Fachbuch, 2019
88 Seiten
1 Einleitung
2 Das Phänomen der Mehrfach‐ und Intensivtäter_innen
3 Jugendkriminalität und Jugendgerichtsgesetz
3.1 Formen der Jugendkriminalität
3.2 Entwicklung der Jugendkriminalität
3.3 Ursachen der Jugendkriminalität
4 Resozialisierung von Mehrfach‐ und Intensivtäter_innen
4.1 Das Anti-Aggressivitäts-Training in der Konfrontativen Pädagogik
5 Schlussfolgerungen und Ausblick auf ergänzende Forschungsfelder und Handlungsempfehlungen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Jugend- und Gewaltkriminalität in Deutschland mit einem besonderen Fokus auf die Resozialisierung von Mehrfach- und Intensivtätern. Ziel ist es, die Ursachen deliktorientierten Verhaltens zu ergründen und die Wirksamkeit sowie die kritischen Aspekte des Anti-Aggressivitäts-Trainings (AAT) innerhalb der Konfrontativen Pädagogik als Interventionsmaßnahme zu analysieren.
3.3.1.2 Sozial-kognitive Lerntheorien nach ABandura
Albert Bandura untersuchte das Lernen durch Nachahmung. Man spricht hierbei vom Lernen am Modell oder auch Beobachtungslernen. In seiner „Bobo-Doll-Studie“ fand er heraus, dass Kinder, die zuvor aggressive Handlungen beobachtet hatten (als reale Situation, im Film und im Cartoon) beinahe doppelt so oft zur Nachahmung dieser Verhaltensweisen neigten als die Kinder der Kontrollgruppe, die keine aggressiven Handlungen gesehen hatten.
Darauf aufbauend entwickelte er die Aggressionstheorie, in der er zu erklären versuchte, wie sich ein Mensch durch Beobachtung, Erfolg der Tat (ähnlich wie bei Skinner) und Neutralisierung des eigenen Handelns aggressive Verhaltensweisen aneignet und wie diese verfestigt werden. Vor allem mehrfache Gewalttäter_innen bedienen sich häufig solcher Neutralisierungstechniken. Sie geben meist den Opfern die Schuld und versuchen ihr Verhalten in eine gerechtfertigte (Rache-)Handlung umzudefinieren, womit sie ihr aggressives Handeln legitimieren.
Darüber hinaus untersuchte Bandura die mögliche Veränderung und Kontrolle aggressiver Verhaltensweisen, denen er einen hohen funktionellen Wert zuordnete. Er erkannte, dass jenes Verhalten oft als Schutz gegen emotionale und körperliche Belastungen (z. B. Elterliche Misshandlung oder Erniedrigung) eingesetzt wird. Im Sinne einer präventiven Konfliktlösung lernt der junge Mensch, dass Gewalt sich lohnt, da er sich so vor seinem schlagenden Vater schützen kann. In Menschen, die Gewalt als einzige Konfliktlösungsstrategie einsetzen, liegt meist die Annahme tief verankert, dass gewalttätiges Verhalten Macht ausstrahle und Respekt verschaffe. Auf der anderen Seite sind sie der festen Überzeugung, dass die Lösung von Problemen durch verbale Fähigkeiten und der Suche nach einer friedlichen Lösung Schwäche und Feigheit bedeute.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das umstrittene Thema der Jugendkriminalität ein und definiert die Fokusgruppe der Arbeit: Mehrfach- und Intensivtäter_innen.
2 Das Phänomen der Mehrfach‐ und Intensivtäter_innen: Dieses Kapitel erläutert die Problematik der Begriffsdefinition und Kategorisierung von Mehrfach- und Intensivtäter_innen in Deutschland.
3 Jugendkriminalität und Jugendgerichtsgesetz: Es werden die Phänomene der Jugendkriminalität sowie die rechtlichen Grundlagen und pädagogischen Interventionsmöglichkeiten nach dem JGG beleuchtet.
4 Resozialisierung von Mehrfach‐ und Intensivtäter_innen: Hier wird das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT) als wesentliche Interventionsmethode vorgestellt und einer fundierten, kritischen Betrachtung unterzogen.
5 Schlussfolgerungen und Ausblick auf ergänzende Forschungsfelder und Handlungsempfehlungen: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert notwendige Entwicklungen für die künftige Arbeit mit jungen Gewalttätern.
Jugendkriminalität, Mehrfachtäter, Intensivtäter, Resozialisierung, Anti-Aggressivitäts-Training, Konfrontative Pädagogik, Jugendgerichtsgesetz, Gewaltprävention, Sozialisation, Kriminalitätsentwicklung, Delinquenz, Strafvollzug, Täterorientierung, Intervention, Pädagogik.
Die Arbeit analysiert die aktuelle Lage der Jugendkriminalität in Deutschland und untersucht kritisch, wie junge Mehrfach- und Intensivtäter effektiv resozialisiert werden können.
Die zentralen Themen sind die theoretischen Erklärungsmodelle von Jugenddelinquenz, der Einfluss des sozialen Umfelds und die Bewertung pädagogischer Interventionsmaßnahmen, insbesondere des Anti-Aggressivitäts-Trainings (AAT).
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Jugendliche, die bereits den falschen Weg eingeschlagen haben, durch bessere Hilfsangebote und gezielte Interventionen resozialisiert werden können.
Die Arbeit basiert primär auf einer umfassenden Literaturrecherche, der Auswertung polizeilicher Statistiken (PKS) sowie der Analyse verschiedener Evaluationsstudien zu bestehenden Trainingsprogrammen.
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Intensivtätern, Ursachenanalysen aus verschiedenen psychologischen und soziologischen Perspektiven sowie einer detaillierten Erläuterung des Anti-Aggressivitäts-Trainings.
Wichtige Begriffe sind Jugendkriminalität, Intensivtäter, Resozialisierung, Konfrontative Pädagogik und Gewaltprävention.
Kritiker bemängeln insbesondere die defizitorientierte Herangehensweise, die Methode des "heißen Stuhls" als potenziell demütigend und die teilweise mangelnde empirische Evidenz für langfristige Erfolge des Konzepts.
Die Arbeit sieht in den als Tutoren eingesetzten ehemaligen Tätern eine wichtige Rolle, da diese aufgrund ihrer eigenen Geschichte eine hohe Authentizität besitzen und den Kursteilnehmern als Vorbilder für einen gewaltfreien Weg dienen können.
Das Jugendgerichtsgesetz (JGG) bildet den juristischen Rahmen, der den erzieherischen Vorrang bei jungen Straffälligen festlegt und somit das Fundament für alle pädagogischen Interventionsmaßnahmen in der Justiz darstellt.
Die Arbeit betont, dass polizeiliche Statistiken (PKS) nur das "Hellfeld" erfassen. Da bei vielen jugendlichen Delikten keine Anzeige erstattet wird, ist das tatsächliche Ausmaß der Kriminalität laut der Autorin deutlich höher.
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