Diplomarbeit, 2004
101 Seiten, Note: 1,0
1. Reform oder Revolution? Eine Einführung in die Problemstellung
2. Philosophie oder Propaganda? Über Intentionen und Methoden
2.1 Der Erkenntnisweg zur Lebensaufgabe
2.2 Konzeption, Methode und Darstellungsweise
3. Die Demontage des „Projekts der Aufklärung“. Darstellung und Ursachenanalyse des jetzigen moralischen Verfallszustandes
3.1 Die emotivistische Gegenwartskultur
3.1.1 Das moralische Dilemma als Ansatzpunkt
3.1.2 Der Emotivismus als Ursachenanalyse
3.1.3 Die postmoderne Anthropologie als Fundierung
3.2 Die geschichtsphilosophische Darstellung der Aufklärung:
3.2.1 Der geschichtsphilosophische Ansatz als Untersuchungsmethode
3.2.1.1 Das Untersuchungsformat
3.2.1.2 Die rationale Aufklärung
3.2.1.3 Die sensualistische Aufklärung
3.2.2.1 Die neue Rationalität als Ursache und Systemfehler
3.2.2.2 Die These in der Diskussion
3.3 Das moralische Defizit der modernen Gegenwartsgesellschaften
3.3.1 Die vorherrschenden Ethiken als Katalysatoren des Dilemmas
3.3.2 Die Gesellschaftsordnung als soziologische Grundbedingung der Ethik
3.4 „Nietzsche oder Aristoteles?“ Eine kritische Zwischenbilanz
4. Ein völlig anderer Ansatz? Die Revitalisierung der aristotelischen Tugendethik
4.1 Die klassische Tradition der Tugendbegründung
4.2 Ein modernes Tugendkonzept
4.2.1 Die Kerndefinition der Tugenden durch den Begriff der Praxis
4.2.2 Die zweite Definitionsebene als das lebenslange Streben nach dem Guten
4.2.3 Die Rahmendefinition der Tradition
4.3 Kritische Anfragen
4.3.1 Die mangelnde Normativität der strukturellen Teleologie
4.3.2 Die Problematik der narrativen Struktur
4.3.3 Praxen, Tugenden und ihre Realitätsnähe
4.4 Eine überzeugende Alternative?
5. Licht am Ende des Tunnels? Das Ende von „After virtue“ zwischen Agonie und Konstruktivismus
5.1 Eine Degenerationsgeschichte als Traditionsvergleich
5.2 Die Soziologie als Grundlagenproblem
5.3 Ein konstruktiver Überwindungsversuch?
6. Moral am Ende? Standortbestimmung und Ausblick von „After Virtue“
Die Arbeit untersucht Alasdair MacIntyres pessimistische Diagnose des moralischen Verfallszustands in der Moderne, wie sie in „After Virtue“ formuliert wurde, und analysiert, ob sein Konzept zur Revitalisierung der aristotelischen Tugendethik als erfolgreiche Antwort auf diese Krise dienen kann. Im Kern steht dabei die Frage nach dem Verhältnis zwischen tugendethischen und normenethischen Begründungsansätzen sowie die kritische Prüfung, ob MacIntyres radikale Abkehr von aufklärerischen Modellen eine überzeugende Alternative darstellt.
3.1.2 Der Emotivismus als Ursachenanalyse
Das Fatale an dem Zustand der gegenwärtigen Moralsprache ist, daß er von den Betroffenen gar nicht mehr erkannt werden kann. Verursacht wurde dies durch den Emotivismus, der als Reaktion auf den inhaltsleeren Intuitionismus Moores die rationale Begründbarkeit von Werturteilen abstreitet. Jegliche Rationalität wird nur noch als Schein angesehen, der mühsam verdeckt, daß moralische Urteile rational gar nicht begründbar sind. Seine Vertreter gehen davon aus, daß moralische Standpunkte und Behauptungen gar keine Frage der Vernunft sind, sondern lediglich den individuellen arationalen Präferenzen entsprechen, und daß ein Konsens über solche Urteile dementsprechend lediglich auf der Basis eines pragmatischen kleinsten gemeinsamen Nenners erfolgen kann.
