Bachelorarbeit, 2018
50 Seiten, Note: 2,3
I. Gesellschaftliche Relevanz
II. Theoretische Rahmung
2.1. Stereotypisierung
2.2. Gesellschaftliche Sozialisation
2.3. Geschlechtsspezifische Sozialisation und Stereotype
2.4. Wirtschaftliche und politische Maßnahmen
III. Entwicklung des weiblichen Rollen- und Mutterbildes
3.1. Traditionelles Rollenverhältnis
3.2. Modernes Rollenverhältnis
3.3. Sozialer Wandel von Familie
IV. Die moderne Mutter
4.1. Wandel von Elternschaft und Kindheit
4.2. Rückblick: Die ‚gute‘ Mutter
4.3. Institutionelle Absicherung von Müttern
V. Auswirkungen der familienpolitischen und theoretischen Faktoren auf die Mutterrolle
VI. Schlussfolgerung und Beantwortung der Forschungsfrage
Die Arbeit untersucht die gesellschaftliche Bedeutung der Mutterrolle in Deutschland unter dem Einfluss von familienpolitischer Sozialisation und gesellschaftlichen Erwartungen. Im Zentrum steht die Analyse des Spannungsfeldes, in dem sich moderne Mütter zwischen dem Wunsch nach beruflicher Selbstverwirklichung und dem tradierten Ideal der "guten Mutter" bewegen.
3.1. Traditionelles Rollenverhältnis
Mit dem Übergang zur bürgerlichen Familie lag der Erziehungsauftrag nicht mehr ausschließlich beim Hausvater und die Betreuung wurde nicht mehr ausschließlich von den Geschwistern, dem Gesinde, den Dienstboten und den Ammen übernommen. In adeligen Familienverhältnissen war die Betreuung auch durch Internate und Pensionate üblich. Mütter bekamen zunehmend Erziehungsaufgaben für ihre Kinder übertragen, sodass ihre Verantwortung nun über die Stillzeit hinausging. Neben den bisher einzigen Aufgaben, für das gesundheitliche Wohl und die Pflege des Kindes zu sorgen, wurde die Mutter nun zur Hauptansprechpartnerin in der allgemeinen Sorge um ihr Kind. Erst im 19. Jahrhundert entstand eine neue Qualität der Mutter-Kind-Beziehung, welche sich vor dem Hintergrund eines propagierten emotional intimisierten Geschlechter- und Mutter-Kind-Verhältnisses im kulturellen Denkhorizont verankerte.
In dieser Zeit wird die ‚Natur des Kindes‘ erfunden. Hierzu gehören zum einen die Vorstellungen Pestalozzis und Fröbels zur mütterlichen Ausbildung und zum anderen die Vorstellungen der Ärzte über Disziplinen der Schwangerenbehandlung, Geburtskunde und Kinderheilkunde. Ammen und Kinderkrankenpfleger werden in ihrer Position zunehmend abgewertet, da sich nun ausschließlich Mütter um die Sorge des kindlichen Wohls zu kümmern hatten. Die neuen Anforderungen beinhalteten, dass Kinder verstärkt als Ressource für die Bevölkerung angesehen wurden. Damit etablierte sich ein neues normatives Selbstverständnis der Mutter, die, begründet durch ihr Geschlecht, für die Fürsorge ihrer Kinder, ihres Ehemannes und das Heim zuständig sein sollte. Das Frausein sollte nun mit Mütterlichkeit gleichgesetzt werden und wurde im 20. Jahrhundert inhaltlich weiter ausdifferenziert.
I. Gesellschaftliche Relevanz: Einführung in die widersprüchlichen gesellschaftlichen Erwartungen an moderne Mütter und Formulierung der Forschungsfrage.
II. Theoretische Rahmung: Darstellung soziologischer Konzepte wie Stereotypisierung und Sozialisation, um gesellschaftliche Erwartungen und Rollenbilder erklärbar zu machen.
III. Entwicklung des weiblichen Rollen- und Mutterbildes: Historischer Rückblick auf den Wandel von der patriarchalischen Hausgemeinschaft hin zur modernen Familie.
IV. Die moderne Mutter: Analyse des modernen Mutterbildes sowie der Auswirkungen veränderter Kindheitsvorstellungen und staatlicher Absicherung.
V. Auswirkungen der familienpolitischen und theoretischen Faktoren auf die Mutterrolle: Zusammenführung der theoretischen und politischen Faktoren zur Beantwortung der Forschungsfrage hinsichtlich der heutigen Mutterrolle.
VI. Schlussfolgerung und Beantwortung der Forschungsfrage: Resümee über das Spannungsfeld zwischen Beruf und Familie sowie die Bedeutung des gesellschaftlichen Drucks auf Mütter.
Mutterrolle, Sozialisation, Geschlechterstereotype, Familienpolitik, Vereinbarkeit, Mutterschutz, Elternzeit, Erwerbstätigkeit, Rollenbild, Gender-Pay-Gap, Kindheit, Lebenszufriedenheit, Tradition, Moderne, Gesellschaftsform.
Die Arbeit analysiert die gesellschaftliche Bedeutung der Mutterrolle in Deutschland und untersucht, wie staatliche familienpolitische Maßnahmen und soziologische Sozialisationsprozesse diese Rolle prägen.
Die Arbeit fokussiert auf die historische Entwicklung des Mutterbildes, theoretische Konzepte wie Gender-Stereotype sowie die Auswirkungen staatlicher Förderungen wie Elterngeld und Mutterschutz auf die Lebensrealität von Müttern.
Ziel ist es, die Auswirkungen der familienpolitischen Sozialisation auf moderne Mütter in Deutschland zu identifizieren und aufzuzeigen, welche Erwartungen und Anforderungen gesellschaftlich an sie gestellt werden.
Die Arbeit stützt sich primär auf die Rollentheorie nach Eagly, das Stereotypinhaltsmodell nach Fiske sowie Butler’s Konzept der "Heterosexuellen Matrix", ergänzt durch aktuelle familienpolitische Studien.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, einen historischen Abriss zum Rollenwandel und eine detaillierte Analyse familienpolitischer Maßnahmen sowie deren Einfluss auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Es wird aufgezeigt, dass Mütter heute in einem Spannungsfeld zwischen ökonomischer Notwendigkeit zur Erwerbsarbeit und der gesellschaftlich verankerten Erwartung hoher Zuwendungsbereitschaft ("gute Mutter") stehen.
Staatliche Maßnahmen wie das Ehegatten-Splitting oder geringfügige Beschäftigungsverhältnisse können unbewusst dazu beitragen, traditionelle Rollenmuster zu stabilisieren, da sie finanzielle Anreize für Mütter setzen, die Hauptverantwortung für die Kindererziehung zu übernehmen.
Die Arbeit verweist auf Studien von Prof. Dr. Martin Schröder, die nahelegen, dass die Lebenszufriedenheit von Paaren steigt, wenn sie traditionelle Arbeitszeitmodelle wählen, was zur sogenannten "Retraditionalisierung" bei der Familiengründung beitragen kann.
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