Masterarbeit, 2018
65 Seiten, Note: 1,0
1 Begründung der Themenwahl
2 Vorüberlegungen und wissenschaftliche Hintergründe für die Analyse
2.1 Metafiktion: Ein Begriff mit vielen Definitionen und Funktionen
2.1.1 Historie der Metafiktion, ihre Definitionen und Voraussetzungen
2.1.2 Merkmale und Funktionen von Metafiktionalität
2.2 Warum Intertextualität in (fast) jedem Text enthalten ist und welche Funktionen sie erfüllt
2.2.1 Die Transtextualitätstheorie nach Genette
2.2.2 Genettes Paratextualität und ihre Funktionen
2.2.3 Metafiktion und Intertextualität in Kombination als Ausnahmefall der Literatur?
2.3 Die Genregeschichte der Kriminalliteratur, ihre Merkmale und die Haltung der Literaturwissenschaft zu Thrillern
2.3.1 Die Entwicklung der Kriminalliteratur und Abgrenzungen zwischen Kriminalroman, Detektivroman und Thriller
2.3.2 Merkmale und Schemata des Thrillers und der Leser als Ermittler
2.3.3 Wieso die populären Kriminalgenres einen Einfluss auf die Gesellschaft haben und die Literaturwissenschaft Thrillern mehr Aufmerksamkeit widmen sollte
2.4 Stimmen im Text: Wer erzählt wen und auf welche Weise?
2.5 Reale und fiktionale Autoren und Leser, das Buch-im-Buch und Festlegung der Bezeichnungen für die Analyse
3 Zwei Fallbeispiele von Metafiktion und Intertextualität: Die Thriller „Die Falle“ und „Das Porzellanmädchen“
3.1 Melanie Raabe: „Die Falle“
3.1.1 Handlungszusammenfassung
3.1.2 Erzähltheoretische Zuordnung von realem und fiktionalem Thriller sowie paratextuelle Elemente
3.1.3 Enthaltene Schemata des Thrillers und Kritik am Genre
3.1.4 Merkmale von Metafiktion
3.1.5 Merkmale von Intertextualität
3.1.6 Zusammenfassung der Ergebnisse
3.2 Max Bentow: „Das Porzellanmädchen“
3.2.1 Handlungszusammenfassung
3.2.2 Erzähltheoretische Zuordnung von realem und fiktionalem Thriller sowie paratextuelle Elemente
3.2.3 Enthaltene Schemata des Thrillers und Kritik am Genre
3.2.4 Merkmale von Metafiktion
3.2.5 Merkmale von Intertextualität
3.2.6 Zusammenfassung der Ergebnisse
4 Ein Sonderfall der Literatur: metafiktionale und intertextuelle Elemente im Thriller – Fazit und Ausblick
Diese Masterarbeit untersucht die komplexe Verschränkung von Metafiktion, Intertextualität und Kriminalhandlung in den Thrillern „Die Falle“ von Melanie Raabe und „Das Porzellanmädchen“ von Max Bentow. Ziel ist es, nachzuweisen, dass diese populärliterarischen Werke durch ihre metafiktionalen und intertextuellen Ebenen sowie die Einbettung von fiktiven Autoren-Figuren literaturwissenschaftlich anspruchsvoll sind und die Grenzen der Genrekonventionen produktiv erweitern.
2.1.1 Historie der Metafiktion, ihre Definitionen und Voraussetzungen
Zunächst ist es wichtig, die etymologische Herkunft des Kompositums Metafiktion zu klären. Der Begriff Metafiktion „setzt sich aus dem griechischen μέτἁ (mit, zugleich mit, unter) und dem lateinischen fictio (Gestaltung, Verdichtung) zusammen.“ Darüber hinaus sind für ‚meta‘ auch die Übersetzungen ‚(in)mitten, zwischen‘ und ‚hinter, nach‘ möglich. Es handelt sich bei einer Metafiktion demnach um eine Textebene, die unter beziehungsweise hinter der primären Textebene eines fiktionalen Werkes verborgen und abhängig von (zugleich mit beziehungsweise zwischen) dieser ist. Unter Einbeziehung der ersten historischen Erwähnung des Wortes Metafiktion durch W. H. Gass in den 1970er Jahren, der „den Terminus ‚metafictions‘ [benutzte, S.K.], um Werke zu bezeichnen, die aus den üblichen Formen, in denen Literatur auftritt, neue Formen gewinnen“, lässt sich auf die Funktion der Metafiktionalität schließen. Da es kaum möglich ist, gänzlich neue Formen von Literatur hervorzubringen, handelt es sich bei metafiktionalen Werken vermutlich um Texte, die den Fokus vom Erzählten auf das Erzählen selbst lenken. Dies ist nur möglich, indem metafiktionale Elemente integriert werden, die die Glaubwürdigkeit und Erzählsituation der fiktionalen Ebene unterlaufen. Dadurch wird die Aufmerksamkeit des Lesers auf die Konstruiertheit des Werkes gelenkt und die Mechanismen des Erzählens von fiktionalen Geschichten aufgedeckt.
