Masterarbeit, 2004
56 Seiten, Note: 2
Jura - Zivilrecht / Handelsrecht, Gesellschaftsrecht, Kartellrecht, Wirtschaftsrecht
I. EINLEITUNG
II. UNZUREICHENDER GLÄUBIGERSCHUTZ GEGEN EXISTENZVERNICHTENDEN EINGRIFFE
A. LEX SPECIALIS
B. LEX GENERALIS
III. HYPOTHESEN DES DURCHGRIFFS
A. MATERIELLE UNTERKAPITALISIERUNG
B. VERMÖGENSVERMISCHUNG- SPHÄRENVERMISCHUNG
C. INSTITUTSMISSBRAUCH
IV. VOM QUALIFIZIERT FAKTISCHEN KONZERN ZUM BESTANDSCHUTZ
A. RECHTFERTIGUNG DES KONZERNRECHTLICH HAFTUNGSANSATZ
B. VON STRUKTURHAFTUNG ZUR VERHALTENSHAFTUNG (AUTOKRAN- TBB)
a. Strukturhaftung
b. Verhaltenshaftung
C. BESTANDSCHUTZ IM EIGENEN INTERESSE- ABSCHIED VOM KONZERNRECHTLICHEN HAFTUNGSANSATZ
V. EXISTENZVERNICHTUNGSHAFTUNG ALS NEUES HAFTUNGSMODELL
A. DOGMATISCHER BEDARF EINES NEUEN HAFTUNGSMODELLS
B. POLEMIK ÜBER DIE DOGMATISCHEN GRUNDLAGE
a. Geschäftsführerhaftung nach §43 GmbHG, 93 V S.2 und 3 AktG analog
b. Haftung aufgrund des Treuverhältnisses?
c. Teleologische Reduktion des § 13 II GmbHG
C. TATBESTAND DER DURCHGRIFFSHAFTUNG FÜR EXISTENZVERNICHTENDEN EINGRIFF
a. Haftungsbegründender Tatbestand
b. Zurechnung
c. Anwendungsbereich
D. RECHTSFOLGE
a. Anspruchsberechtigung außerhalb der Insolvenz
b. Anspruchsberechtigung im Insolvenzverfahren
c. Differenzierung nach Gläubigergruppen
d. Stellungnahme zur Gläubigerdifferenzierung
E. PROBLEM DER PARALLELEN ANSPRÜCHE: VERHÄLTNIS ZU ANDEREN ANSPRUCHSGRUNDLAGEN
a. Deliktsrecht, insbesondere § 826 BGB
b. §§ 30, 31 GmbHG
c. Treupflichthaftung in der mehrgliedrigen GmbH („ITT“)
d. Konzernrechtliche Haftung
VI. DURCHGRIFFSHAFTUNG IN FRANKREICH
A. „DURCHGRIFFSHAFTUNG“ AUFGRUND ALLGEMEINER RECHTSINSTITUTE
a. Die fiktive oder fraudulöse Gesellschaft
b. Behandlung der Vermögensvermischungs- und Unterkapitalisierungsfällen durch die Judikatur
c. Rechtsfolge
B. INSOLVENZRECHTLICHER DURCHGRIFF DURCH DAS INSTITUT DES DIRIGEANT DE FAIT
a. Erstreckung der Haftung auf den Unternehmensleiter nach L 624-5 Code du Commerce
b. Geschäftsführerhaftung- die action en comblement du passif
C. BEDEUTUNG DER HAFTUNGSMODELLE
VII. BEWERTUNG DES NEUEN HAFTUNGSMODELLS
A. WIRTSCHAFTLICHE BEWERTUNG
B. AUSBLICK IM LICHTE DER EUGH RECHTSPRECHUNG
a. Europäischer Kontext
b. Mehrqualifikation der deutschen Durchgriffshaftung
c. Haftung in der Insolvenz
d. Auslegung der Existenzvernichtungshaftung in Frankreich
VIII. SCHLUSSWORT
Die Arbeit untersucht die dogmatische Herleitung und die praktische Anwendung der sogenannten Existenzvernichtungshaftung im deutschen Kapitalgesellschaftsrecht. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie Gläubiger vor existenzvernichtenden Eingriffen durch Gesellschafter geschützt werden können, nachdem sich die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs vom traditionellen konzernrechtlichen Haftungsmodell abgewendet hat und zunehmend auf ein allgemeines Missbrauchskonzept setzt. Ergänzend erfolgt eine rechtsvergleichende Analyse der Situation in Frankreich.
A. Rechtfertigung des konzernrechtlich Haftungsansatz
Die GmbH ist aufgrund ihrer Organisations- und Finanzverfassung – insbesondere aufgrund der Weisungsgebundenheit der Geschäftsführung –prädestiniert für die Einbindung in Abhängigkeits- bzw. Konzernverhältnisse. In Abhängigkeits- bzw. Konzernverhältnissen besteht die besondere Gefahr, dass die Gesellschaft für Konzernzwecke zu ihrem eigenen Nachteil – und damit letztlich dem ihrer Gläubiger – verwendet wird. Deswegen stellte sich die Frage nach einem angemessenen Gläubigerschutz insbesondere im GmbH- Konzern. Ein Versuch, Lücken im Gläubigerschutz bei der GmbH zu schließen, erfolgte mit der Entwicklung eines konzernrechtlichen Haftungstatbestandes, der sich unter der Bezeichnung „qualifiziert faktischer Konzern“ in der Rechtsprechung des BGH etablierte, Begriff der bis heute noch als eines der wichtigsten Diskussionsthemen des GmbH-Rechts angesehen wird. Darunter versteht man, hier vereinfacht erklärt, eine Situation zwischen Gesellschaften (bzw. GmbHs) wenn eine von der anderen abhängig ist, ohne dass ein Beherrschungsvertrag besteht und wenn die Geschäfte der abhängigen GmbH dauernd und umfassend von der „leitenden“ Gesellschaft geführt werden.