Diese These kann zwar durch das Hinterfragen der Präferenzen falsifiziert werden, denn obwohl jeder zwischen moralisch wertvollen und rein ästhetischen Präferenzen unterscheiden kann, gibt der Emotivismus keine sinnvolle Begründung für deren Unterscheidung oder Beseitigung an. Aber da der Emotivismus trotz dieser philosophischen Widerlegung weiterhin erfolgreich ist, muß er als ernstzunehmende Theorie angesehen werden. Dabei verdunkelt er den desolaten Zustand selbst, indem er die letzte logische und radikale Konsequenz aus seiner Existenz verhindert: Anstatt die Sprache der Moral abzuschaffen, weil keine rationalen Begründungen mehr möglich sind, wird einfach der ontische Status moralischer Äußerungen umgedeutet.
1. Reform oder Revolution? Eine Einführung in die Problemstellung: Das Kapitel führt in MacIntyres zentrale These des „Verlusts der Tugend“ ein und bettet „After Virtue“ in den Kontext der neoaristotelischen Tugendethik und des aufkommenden Kommunitarismus ein.
2. Philosophie oder Propaganda? Über Intentionen und Methoden: Hier wird der Erkenntnisweg MacIntyres nachgezeichnet und die methodische Herausforderung beleuchtet, literarische Darstellung mit wissenschaftlicher Reflexion zu verbinden.
3. Die Demontage des „Projekts der Aufklärung“. Darstellung und Ursachenanalyse des jetzigen moralischen Verfallszustandes: Das Hauptkapitel dekonstruiert die moderne Moral als emotivistisch geprägt und führt den aktuellen Zustand auf das Scheitern des aufklärerischen Projekts und dessen Versuche einer rein rationalen Moralbegründung zurück.
4. Ein völlig anderer Ansatz? Die Revitalisierung der aristotelischen Tugendethik: In diesem Teil wird MacIntyres Gegenentwurf zur modernen Ethik diskutiert, wobei die Konzepte von Praxis, dem Guten Leben und der Tradition als Kernelemente seiner Tugendethik im Fokus stehen.
5. Licht am Ende des Tunnels? Das Ende von „After virtue“ zwischen Agonie und Konstruktivismus: Die Untersuchung befasst sich hier mit der Degenerationsgeschichte als Traditionsvergleich und der soziologischen Herausforderung, eine Tugendethik in der Moderne zu etablieren.
6. Moral am Ende? Standortbestimmung und Ausblick von „After Virtue“: Das Abschlusskapitel resümiert die Stärken und Schwächen von MacIntyres Analyse und hinterfragt die Möglichkeiten einer Weiterentwicklung seines Modells für aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen.
MacIntyre, Tugendethik, After Virtue, Emotivismus, Aufklärung, Aristoteles, Kommunitarismus, Moralphilosophie, Telos, Praxis, Tradition, rationale Begründung, Moderne, Ethik, Narrative Einheit.
Die Arbeit analysiert kritisch Alasdair MacIntyres Werk „After Virtue“ und seine Diagnose eines tiefgreifenden moralischen Verfallszustands in modernen Gesellschaften.
Die Untersuchung umfasst die Moralphilosophie, Soziologie und Geschichtsphilosophie, wobei der Schwerpunkt auf Tugendethik, dem aufklärerischen Projekt und kommunitaristischen Ansätzen liegt.
Das Ziel ist zu prüfen, ob MacIntyres Diagnose zutreffend ist und ob sein Versuch, die aristotelische Tugendethik zu revitalisieren, als erfolgreiche Lösung für die heutige Orientierungskrise in der Moral dienen kann.
Die Autor setzt eine interdisziplinäre, dreischrittige Analyse bestehend aus Darstellung, Diskussion und Bewertung der Thesen ein, um MacIntyres Ansatz kritisch zu hinterfragen.
Der Hauptteil analysiert MacIntyres Demontage des aufklärerischen Projekts, seine Kritik am Emotivismus und die Rekonstruktion seiner Tugendethik basierend auf den Begriffen Praxis, Telos und Tradition.
Zentrale Begriffe sind Tugendethik, Emotivismus, Teleologie, Narrative Einheit, Tradition und das Scheitern rationaler Letztbegründung.
Der Autor lobt zwar die Pionierleistung MacIntyres, kritisiert jedoch die polemische Vorgehensweise und die oft pauschale Ablehnung der Aufklärung und moderner liberaler Ansätze.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass eine reine Tugendethik in der heutigen Zeit kaum ohne normative Ergänzungen auskommt, eine Verschmelzung mit neuzeitlichen Ansätzen jedoch eine vielversprechende Alternative bieten könnte.
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