Bachelorarbeit, 2016
41 Seiten
1 Einleitung
1.1 Einführung und Aufbau der Arbeit
1.2 Was bedeutet Sozialpathologie?
2 Emile Durkheims Pathologiekonzept
2.1 Grundzüge Durkheims soziologischer Methodologie
2.2 Der Normalitäts- oder Durchschnittstypus
3 Erich Fromms Pathologiekonzept
3.1 Die seelischen Grundbedürfnisse des Menschen
3.2 Der Gesellschaftscharakter, seelische Gesundheit und Sozialpathologie
4 Vergleich und Evaluation
4.1 Holismus vs. Anthropologie
4.2 Naturalismus vs. Normativismus
4.3 Relativismus vs. normativer Humanismus
4.4 Soziale Tatsachen und Gesellschaftscharakter
4.5 Die Pathologiekonzepte am Beispiel des modernen Phänomens der steigenden Anzahl psychisch Erkrankter
4.6 Eine kritische Betrachtung der Pathologiekonzepte
5 Schluss
Die vorliegende Bachelorarbeit hat das Ziel, die sozialpathologischen Konzepte von Emile Durkheim und Erich Fromm vergleichend zu analysieren und deren Erklärungskraft für moderne soziale Missstände zu evaluieren, wobei insbesondere das Phänomen der steigenden Anzahl psychisch Erkrankter untersucht wird.
3.1 Die seelischen Grundbedürfnisse des Menschen
Für Erich Fromm besteht ein fundamentaler und existentieller Unterschied zwischen Tier und Mensch. Dadurch, dass das Verhalten des Tieres vollkommen durch Instinkte determiniert sei, lebe es in einer Harmonie mit der Natur. Damit sei nicht gemeint, dass keine bedrohlichen Situationen für das Tier existieren, sondern dass ihm von Natur aus Bewältigungsstrategien verliehen seien, die ihm ohne große Schwierigkeiten ermöglichen, sein Leben unter die für eine Spezies spezifischen Lebensbedingungen zu führen. Im Gegensatz dazu charakterisiere den Menschen die auf ein Minimum reduzierte Verhaltensdeterminierung durch Instinkte und die damit verbundenen Fähigkeiten des Selbstbewusstseins, Vorstellungsvermögens und der Vernunft. Das mache ihn zu einem ambivalenten Wesen: Zum einen sei der Mensch ein Teil der Natur, weil er immer noch Naturgesetzen unterliege, zum anderen übersteige er sie, weil sein Verhalten nicht mehr fremdbestimmt sei und sich seine Lebensbedingungen selber herstellen müsse.
Die Folge für den Menschen sei, dass die Befriedigung der aus dem Tierreich geerbten körperlichen Bedürfnisse (Hunger, Schlaf, Sexualität) nicht mehr ausreiche, um Glück und Gesundheit zu gewährleisten. Das zeige sich zum Beispiel daran, dass der Mensch das einzige Lebewesen sei, dass Langeweile empfinden könne. Vielmehr sei er darauf angewiesen, eine Antwort auf seine ambivalente Situation zu finden, die in den Bedingungen seiner Existenz selbst wurzeln.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die historische und theoretische Relevanz der Sozialphilosophie und den Begriff der "Pathologie des Sozialen" ein, um das Ziel der Arbeit, den Vergleich der Konzepte von Durkheim und Fromm, zu begründen.
2 Emile Durkheims Pathologiekonzept: Dieses Kapitel erläutert Durkheims soziologische Methodologie, insbesondere die Betrachtung sozialer Tatsachen als Dinge sowie seinen "Normalitäts- oder Durchschnittstypus" als Diagnoseinstrument.
3 Erich Fromms Pathologiekonzept: Das Kapitel skizziert Fromms sozialpsychologischen Ansatz, der die seelischen Grundbedürfnisse des Menschen und deren Befriedigung im Kontext des Gesellschaftscharakters in den Fokus rückt.
4 Vergleich und Evaluation: Hier werden die Konzepte hinsichtlich ihrer erkenntnistheoretischen Grundlagen verglichen und auf das moderne Phänomen der steigenden Anzahl psychisch Erkrankter angewendet.
5 Schluss: Das Schlusskapitel resümiert die Ergebnisse, bewertet die Erklärungskraft beider Ansätze für moderne soziale Missstände und gibt einen Ausblick auf künftige Forschungsmöglichkeiten.
Sozialpathologie, Emile Durkheim, Erich Fromm, Soziale Tatsachen, Gesellschaftscharakter, Normalitätsbegriff, Psychische Gesundheit, Kapitalismus, Entfremdung, Soziologie, Sozialpsychologie, Pathologie des Sozialen, Normativismus, Naturalismus, Individualität
Die Arbeit untersucht und vergleicht die Konzepte der Sozialpathologie von Emile Durkheim und Erich Fromm, um deren Eignung zur Analyse moderner gesellschaftlicher Missstände zu prüfen.
Die zentralen Themen umfassen die soziologische Methodik Durkheims, die sozialpsychologische Theorie Fromms zu seelischen Grundbedürfnissen sowie die kritische Gegenüberstellung von Naturalismus und Normativismus in der Sozialphilosophie.
Das Hauptziel ist es, herauszufinden, ob und inwieweit die Pathologiekonzepte von Durkheim und Fromm trotz ihrer unterschiedlichen Ansätze zur Erklärung aktueller sozialer Probleme, wie der psychischen Belastung in modernen Gesellschaften, beitragen können.
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, wobei sie theoretische Grundannahmen der Autoren zusammenführt und diese beispielhaft anhand statistischer Daten (Krankenhausentlassungen) auf das moderne Phänomen der psychischen Erkrankungen anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung von Durkheims Durchschnittstypus, Fromms Theorie des Gesellschaftscharakters sowie einen umfangreichen Vergleichsteil, der die theoretischen Differenzen und Anknüpfungspunkte (z.B. Holismus vs. Anthropologie) detailliert beleuchtet.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sozialpathologie, Gesellschaftscharakter, soziale Tatsachen, Entfremdung und psychische Gesundheit charakterisiert.
Durkheim verfolgt einen holistischen Ansatz, bei dem die Gesellschaft als Organismus pathologisiert wird, während Fromm eine mikrosoziologische Perspektive einnimmt, die das Individuum und dessen psychische Erfüllung ins Zentrum stellt.
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