Masterarbeit, 2018
139 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Grundlegende Definition und Abgrenzung des Forschungsinteresses
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Arten von Interviewerfälschung
2.3 Fokus dieser Arbeit
3. Verortung von Interviewerfälschung im Framework des Total Survey Error
4. Forschungsstand
4.1 Ausmaß und Folgen von Fälschungen
4.2 Interviewer-Charakteristika und weitere Faktoren
4.3 Datenquellen und Verfahren zur Aufdeckung von Fälschungen
5. Theoretischer Hintergrund
5.1 Warum Fälschen Interviewer?
5.2 Wie unterscheiden sich Fälschungen von echten Interviews?
6. Durchführung der Fälschungsstudie
6.1 Forschungsdesign und methodisches Vorgehen
6.2 Datenbasis ALLBUS 2016
6.3 Fragebogen für „Fälscher“
6.4 Ziehung der Fälschungsstichprobe und zur Verfügung gestellte Informationen
6.5 Studienteilnehmer und -Unterlagen
6.6 Pretest und Datenerhebung
7. Generierung der Fälschungsindikatoren
8. Ergebnisse
8.1 Angewandte statistische Tests auf Gruppenunterschiede
8.2 Deskriptive Analyse und Betrachtung von Gruppenunterschieden
8.3 Hypothesentests (logistische Regression)
8.3.1 Testung der Modellannahmen und Art der Effektinterpretation
8.3.2 Ergebnisse der logistischen Regression
8.4 Clusteranalytische Bestimmung der „at risk“-Interviewer
8.4.1 Vorstellung der angewandten Verfahren und Prüfung der Voraussetzungen
8.4.2 Durchführung der Clusteranalyse
8.5 Quantifizierung des Verzerrungspotentials (Studienreplikation)
9. Zusammenfassung und Diskussion
Das Hauptziel der Arbeit besteht darin, statistische Methoden und quantitative Indikatoren zu evaluieren, um Interviewer, die mit erhöhter Wahrscheinlichkeit Interviews (teilweise) gefälscht haben („at risk“-Interviewer), zuverlässig von ehrlichen Interviewern zu unterscheiden und das resultierende Verzerrungspotential zu quantifizieren.
2.1 Begriffsdefinition
Unter dem Begriff der Interviewerfälschung (engl. interviewer cheating (Finn und Ranchhod 2017: 130; Schräpler 2010: 2) können eine Vielzahl an verschiedenen, von den Interviewer Anweisungen abweichenden, Verhaltensweisen verstanden werden. Die American Association for Public Opinion Research (AAPOR), die führende Organisation für Demoskopie und Umfrageforschung in den USA, definiert Interviewerfälschung folgendermaßen:
„´Interviewer falsification´ means the intentional departure from the designed interviewer guidelines or instructions, unreported by the interviewer, which could result in the contamination of data. ´Intentional´ means that the interviewer is aware that the action deviates from the guidelines and instructions.“ (AAPOR 2003: 1).
Damit eine Interviewerfälschung vorliegt, müssen nach diesem Verständnis also zunächst einmal drei Bedingungen erfüllt sein: (1) Die Fälschung muss von einem Interviewer ausgehen. Auch wenn dies trivial erscheinen mag, ist es wichtig, hier eine klare Grenze zu ziehen. „Schummeleien“ durch andere Angestellte, die sich beispielsweise in Form einer Imputation fehlender Werte bzw. einer Duplikation ganzer Fälle durch Projektmitarbeiter oder Vorgesetzte äußern kann (Kuriakose und Robbins 2016: 283 f.; Blasius und Thiessen 2015: 480 f., 482, 489 f.; Blasius und Thiessen 2012: 67), fallen somit explizit nicht darunter (AAPOR 2003: 2). (2) Der Interviewer muss sich über seine Abweichung von den Anweisungen bzw. Regeln bewusst sein. Dies ist auf jeden Fall immer dann der Fall, wenn Daten bereits mit Vorsatz gefälscht werden. Unabsichtliche Fehler, z. B. aufgrund von Missverständnissen oder einer versehentlichen Auswahl der falschen Zielperson/Antwortkategorie, sind daher erst einmal nicht als Fälschung anzusehen.
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet das Problem der Interviewerfälschung in sozialwissenschaftlichen Umfragen und setzt den Fokus auf die Identifikation von „at risk“-Interviewern bei Teilfälschungen.
