Diplomarbeit, 2015
50 Seiten, Note: 1
1 Einleitung
2 Der Fall Marta Hillers’
2.1 Wer war Marta Hillers?
2.2 Das Tabuthema Vergewaltigung nach 1945
3 Marta Hillers’ „Eine Frau in Berlin“
3.1. Entstehungsgeschichte des Buches
3.2. Die Tagebuchaufzeichnungen vom 20. April bis 22. Juni 1945 – Marta Hillers’ Rolle als Vergewaltigungsopfer plündernder Rotarmisten
3.3. Der Tagebuchcharakter des Buches – hat er literarischen Anspruch?
3.4. Sachbuch, zeitgeschichtliches Dokument oder Pamphlet?
4 Die Veröffentlichungs- und Rezeptionsgeschichte des Buches
4.1. Die englische Erstausgabe 1954 und die deutsche Erstauflage 1959
4.2. Wiederauflage des Buches 2003
4.3 Bekanntwerden der Identität der Autorin und Zweifel an der Authentizität der Schilderungen
4.4 Vergewaltigung als Kriegsverbrechen seit dem Jahr 2008
4.5 Verfilmung des Buches 2008 unter der Regie von Max Färberböck und mit Nina Hoss in der Hauptrolle
5 Schlussfolgerungen
Diese Arbeit analysiert das Tagebuch „Eine Frau in Berlin“ von Marta Hillers, um die psychologischen, sozialen und historischen Auswirkungen von Massenvergewaltigungen auf Frauen während des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit zu beleuchten, wobei ein besonderer Fokus auf der Rolle der Autorin und dem Wandel der gesellschaftlichen Rezeption liegt.
3.2. Die Tagebuchaufzeichnungen vom 20. April bis 22. Juni 1945 – Marta Hillers’ Rolle als Vergewaltigungsopfer plündernder Rotarmisten
Die Tagebuchaufzeichnungen beginnen am Freitag des 20. April 1945 um 16 Uhr in Berlin, als der Krieg mitten auf die Stadt rollt. Geschütze schweren Kalibers vermischen sich mit einer schrecklichen Lautlosigkeit. Den Menschen und der Autorin wird klar, dass die Russen kommen. Man weiß nicht warum und was alles geschehen wird. Quälende Fragen und Unwissenheit dominieren unter der Berliner Bevölkerung.
Die Autorin beginnt mit der Information, sie habe kein Zuhause mehr. Es wurde von Bomben zerstört. Alle Andenken, die sie hatte, sind auf einmal weg. Nur mit einem Handkoffer muss Hillers in eine fremde Dachwohnung flüchten. Dort sucht sie nach etwas Ess- oder Trinkbaren, denn solche Dinge sind auf einmal nicht so einfach zu kaufen. Hunger und Durst quälen die Menschen, sie suchen nach Brotresten, mit denen sie ihren Magen stopfen können. Es herrscht Panik und Verzweiflung, die Autorin selbst macht an diesem Tag eine letzte Fahrt mit der Straßenbahn, unwissend wann und ob sie überhaupt noch mal die Möglichkeit bekommt mit ihr zu fahren:
„Freitag, schätzungsweise 19 Uhr. Hab noch schnell eine letzte Fahrt auf der Straßenbahn gemacht. Richtung Rathaus. Wummern und Rollen, pausenloses Gewitter der Geschütze. Kläglich schrie die Schaffnerin dagegen an. Ich fraß die Gesichter der Menschen ringsum. Es steht alles drin, was niemand ausspricht. Wir sind ein Volk von Stummen geworden. Bloß im vertrauten Keller sprechen die Menschen noch miteinander. Wann werde ich wieder mit der Bahn fahren? Ob überhaupt je?“
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der nationalsozialistischen Vergangenheitsbewältigung ein und umreißt die Zielsetzung der Arbeit, das Tagebuch von Marta Hillers als authentisches Dokument der Kriegsvergewaltigungen zu untersuchen.
2 Der Fall Marta Hillers’: Dieses Kapitel befasst sich mit der Person Marta Hillers, ihrem biographischen Hintergrund und der allgemeinen gesellschaftlichen Tabuisierung von Vergewaltigungen nach 1945.
3 Marta Hillers’ „Eine Frau in Berlin“: Hier erfolgt eine Genesis-Analyse des Tagebuches sowie eine Untersuchung des literarischen Charakters und eine Einordnung des Werkes als zeitgeschichtliches Dokument.
4 Die Veröffentlichungs- und Rezeptionsgeschichte des Buches: Dieses Kapitel beleuchtet die kontroverse Rezeption des Buches von der Erstausgabe 1954 bis zur Wiederauflage 2003, diskutiert Authentizitätsfragen und verknüpft die Thematik mit der Verfilmung sowie aktuellen UN-Resolutionen.
5 Schlussfolgerungen: Die Schlussfolgerungen fassen die Bedeutung von Marta Hillers’ Werk zusammen, das heute als wertvolle historische Quelle für die Aufarbeitung von Kriegsverbrechen und als Pionierarbeit für das Schicksal betroffener Frauen anerkannt ist.
Marta Hillers, Eine Frau in Berlin, Kriegsvergewaltigungen, Zweiter Weltkrieg, Nachkriegszeit, Zeitgeschichtliches Dokument, Rote Armee, Vergangenheitsbewältigung, Anonyma, Authentizität, Traumata, Frauenrechte, Besatzungszeit, Kriegsverbrechen, Erinnerungskultur
Die Arbeit befasst sich mit den Aufzeichnungen von Marta Hillers in ihrem Tagebuch „Eine Frau in Berlin“ und analysiert diese im Kontext der Massenvergewaltigungen deutscher Frauen am Ende des Zweiten Weltkrieges.
Die zentralen Themen umfassen die persönlichen Erfahrungen der Autorin während der sowjetischen Besatzung Berlins, die gesellschaftliche Tabuisierung von sexualisierter Kriegsgewalt sowie die Rezeptions- und Veröffentlichungsgeschichte ihres Tagebuches.
Das Ziel ist es, anhand von Marta Hillers’ Erinnerungen aufzuzeigen, welchem Schicksal deutsche Bürgerinnen in der Nachkriegszeit ausgesetzt waren, und zu untersuchen, wie sich dieses Werk auf das moderne Verständnis von Kriegsvergewaltigungen ausgewirkt hat.
Es handelt sich um eine deskriptive und analysierende Arbeit, die auf Literaturrecherche und der Analyse von Primärquellen (dem Tagebuch selbst) sowie Sekundärliteratur zu den Themen Kriegsverbrechen und Geschichtswissenschaft basiert.
Im Hauptteil werden die Biografie von Marta Hillers, die Entstehungsgeschichte und Analyse ihres Buches, die kontroverse Rezeptionsgeschichte sowie die filmische Umsetzung und der Bezug zu internationalen UN-Resolutionen detailliert dargelegt.
Die wichtigsten Begriffe sind Marta Hillers, Kriegsvergewaltigungen, Zeitgeschichtliches Dokument, Anonyma, Vergangenheitsbewältigung und Erinnerungskultur.
Marta Hillers hatte explizit den Wunsch geäußert, anonym zu bleiben, da sie nicht als Einzelschicksal betrachtet werden wollte, sondern die Massenschicksale unzähliger Frauen in den Fokus rücken wollte.
Die Echtheit der Aufzeichnungen wurde unter anderem durch ein Gutachten von Walter Kempowski bestätigt, das die Übereinstimmung der handschriftlichen Manuskripte mit dem Zeitgeist und den historischen Gegebenheiten belegte.
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