Bachelorarbeit, 2016
70 Seiten, Note: 1,5
1 Vorbemerkung
1.1 Fragestellung
1.2 Datenmaterial
1.3 Vorgehensweise
2 Unterrichtstypische Handlungsmuster
2.1 Sprachliche Handlungsmuster als gesellschaftlich ausgearbeitete Formen des Handelns
2.2 Institutionen als Ensembles von Formen gesellschaftlicher Praxis
2.3 Das Aufgabe-Lösungs-Muster
2.4 Die Frage und das gemeinsame Wissen
2.5 Der Lehrervortrag mit verteilten Rollen
2.6 Das „illokutive Paradoxon des Fremdsprachenunterrichtes“
3 Unterrichtstypische Handlungsmuster- am Beispiel verschiedener Unterrichtsdiskurse
3.1 Transkript 1: „Lösungen abliefern“
3.2 Transkript 2: „Lösungen abliefern“
3.3 Transkript 3: „Die fehlende Bestätigung der TN“
3.4 Transkript 4: „Die fehlende Bestätigung der TN“
3.5 Transkript 5: „Das Schweigen“
4 Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit analysiert Unterrichtsdiskurse in Deutsch als Fremdsprachenkursen hinsichtlich des sprachlichen Handlungsmusters „Aufgabe-Stellen/Aufgabe-Lösen“, um zu untersuchen, ob diese tatsächlich dem idealtypischen Gesprächsverlauf nach Ehlich und Rehbein folgen.
2.3. Das Aufgabe-Lösungs-Muster
Das „Aufgabe-Lösungs-Muster“ (Ehlich/Rehbein 1986) wird, wie bereits beschrieben worden ist, häufig im schulischen Diskurs verwendet und ist für die Institution Schule „spezifisch“ (Brünner 2005: 182). Das „Aufgabe-Lösungs-Muster“ dient dem „Kenntniserwerb, den die Schule als ihren institutionellen Zweck verfolgt“, indem der „Lernstoff“ so an die TN herangetragen wird, dass die TN „das fehlende Wissen bzw. die Lösung selbst finden“ sollen und „mentale Tätigkeiten“ bei ihnen „initiiert werden“ (ebd.).
Ehlich und Rehbein teilen die Elemente des „Aufgabe-Lösungs-Musters“ zunächst auf zwei Aktantengruppen auf: „diejenigen, die die Aufgabe stellen, und diejenigen, die die Aufgabe lösen“ (Ehlich/Rehbein 1986: 14). Der kollektive Prozess des Problemlösens werde also dissoziiert, d. h. seine Teile würden auf verschiedene mögliche Handelnde umgelegt werden: den „Aufgabensteller“, im schulischen Diskurs die LK, und den „Aufgabenlöser“ (ebd.), die TN. Dabei verfüge der „Aufgabensteller“ über die „Problemkonstellation, die Zielsetzung, die sinnvolle (d. h. problemrelevante) Zerlegung der Problematik, die Lösung [und] die Lösungswege“ (ebd.). Die LK als „Aufgabensteller“ unterscheidet sich von den TN, weil sie keine Pläne mehr ausbilden muss, um zur „Lösung“ zu gelangen, weil sie bereits über diese Pläne verfügt. Darüber hinaus braucht die LK „keine Probehandlungen für Teilprobleme“ und auch „keine Prozesse der konkreten Negation auszuführen“ (ebd.: 15). All diese genannten Prozesse, genauso wie die beiden Punkte „Planbildung und Probehandlung fallen [beim „Aufgabe-Lösungs-Muster“ für die LK] weg“ (ebd.). Nach Ehlich und Rehbein sei dies der Ausdruck für einen „Praxisverlust, der das Aufgabe-Lösungs-Muster gegenüber dem Problemlösungsmuster kennzeichnet“ (ebd.).
1. Vorbemerkung: Einführung in die Zielsetzung der Arbeit, das verwendete Datenmaterial aus verschiedenen Sprachkursen sowie die angewandte methodische Vorgehensweise.
2. Unterrichtstypische Handlungsmuster: Theoretische Herleitung zentraler Konzepte wie dem „Aufgabe-Lösungs-Muster“, der „Regiefrage“ und dem „illokutiven Paradoxon“.
3. Unterrichtstypische Handlungsmuster- am Beispiel verschiedener Unterrichtsdiskurse: Praktische Analyse von fünf Transkripten, die zeigen, wie Lehrkräfte und Teilnehmende in verschiedenen Unterrichtssituationen agieren.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, die bestätigt, dass das „Aufgabe-Lösungs-Muster“ trotz unterschiedlicher Motivation der Teilnehmenden das prägende Interaktionsschema bleibt.
Aufgabe-Lösungs-Muster, Fremdsprachenunterricht, Unterrichtsdiskurs, Regiefrage, Lehrervortrag mit verteilten Rollen, illokutives Paradoxon, Aufgabensteller, Aufgabenlöser, HIAT, Sprachliche Handlungsmuster, Institution Schule, Kommunikation, Wissensdomäne, Lehrkraft, Teilnehmer.
Die Arbeit untersucht, wie sprachliche Handlungsmuster, insbesondere das „Aufgabe-Lösungs-Muster“, in Deutsch als Fremdsprachenkursen Anwendung finden und ob die Unterrichtspraxis dem theoretischen Ideal entspricht.
Die zentralen Themen sind schulische Kommunikation, die Interaktion zwischen Lehrkraft und Teilnehmenden sowie die Analyse von Sprachlehrprozessen anhand von Transkriptionen.
Das Ziel ist die empirische Überprüfung, inwieweit Unterrichtsdiskurse den Mustern folgen, die Konrad Ehlich und Jochen Rehbein zur schulischen Kommunikation definiert haben.
Es wird die funktional-pragmatische Diskursanalyse nach Ehlich und Rehbein genutzt, wobei die Transkripte nach dem „Halbinterpretativen Arbeitstranskriptionssystem“ (HIAT) ausgewertet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung unterrichtstypischer Muster und eine detaillierte Analyse von fünf konkreten Transkripten aus verschiedenen Sprachkursen.
Begriffe wie „Aufgabensteller“, „Aufgabenlöser“, „Regiefrage“, „Lösungsversuch“ und das „illokutive Paradoxon“ sind zentral für das Verständnis der Untersuchung.
Es beschreibt den Widerspruch, dass im Unterricht oft nicht zur wirklichen Informationsgewinnung gefragt wird, sondern um bereits bekanntes Wissen mittels neuer sprachlicher Mittel abzufragen, was die Interaktion verändert.
Das Schweigen wird als Ausdruck mangelnder Motivation oder Unsicherheit gedeutet, was dazu führt, dass die Lehrkraft den Unterricht stärker steuern muss, statt einen lebendigen Dialog zu führen.
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