2. Grundlegende Definition und Abgrenzung des Forschungsinteresses: Hier wird der Begriff der Interviewerfälschung definiert, verschiedene Formen wie Total- und Teilfälschungen abgegrenzt und der spezifische Fokus der Arbeit festgelegt.
3. Verortung von Interviewerfälschung im Framework des Total Survey Error: Dieses Kapitel verortet das Phänomen der Interviewerfälschung theoretisch innerhalb des Total Survey Error Frameworks als eine Form des Measurement-Fehlers.
4. Forschungsstand: Es wird ein Überblick über das Ausmaß, die Folgen von Fälschungen sowie bekannte Einflussfaktoren und bestehende Aufdeckungsverfahren gegeben.
5. Theoretischer Hintergrund: Auf Basis der Anomie-Theorie und der Rational Choice Theory werden Erklärungsansätze für das Zustandekommen von Fälschungen erarbeitet und Hypothesen abgeleitet.
6. Durchführung der Fälschungsstudie: Das methodische Vorgehen bei der experimentellen Datenerhebung, basierend auf dem ALLBUS-Datensatz, wird detailliert beschrieben.
7. Generierung der Fälschungsindikatoren: Hier wird die Operationalisierung der acht untersuchten Fälschungsindikatoren, wie z.B. Filter-Ratio oder Item-Nonresponse-Ratio, dargelegt.
8. Ergebnisse: Die Ergebnisse der deskriptiven Analysen, der logistischen Regressionsmodelle und der Clusteranalysen werden präsentiert und interpretiert.
9. Zusammenfassung und Diskussion: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse sowie einer kritischen Reflexion der methodischen Limitationen und des Verzerrungspotentials.
Interviewerfälschung, Teilfälschung, Survey-Methodologie, Total Survey Error, Datenqualität, Anomie-Theorie, Rational Choice Theory, ALLBUS, Indikatoren, Clusteranalyse, logistische Regression, Measurement Bias, Satisficing, Validität, Studienreplikation.
Die Masterarbeit beschäftigt sich mit dem Problem der bewussten Datenmanipulation durch Interviewer in sozialwissenschaftlichen Umfragen und untersucht, wie diese durch statistische Methoden aufgedeckt werden können.
Die Arbeit fokussiert sich auf die Unterscheidung von Total- und Teilfälschungen, die theoretischen Ursachen für solches Verhalten sowie die Entwicklung und Testung quantitativer Indikatoren zur Identifizierung verdächtiger Interviewer.
Das primäre Ziel ist es, eine Gruppe von „at risk“-Interviewern zuverlässig zu bestimmen, um zielgerichtetere Qualitätskontrollen zu ermöglichen und das Verzerrungspotential in den Umfragedaten zu quantifizieren.
Der Autor führt eine experimentelle Fälschungsstudie auf Basis von ALLBUS 2016-Daten durch und wendet anschließend deskriptive Analysen, logistische Regressionsmodelle sowie verschiedene Clusteranalysen (z.B. Average-Linkage) an.
Der Hauptteil umfasst die theoretische Herleitung von Hypothesen, die detaillierte Beschreibung des Forschungsdesigns der experimentellen Fälschungsstudie sowie die umfassende statistische Auswertung und Diskussion der Ergebnisse.
Wichtige Begriffe sind Interviewerfälschung, Survey-Methodologie, Total Survey Error, logistische Regression, Clusteranalyse, Datenmanipulation und Verzerrungspotential.
Die logistische Regression erfordert a priori Kenntnis darüber, welcher Interviewer gefälscht hat, während die Clusteranalyse als methodisches Instrument dient, um verdächtige Interviewer ohne vorherige Kenntnis ihres Fälschungsstatus automatisiert zu identifizieren.
Teilfälschungen sind schwieriger zu entlarven als Totalfälschungen, da der Interviewer hierbei tatsächlich Kontakt mit der Zielperson hatte und zumindest einen Teil der Fragen korrekt erhoben hat.
Das Konzept des Satisficing dient als theoretischer Rahmen: Man vermutet, dass Fälscher bei bestimmten Fragen kognitiven Aufwand sparen wollen, dies aber unter der Maßgabe tun, nicht durch zu auffälliges Verhalten entdeckt zu werden.
Die Clusteranalysen bestätigen die allgemeine Eignung und Nützlichkeit dieser Verfahren zur Identifikation von Risikogruppen; die gewählte Variante hat jedoch einen signifikanten Einfluss auf die Balance zwischen korrekt entdeckten Fälschern und Fehlalarmen.
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