Eine erste wissenschaftliche Annäherung an den Begriff Metafiktion wagte Patricia Waugh (* 1956) im Jahr 1984 in ihrer Monografie ‚Metafiction – The Theory and Practice of Self-Conscious Fiction‘. Darin legt sie dar, dass Metafiktion keine Untergattung des Romans ist, sondern eine selbstreferentielle Tendenz, die in allen möglichen Formen des Romans gefunden werden kann: „metafiction is not so much a subgenre of the novel as a tendency within the novel which operates through exaggeration of the tensions and oppositions inherent in all novels: of frame and frame-break, of technique and counter-technique, of construction and deconstruction of illusion.“ Darüber hinaus diskutiert sie die Funktionen metafiktionaler Werke, die ihre eigene Fiktionalität kommentieren oder hinterfragen.
1 Begründung der Themenwahl: Einleitung in die Relevanz der Untersuchung metafiktionaler Thriller und Vorstellung der beiden Fallbeispiele von Melanie Raabe und Max Bentow.
2 Vorüberlegungen und wissenschaftliche Hintergründe für die Analyse: Theoretische Erläuterung der Begriffe Metafiktion und Intertextualität sowie Definition der erzähltheoretischen Grundlagen für die Kriminalliteratur.
3 Zwei Fallbeispiele von Metafiktion und Intertextualität: Die Thriller „Die Falle“ und „Das Porzellanmädchen“: Detaillierte Analyse beider Werke hinsichtlich Handlung, Erzähltechnik, Paratextualität und der spezifischen Verknüpfung von Metafiktion und Intertextualität.
4 Ein Sonderfall der Literatur: metafiktionale und intertextuelle Elemente im Thriller – Fazit und Ausblick: Synthese der Forschungsergebnisse und Reflexion über das Potenzial des Thrillers als anspruchsvolles Forschungsfeld für die Literaturwissenschaft.
Metafiktion, Intertextualität, Thriller, Kriminalliteratur, Transtextualität, Erzähltheorie, Genette, Buch-im-Buch, Rahmenbruch, Fiktionalität, Rezeptionsästhetik, Mord, Täter, Ermittler, Literaturwissenschaft.
Die Arbeit analysiert die funktionale Verschränkung von Metafiktion und Intertextualität in zwei populären deutschsprachigen Thrillern und beleuchtet deren literarische Komplexität.
Im Zentrum stehen die Konzepte des erzählten Erzählens, der Rahmenbruch, die Rolle von Paratexten und die Interaktion zwischen realen Autoren und fiktiven, schreibenden Protagonisten.
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die ausgewählten Thriller trotz ihrer Genre-Zugehörigkeit komplexe metafiktionale Strukturen aufweisen, die eine ernsthafte literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung erfordern.
Es werden literaturwissenschaftliche Theorien von Gérard Genette (Transtextualität) und Patricia Waugh (Metafiktion) herangezogen, um die narrativen Techniken und die Paratextualität der Romane systematisch zu erfassen.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Fallanalyse von Melanie Raabes „Die Falle“ und Max Bentows „Das Porzellanmädchen“ unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Erzählmodi und metafiktionalen Verfahren.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Metafiktion, Intertextualität, Thriller, Buch-im-Buch-Struktur und erzähltheoretische Analyse am besten beschreiben.
Die Arbeit stellt heraus, dass der Leser nicht nur passiver Rezipient ist, sondern durch metafiktionale Spielereien und „Buch-im-Buch“-Konstrukte als aktiver Partner zur Entschlüsselung des Textes aufgefordert wird.
Weil das Genre Thriller aufgrund seiner vermeintlichen Trivialität oft wissenschaftlich vernachlässigt wird, obwohl es durch moderne Erzählstrategien literarisch anspruchsvolle Diskurse über Realität und Fiktion ermöglicht.
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