Masterarbeit, 2015
83 Seiten, Note: 1,7
Elternschaft und Autorschaft: Eine jahrtausendealte Tradition
Elternschaft und Autorschaft in 'Frankenstein' und 'Der Findling'
Vorgehen
Fragestellungen
Zur Einordnung in den historischen Kontext: Elternschaft und Autorschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts
Elternschaft im 19. Jahrhundert: Vom 'Haus' zur Kernfamilie
Autorschaft und Rechtsverständnis: Entwicklung des Urheberrechts bis zum 19. Jahrhundert
Elternschaft als Autorschaft in 'Der Findling'
Elternschaftskonstellationen in 'Der Findling'
Das Findlingsmodell von Autorschaft
Elternschaft als Autorschaft in 'Frankenstein'
Elternschaftskonstellationen in 'Frankenstein'
Das Frankensteinmodell von Autorschaft
'Frankenstein' und 'Der Findling': Gemeinsamkeiten und Unterschiede der präsentierten Autorschaftsmodelle
Künstlich generierte Elternschaft in 'Frankenstein' und 'Der Findling'
Autorschaft als notwendig scheiternde Elternschaft?
Schrift-Erzeugnisse in 'Frankenstein' und 'Der Findling': Vom Erzeugnis zum Zeugen
Die Aufhebung der Vernichtung durch Fortschreibung und Rezeption
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Elternschaft und Autorschaft in Mary Shelleys 'Frankenstein' und Heinrich von Kleists 'Der Findling'. Im Zentrum steht die These, dass die in den Texten dargestellten, künstlichen Eltern-Kind-Beziehungen als Reflexion der Autoren über den künstlerischen Schöpfungsprozess zu deuten sind, wobei die literarischen Werke als symbolische „Kinder“ der Autoren fungieren.
Das Frankensteinmodell von Autorschaft
In diesem Kapitel wird das, was aus der Analyse im vorherigen Kapitel über die Beziehung von Victor und der Kreatur bekannt ist, als Aussage über die Beziehung von Autor und Werk interpretiert.
Victor Frankenstein, der im Roman für die Figur des Autors steht, ist von seinen Eltern von Kindheit an dafür bestimmt, seine Cousine und Adoptivschwester Elizabeth zu heiraten, mit der er Seite an Seite aufgewachsen ist und die nach dem Tod seiner Mutter deren Rolle in der Familie übernommen hat. Zudem ist die Familiendynamik von Unehrlichkeit, Lügen und dem Verleugnen jedes Konfliktpotenzials geprägt, und seine aufgrund der isolierten Kindheit sehr beschränkten Erfahrungen im Umgang mit Fremden reichen nicht aus, um sich in der Gesellschaft Unbekannter souverän verhalten zu können. Aufgrund der übermäßigen, familienartigen Nähe zu Elizabeth kann er ihr gegenüber kein erotisches Begehren entwickeln und zeigt keinerlei ehrliches Verlangen, sie zu heiraten, auch wenn er zur Beruhigung und des eigenen Gewissens regelmäßig behauptet, dies tun zu wollen; gleichzeitig ist es für ihn unmöglich, eine Frau außerhalb seiner Familie kennen zu lernen, da sowohl seine mangelnde Sozialkompetenz als auch das Versprechen, das er den Eltern und Elizabeth gegeben hat, dem im Wege stehen. Wie alle anderen Menschen auch hat er aber dennoch einen Drang, zu zeugen und sich zu verewigen. Für ihn bietet die Wissenschaft einen Ausweg.
Elternschaft und Autorschaft: Eine jahrtausendealte Tradition: Das Kapitel beleuchtet die jahrtausendealte Verbindung zwischen dem Schöpfer-Schöpfung-Verhältnis bei Eltern und Autoren.
Elternschaft und Autorschaft in 'Frankenstein' und 'Der Findling': Einleitung in die methodische Vorgehensweise sowie die Fragestellungen der Arbeit.
Zur Einordnung in den historischen Kontext: Elternschaft und Autorschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Historischer Abriss über das Familienleben und die Entwicklung des Urheberrechts zur Entstehungszeit der Werke.