I. EINLEITUNG: Darstellung der wirtschaftlichen Bedeutung der Haftungsbeschränkung und der daraus resultierenden Problematik für den Gläubigerschutz im europäischen Binnenmarkt.
II. UNZUREICHENDER GLÄUBIGERSCHUTZ GEGEN EXISTENZVERNICHTENDEN EINGRIFFE: Analyse der Schwächen des Kapitalsicherungssystems (§§ 30, 31 GmbHG) und der Delikthaftung (§ 826 BGB) bei existenzvernichtenden Eingriffen.
III. HYPOTHESEN DES DURCHGRIFFS: Diskussion der klassischen Fallgruppen wie Unterkapitalisierung, Vermögensvermischung und Institutsmissbrauch als Ansatzpunkte für eine Durchgriffshaftung.
IV. VOM QUALIFIZIERT FAKTISCHEN KONZERN ZUM BESTANDSCHUTZ: Nachzeichnung der Rechtsprechungsentwicklung des BGH weg von der konzernrechtlichen Strukturhaftung hin zu einem eigenständigen Bestandsschutzmodell.
V. EXISTENZVERNICHTUNGSHAFTUNG ALS NEUES HAFTUNGSMODELL: Vertiefte Untersuchung der dogmatischen Grundlagen des neuen Modells, seiner Tatbestandsvoraussetzungen sowie der Rechtsfolgen für die Gesellschafterhaftung.
VI. DURCHGRIFFSHAFTUNG IN FRANKREICH: Rechtsvergleichende Darstellung der französischen Mechanismen zur Durchbrechung des Trennungsprinzips, insbesondere durch Simulationslehre und Geschäftsführerhaftung.
VII. BEWERTUNG DES NEUEN HAFTUNGSMODELLS: Ökonomische Evaluation des Haftungskonzepts und Ausblick auf die Anwendbarkeit im Kontext europäischer Niederlassungsfreiheit.
VIII. SCHLUSSWORT: Fazit zur äquivalenten Wirkung unterschiedlicher Haftungssysteme beim Schutz gegen existenzvernichtende Eingriffe.
Existenzvernichtungshaftung, GmbH, Gesellschafterhaftung, Gläubigerschutz, Durchgriffshaftung, Kapitalerhaltung, Bremer Vulkan, Konzernrecht, Missbrauchslehre, Treuepflicht, Insolvenzrecht, Rechtsvergleich, Frankreich, Niederlassungsfreiheit, Existenzschutz
Die Arbeit behandelt die persönliche Haftung von GmbH-Gesellschaftern für existenzvernichtende Eingriffe, die das Gesellschaftsvermögen derart schädigen, dass die Gesellschaft ihren Verbindlichkeiten nicht mehr nachkommen kann.
Die Themenfelder umfassen die Dogmatik der Durchgriffshaftung, die Entwicklung der BGH-Rechtsprechung zum Konzernrecht und Bestandsschutz sowie den Rechtsvergleich mit dem französischen Gesellschaftsrecht.
Das Ziel ist die dogmatische Einordnung und Begründung des neuen Haftungsmodells der Existenzvernichtungshaftung nach der Abkehr des BGH von der bisherigen Konzernhaftung.
Die Arbeit nutzt die juristische Methodenlehre, insbesondere die teleologische Interpretation und eine rechtsvergleichende Analyse des deutschen und französischen Rechts.
Der Hauptteil analysiert die historischen und aktuellen Haftungsmodelle (z.B. Autokran, TBB, Bremer Vulkan), die Tatbestandsvoraussetzungen für die neue Haftung sowie die Parallelen und Unterschiede zum französischen Institut des "dirigeant de fait".
Wichtige Begriffe sind Existenzvernichtungshaftung, Durchgriffshaftung, Gläubigerschutz, Kapitalerhaltung, Missbrauch der Rechtsform und Bremer Vulkan-Urteil.
Im Gegensatz zur alten Strukturhaftung im Konzern, die auf konzernspezifischen Abhängigkeitsverhältnissen basierte, stellt die Existenzvernichtungshaftung auf den objektiven Missbrauch der Rechtsform und die Verletzung des Bestandsschutzes der Gesellschaft ab.
Nach der EuGH-Rechtsprechung zur Niederlassungsfreiheit können nationale Gerichte inländische Missbrauchsgrundsätze anwenden, sofern diese verhältnismäßig sind, was eine Anwendung der Existenzvernichtungshaftung auch bei "pseudo-foreign companies" unter bestimmten Voraussetzungen ermöglicht.
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