der „Disenfranchised Grief“
4.2.2 Trauer als Störfaktor in der modernen Gesellschaft
4.2.3 Privatisierung und Entritualisierung von Trauer
4.3 Unterdrückte Trauer und ihre Folgen
4.3.1 Folgen unterdrückter Trauer für das Individuum
4.3.2 Folgen unterdrückter Trauer für die Gesellschaft
4.3.2.1 Die deutsche Nachkriegsgesellschaft und ihre Unfähigkeit zu trauern
4.3.2.2 Das Interesse der Gesellschaft am Tod fremder Personen
5 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Leitfrage, ob die moderne westliche Gesellschaft einen natürlichen Umgang mit Trauer erlaubt. Dabei wird analysiert, wie gesellschaftliche Rahmenbedingungen, wie Leistungsdruck, Rationalisierung und die Tabuisierung des Todes, den individuellen Trauerprozess beeinflussen und welche gesundheitlichen sowie sozialen Folgen eine Unterdrückung von Trauer nach sich ziehen kann.
4.2 Gesellschaftliche Faktoren, die einen natürlichen Umgang mit Trauer erschweren
Die ersten Monate bekämpfte ich es. Versuchte weiter zu funktionieren. […] ‚Warum glauben Sie, dass Sie funktionieren müssen?‘ fragte mich meine Therapeutin. Ich wusste mit dieser Frage nichts anzufangen. Weil Funktionierenmüssen eine Selbstverständlichkeit war. Weil ich niemanden kannte, der monatelang einfach ausfiel. Weil ich offene Trauer eigentlich gar nicht kannte. Ich fühlte mich schuldig, weil andere scheinbar besser mit dem Verlust ihnen nahestehender Menschen zurechtkamen. Zweifelte daran, dass der Tod eines Freundes eine solche Wucht rechtfertigte. […] Es gab Menschen in meinem Umfeld, die das kritisch sahen. Sie sorgten sich, ob eine derart intensive Form von Trauer gut sein könnte. Manche verstanden rundheraus nicht, was ich da tat. ‚Menschen sterben eben. Was machst du denn den ganzen Tag?‘ war nur eine von vielen Reaktionen […] (Kraft, 2016, Abs. 5 f.).
Diese Gedanken von Caroline Kraft, die im Jahr 2015 einen guten Freund verloren hatte, sowie die Reaktionen ihres sozialen Umfeldes auf ihren Trauerprozess, zeichnen das typische Bild unserer Gesellschaft im Umgang mit Trauer und Trauernden ab. Das individuelle Trauerverhalten eines jeden Menschen wird auf enorme Art und Weise von der Gesellschaft und ihren jeweiligen Normen und Werten beeinflusst, indem sie dem Trauernden vorschreibt, was eine adäquate Form von Trauer ist, welche Trauerreaktionen nicht angemessen sind, über wen getrauert werden darf und wie lange ein Trauerprozess anhalten soll und darf. Diese vorgefertigten Trauerverhaltensmuster sind eine Folge und Erscheinung der nachindustriellen Gesellschaft, „die von der Unfähigkeit zu trauern gekennzeichnet [ist]“ (Bodea, 2013, S. 57). Die moderne Gesellschaft hat das Trauern zu einem Störfaktor gemacht, hat es privatisiert und entritualisiert und eine Unterscheidung in richtiges und falsches Trauern vorgenommen. Im Folgenden sollen diese gesellschaftlichen Entwicklungen, durch die ein natürlicher Umgang mit Trauer erschwert wird, beschrieben werden.
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Anlass der Arbeit durch die Beobachtung eines Kindes im Hospiz und definiert die zentrale Forschungsfrage zum Umgang der modernen Gesellschaft mit Trauer.
2 Merkmale der modernen westlichen Gesellschaft: Dieses Kapitel charakterisiert die westliche Gesellschaft durch Trends wie Leistungsdruck, Rationalisierung, Säkularisierung und Individualisierung.
3 Tod und Sterben in der modernen Gesellschaft: Hier wird der historische Wandel des Todesverständnisses analysiert und die zunehmende Verdrängung des Todes sowie die paradoxe neue Sichtbarkeit des Themas in den Medien diskutiert.
4 Trauer in der modernen Gesellschaft: Das Hauptkapitel untersucht, wie gesellschaftliche Faktoren Trauer einschränken, unterteilt in die Themenbereiche der Trauernormen, des Störfaktors Arbeit sowie der Entritualisierung und Privatisierung.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die These, dass die moderne Gesellschaft einen natürlichen, individuellen Trauerprozess kaum zulässt.
Trauer, Tod, Sterben, moderne Gesellschaft, Leistungsgesellschaft, Trauerarbeit, Verdrängung, Disenfranchised Grief, Individualisierung, Säkularisierung, Trauerrituale, psychische Gesundheit, Depression, Tabuisierung, kollektive Trauer.
Die Arbeit befasst sich mit dem Umgang der modernen westlichen Gesellschaft mit den Themen Tod, Sterben und insbesondere Trauer.
Zentrale Themen sind die Charakteristika der modernen Leistungsgesellschaft, der Wandel des Todesverständnisses sowie die gesellschaftlichen Faktoren, die einen natürlichen Trauerprozess erschweren.
Die Forschungsfrage lautet: „Erlaubt die moderne Gesellschaft einen natürlichen Umgang mit Trauer?“
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung von Studien zu Trauerprozessen basiert.
Der Hauptteil analysiert die gesellschaftlichen Barrieren für Trauernde, unter anderem durch die Unterscheidung in „richtiges“ und „falsches“ Trauern, die Privatisierung des Sterbens sowie die Auswirkungen von Unterdrückung auf das Individuum und die Gesellschaft.
Die zentralen Schlagworte sind Trauerarbeit, Verdrängung, Leistungsgesellschaft, Entritualisierung und die Folgen unterdrückter Emotionen.
In Anlehnung an den Psychotherapeuten Jorgos Canacakis versteht sie darunter eine Trauerform, in der Gefühle frei ausgedrückt werden können, ohne von gesellschaftlichen Normen eingeschränkt zu werden.
Unterdrückte Trauer kann schwerwiegende physische und psychische Folgen haben, wie beispielsweise Depressionen, psychosomatische Beschwerden oder soziale Isolation.
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