Elternschaft als Autorschaft in 'Der Findling': Untersuchung der verwandschaftlichen Konstellationen in Kleists Novelle unter besonderer Berücksichtigung der Vater-Sohn-Beziehung.
Das Findlingsmodell von Autorschaft: Interpretation der Eltern-Kind-Beziehung in 'Der Findling' als Modell für die Beziehung zwischen Autor und Text.
Elternschaft als Autorschaft in 'Frankenstein': Analyse der Familienstruktur und der Beziehung zwischen Victor Frankenstein und seiner Kreatur.
Das Frankensteinmodell von Autorschaft: Interpretation der Beziehung zwischen Victor und der Kreatur als Modell für den künstlerischen Schöpfungsprozess.
'Frankenstein' und 'Der Findling': Gemeinsamkeiten und Unterschiede der präsentierten Autorschaftsmodelle: Synthese der Ergebnisse beider Einzelanalysen.
Künstlich generierte Elternschaft in 'Frankenstein' und 'Der Findling': Vergleich der nicht-biologischen Entstehungsweisen der „Kinder“ in beiden Werken.
Autorschaft als notwendig scheiternde Elternschaft?: Theoretische Betrachtung des Scheiterns als inhärentes Moment künstlerischer Schöpfung.
Schrift-Erzeugnisse in 'Frankenstein' und 'Der Findling': Vom Erzeugnis zum Zeugen: Untersuchung der Rolle von Dokumenten und Briefen für die Handlungslogik und Deutung der Texte.
Die Aufhebung der Vernichtung durch Fortschreibung und Rezeption: Zusammenfassung der Ergebnisse und Erweiterung der Analyse um die Perspektive der Rezeption.
Elternschaft, Autorschaft, Schöpfung, Mary Shelley, Heinrich von Kleist, Frankenstein, Der Findling, Literaturwissenschaft, Kopfgeburt, Urheberrecht, Rezeption, Schöpfungsprozess, künstliche Vaterschaft, Hybris, Textzeugnisse
Die Masterarbeit analysiert die metaphorische Verknüpfung von Elternschaft und Autorschaft in den Werken 'Frankenstein' von Mary Shelley und 'Der Findling' von Heinrich von Kleist.
Die Themen umfassen die künstliche Erzeugung von „Nachkommen“ (Werken), das Verhältnis von Autor und Werk, die Rolle des Schöpfers sowie die Auswirkungen von Schrift und Sprache.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Autoren ihre eigene künstlerische Schöpfung in den Texten als einen reflexiven Prozess darstellen, der mit den Unzulänglichkeiten und Sehnsüchten der Schöpfer verknüpft ist.
Die Arbeit geht methodisch induktiv vor: Sie arbeitet nah am Text und abstrahiert aus den Einzelbeobachtungen der Eltern-Kind-Beziehungen ein allgemeines Modell der Autorschaft.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung, eine detaillierte Einzelanalyse der zwei Werke, einen Vergleich der Modelle sowie eine Untersuchung der Rolle schriftlicher Dokumente in den Erzählungen.
Elternschaft, Autorschaft, Schöpfung, Frankenstein, Der Findling, Kopfgeburt, Urheberrecht und Rezeption.
Sie dient als notwendiger Ersatz für die natürliche Fortpflanzung, ermöglicht dem Autor jedoch erst durch den bewussten Prozess der „Kopfgeburt“ die Kontrolle und Gestaltung des entstehenden Werkes.
Laut der in den Werken präsentierten These führt die Hybris der künstlichen Schöpfung zwangsläufig zur Zerstörung des Schöpfers durch sein eigenes Werk, da dieses eine Eigendynamik entwickelt.
Schriftstücke wie Urkunden oder Briefe fungieren als performative Akte, die Realität schaffen oder täuschen können, und unterstreichen die Macht von Sprache als Werkzeug des Schöpfungsprozesses.
Während die Texte auf der Handlungsebene das Scheitern und die Vernichtung des Schöpfers vorführen, zeigt die historische Realität durch das Fortbestehen der Werke, dass die künstlerische Verewigung durch Rezeption tatsächlich gelingt.
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