Magisterarbeit, 2005
77 Seiten, Note: 1,0
1. EINLEITUNG
I. GEHIRN UND BEWUSSTSEIN
2. AUFGABEN UND PROBLEME EINER BIOLOGISCHEN THEORIE DES BEWUSSTSEINS
2.1 Gehirn und Bewusstsein
2.2 Bewusstsein als emergente Eigenschaft des Gehirns
3. FREIHEIT ODER DETERMINISMUS
3.1 Das Libet- Experiment
3.2 Kritik am Libet- Experiment
3.3 Das Bewusstsein in behavioristischer Perspektive
3.4 Grundprobleme einer Philosophie des Geistes
3.4.1 Der Epiphänomenalismus
3.4.2 Der interaktionistische Dualismus
3.4.3 Die Identitätstheorie
3.5 Von zerebralen und philosophischen Kategorienfehlern
3.6 Resümee und Ausblick
II. NEURODIDAKTIK
4. EINLEITUNG UND DEFINITION DER NEURODIDAKTIK
4.1 Allgemeine Grundlagen und Prämissen der Neurodidaktik
4.2 Plastizität des Gehirns
4.3 Die Neurobiologie des Lernens
4.4 Konsequenzen für ein Lehr- Lernarrangement
4.5 Bewusstes und unbewusstes Lernen
4.6 Besser lernen mit Dopamin
4.7 Konsequenzen für ein Lehr- Lernarrangement
4.8 Die Amygdala
4.9 Konsequenzen für ein Lehr- Lernarrangement
4.10 Das Gedächtnis
4.11 Der Hippokampus und das explizite Gedächtnis
4.12 Konsequenzen für ein Lehr- Lernarrangement
5. NEURODIDAKTIK UND FRÜHFÖRDERUNG
5.1 Die Neurobiologie der kindlichen Gehirnentwicklung
5.2 Der Einfluss von Umwelt und Genen auf die Gehirnentwicklung und das frühkindliche Lernen
5.3 Kritische Phasen
5.4 Gehirnreifung und Synapsendichten
5.5 Kritische Anmerkungen zur Frühförderung
5.6 Frühförderung – und dann?
5.7 Resümee
6. DIE THEORIE DER NEURODIDAKTIK IM LICHTE EINER ALLGEMEINEN DIDAKTIK
6.1 Die semantische Blindheit einer neurobiologisch gewendeten Didaktik
7. ZUM GUTEN SCHLUSS: EINE BIOLOGISCHE ANTHROPOLOGIE FÜR EINE PÄDAGOGISCHE DIDAKTIK
7.1 Eine neue Grundlegung der Neurodidaktik durch Perspektivenwechsel
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von modernen neurowissenschaftlichen Erkenntnissen zur erziehungswissenschaftlichen Didaktik. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, ob die Neurodidaktik eine legitime und notwendige neue Grundlegung des Lehrens und Lernens darstellt, indem sie die biologische Anthropologie der Gehirnforschung als theoretisches Fundament nutzt, oder ob dieses Unterfangen an erkenntnistheoretischen Widersprüchen und einem falschen Verständnis von Freiheit und Determinismus scheitert.
3.1 Das Libet- Experiment
Im Jahr 1983 veröffentlichte Benjamin Libet einen Artikel über ein von ihm durchgeführtes Experiment, in dem er der Frage nachging, ob freie Willenshandlungen deterministischen Gesetzen unterliegen oder ohne solche Beschränkungen auftreten, „so daß sie von Naturgesetzen nicht- determiniert und ‚wirklich frei’ sind?“ (Libet 2004, S. 268 )
Das Libet- Experiment bildet bis heute die Grundlage der Diskussion um Determinismus und Freiheit und zählt wohl mit zu den einflussreichsten Veröffentlichungen der Hirnforschung überhaupt. Die Ergebnisse des Experiments sind von anderen Autoren später bestätigt worden. Hier nun die Versuchsanordnung:
Die Versuchspersonen wurden vor eine sog. Oszilloskop- Uhr gesetzt, in der sich ein Lichtfleck in 2,56 sec. einmal im Kreis herum dreht. Damit konnten Messungen mit Zeitunterschieden im Bereich von einigen Hundert Millisekunden erfasst werden. Sie wurden nun aufgefordert, mit dem Handgelenk zu einer beliebigen Zeit eine willkürliche Bewegung zu machen, und mit Blick auf die Uhr anzugeben, wann ihnen der Entschluss zu dieser Bewegung erstmals bewusst wurde.
Die Handbewegung sollte in einer vorgegebenen Zeit von maximal drei Sekunden erfolgen. Der gemessene Zeitpunkt ergibt den Wert W für „Wille“. Nun bestimmte Libet gleichzeitig noch zwei objektive Parameter, indem er die elektrische Aktivität sowohl im motorischen Kortex im Stirnlappenbereich, als auch die elektrische Aktivität im Bereich des Armmuskels maß.
Die Messungen im Armmuskel erlauben eine Aussage darüber, wann die Muskelaktivität EMG tatsächlich stattfindet. Die Messungen im Bereich des motorischen Kortex erlauben eine Aussage über das sog. „Bereitschaftspotenzial“ BP. Das Bereitschaftspotential wurde 1965 von den deutschen Neurologen Hans Kornhuber und Lüder Deecke entdeckt. Sie fanden heraus, dass beim Vollzug von selbstgesteuerten Willenshandlungen ein allmählicher Anstieg der elektrischen Aktivität im Bereich des supplementär motorischen Areals erfolgte und dass diese Gehirnaktivität der tatsächlichen Bewegung um ca. eine Sekunde vorausgeht.
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet den Aufstieg der Hirnforschung im pädagogischen Diskurs und formuliert das erkenntnistheoretische Grundproblem der Neurodidaktik.
2. AUFGABEN UND PROBLEME EINER BIOLOGISCHEN THEORIE DES BEWUSSTSEINS: Dieses Kapitel erörtert die Herausforderungen, Bewusstsein rein neuronal aus Gehirnaktivität erklären zu wollen.
3. FREIHEIT ODER DETERMINISMUS: Hier werden die Libet-Experimente sowie deren philosophische Implikationen hinsichtlich der Willensfreiheit kritisch analysiert.
4. EINLEITUNG UND DEFINITION DER NEURODIDAKTIK: Es erfolgt eine begriffliche Klärung der Neurodidaktik sowie eine Darstellung ihrer neurobiologischen Prämissen (Plastizität, Gedächtnis, Belohnung).
5. NEURODIDAKTIK UND FRÜHFÖRDERUNG: Dieses Kapitel prüft die wissenschaftliche Stabilität des Konzepts der "kritischen Phasen" und hinterfragt die Dringlichkeit der frühkindlichen Förderung.
6. DIE THEORIE DER NEURODIDAKTIK IM LICHTE EINER ALLGEMEINEN DIDAKTIK: Die Untersuchung befasst sich mit der methodischen Berechtigung der Neurodidaktik und ihrer semantischen Blindheit.
7. ZUM GUTEN SCHLUSS: EINE BIOLOGISCHE ANTHROPOLOGIE FÜR EINE PÄDAGOGISCHE DIDAKTIK: Das abschließende Kapitel entwirft einen Perspektivenwechsel, der neuronale Grundlagen mit pädagogischer Freiheit zu vereinen sucht.
Neurodidaktik, Hirnforschung, Gehirn, Bewusstsein, Lernprozesse, Willensfreiheit, Determinismus, Plastizität, Synapsen, Frühförderung, Pädagogik, Gedächtnis, Neurobiologie, Amygdala, Hippokampus
Die Arbeit untersucht kritisch den Anspruch der Neurodidaktik, pädagogisches Handeln auf Basis neurowissenschaftlicher Erkenntnisse über das Gehirn neu zu begründen.
Zu den zentralen Themen gehören das Verhältnis von Gehirn und Bewusstsein, die Debatte um Willensfreiheit und Determinismus, sowie die neurobiologischen Grundlagen von Lernen, Gedächtnis und frühkindlicher Entwicklung.
Das Ziel ist zu klären, ob die Neurodidaktik als pädagogische Disziplin legitim ist oder ob sie an theoretischen Kategorienfehlern scheitert, wenn sie biologische Fakten direkt in pädagogische Normen übersetzen will.
Der Autor wendet eine theoretische Analyse und erkenntnistheoretische Reflexion an, die sich auf Philosophie des Geistes, Neurobiologie und Erziehungswissenschaft stützt.
Der Hauptteil analysiert die Definition der Neurodidaktik, die Debatten um das Libet-Experiment, die Rolle des limbischen Systems und des Hippokampus sowie die Problematik des Kindheitsdeterminismus im Kontext der Frühförderung.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Neuroplastizität, semantische Blindheit, Kategorienfehler, "Lernfenster", sowie die Unterscheidung zwischen erfahrungsheischender und erfahrungsabhängiger Plastizität.
Das Experiment dient als Ausgangspunkt, um zu zeigen, dass die vorschnelle Interpretation der Hirnforschung, der Mensch sei durch neuronale Prozesse determiniert und Freiheit eine Illusion, erkenntnistheoretisch fragwürdig ist.
Der Autor betrachtet die Dringlichkeit der Frühförderung als wissenschaftlich oft überbewertet und warnt davor, das Kindheitsalter unter dem Diktat der "kritischen Phasen" zum ausschließlichen Ort für entscheidende Lernleistungen zu erklären.
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