Bachelorarbeit, 2014
42 Seiten, Note: 1,7
1 Begrenzung der Frau durch biologische Inferiorität
2 Definition der Organisierten Kriminalität
3 Die Welt der Organisierten Kriminalität
3.1 Kampf gegen Fremdherrschaft
3.2 Die Kodizes mafiöser Organisationen
4 Die Rolle der Frau in der Organisierten Kriminalität
4.1 Die Frau als konstitutive Institution
4.1.1 Unantastbarkeit der Mutter
4.1.2 Machtvergrößerung durch Hochzeitspolitik
4.1.3 Sexualität zur Imagesteigerung
4.1.4 Die Frau als ausführendes Instrument
4.1.5 Der Mythos der Mafiapatin
4.2 Die Frau als subversive Institution
4.2.1 Frau als Aussteigerin
4.2.2 Kampf gegen die Mafia
5 Unterschätzung der Relevanz der Frau
6 Ohne Frauen keine Mafia
Die Arbeit untersucht die tatsächliche Rolle von Frauen innerhalb der italienischen Mafia und der chinesischen Triaden, um das weit verbreitete Vorurteil zu widerlegen, sie seien lediglich unbeteiligte Randfiguren. Ziel ist es, das Machtpotenzial und die unterschiedlichen Funktionen von Frauen in diesen kriminellen Organisationen sowie ihre Bedeutung im zivilen Widerstand zu analysieren.
4.1.1 Unantastbarkeit der Mutter
„Die einzige Frau, die für einen Mafioso wirklich zählt, ist die Mutter seiner Kinder, alle anderen Frauen sind für ihn Nutten."32 Die Rolle der Mutter ist in den Organisationen von enormer Bedeutung. Typisch ist hierbei die Unterscheidung zwischen der Figur der heiligen Mutter auf der einen, und der Hure auf der anderen Seite. Frauen gelten als biologischer Kern der Gruppe, der kulturelle und geistige Werte an die nächste Generation weitergibt. Die Erziehung der Nachkommen fällt in den Aufgabenbereich der Frau. So werden die Ideologien und Normen der Organisierten Kriminalität oftmals schon mit der Muttermilch eingeflößt.33 Die Mutter gilt als Erzieherin und Gedächtnis der individuellen und familiären Erinnerung.34
Die Mutter-Sohn-Beziehung kennzeichnet sich in der italienischen Mafia durch die Vorstellung der naturgegebenen Geschlechterungleichheit. Mütter erziehen ihre Söhne in dem Glauben, Frauen seien minderwertig und bestärken ihre Nachkömmlinge in der Ausübung ihrer Männlichkeit.35 Die Töchter lernen stattdessen Verschwiegenheit und Gehorsam. Vor allem die mediale Präsenz hat die Rolle der Mutter in den vergangenen Jahrzehnten weiter erhöht. Steht der eigene Sohn vor Gericht, wird die Mutterliebe als Beweis für die Unschuld des Kindes angeführt. Die Mafia-Mutter bedeckt ihr Haupt mit schwarzen Tüchern und zieht mit Wehklagen und Unschuldsbeteuerungen durch die Straßen und wird dabei von zahlreichen Kameras begleitet. In Sizilien ist die Mutter-Sohn-Beziehung heilig: „Mammismo" bezeichnet im Italienischen das einzigartige Verhältnis zwischen Mutter und Sohn. Aus dieser besonderen Beziehung entspringt der Glaube vieler Sizilianer, dass die Liebe einer Mutter ihren Sohn von jedem Verbrechen reinwäscht. Derjenige, der den Sohn dennoch verurteilt, greift das sakrosankte Band der Mutterliebe an und widersetzt sich dem göttlichen Willen.36 Durch die traditionelle Schwäche des italienischen Staates und dem generellen Misstrauen in das Justizwesen, sind auf diese Art schon zahlreiche Angeklagte freigesprochen worden.
1 Begrenzung der Frau durch biologische Inferiorität: Einleitung in die wissenschaftliche Fehleinschätzung, dass Frauen aufgrund vermeintlicher biologischer Schwäche keine Rolle in der Organisierten Kriminalität spielen würden.
2 Definition der Organisierten Kriminalität: Theoretische Abgrenzung und Definition des Begriffs sowie Erläuterung der Strukturen krimineller Gruppierungen.
3 Die Welt der Organisierten Kriminalität: Geschichtlicher Rückblick auf die Entstehung der italienischen Mafia und der chinesischen Triaden im Kontext von Fremdherrschaft und Ehrenkodizes.
4 Die Rolle der Frau in der Organisierten Kriminalität: Detaillierte Untersuchung der Funktionen der Frau innerhalb der Organisationen, unterteilt in konstitutive und subversive Institutionen.
5 Unterschätzung der Relevanz der Frau: Zusammenführende Analyse, warum die Rolle der Frau bisher systematisch unterschätzt wurde und wie sie tatsächlich den Bestand dieser Organisationen sichert.
6 Ohne Frauen keine Mafia: Fazit, das die zentrale Bedeutung der Frau als moralische und praktische Stütze der kriminellen Strukturen betont.
Organisierte Kriminalität, Mafia, Triaden, Frauenrolle, Mutterfigur, Ehrenkodex, Vendetta, Drogenhandel, Aussteigerinnen, Widerstand, Geschlechterrollen, Konfuzianismus, Machtstrukturen, Kriminalitätssoziologie.
Die Bachelorarbeit untersucht die bisher kaum erforschte Rolle der Frau in zwei spezifischen kriminellen Systemen: der italienischen Mafia und den chinesischen Triaden.
Die Themen umfassen die soziologische Rolle der Frau, die Auswirkungen von Ehrenkodizes, die Involvierung von Frauen in kriminelle Aktivitäten sowie ihr Engagement in zivilen Anti-Mafia-Bewegungen.
Die Arbeit fragt danach, welche Rolle Frauen in mafiösen Strukturen tatsächlich einnehmen – ob als passive Untergebene oder als aktive, für den Fortbestand der Organisation notwendige Akteure – und inwiefern sie sich emanzipieren können.
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die durch die Auswertung von Fallbeispielen und die Gegenüberstellung soziologischer Theorien mit der realen Situation von Frauen in Mafia und Triaden erfolgt.
Der Hauptteil analysiert die Frau als „konstitutive Institution“ innerhalb der Familie und Organisation sowie als „subversive Institution“, die durch den Ausstieg oder zivilen Protest das Potenzial hat, die Organisation zu schwächen.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Organisierte Kriminalität, Mafia, Triaden, Frauenrolle, Ehrenkodex und ziviler Widerstand.
Während die Mafia Frauen eher als „Besitz“ oder rein familiäre Stütze formal ausschließt, sind Frauen in den Triaden häufiger aktiv in die Hierarchien integriert und genießen dort eine höhere Gleichstellung.
Dies lässt sich primär auf die unterschiedlichen politischen Systeme zurückführen: Während in Italien eine demokratische Zivilgesellschaft existiert, unterdrückt das autoritäre Regime in China jegliche Proteste und Versammlungsfreiheit.
Die Mutter ist in beiden Systemen die Hüterin der kulturellen und organisatorischen Werte und maßgeblich für die Sozialisation der nächsten Generation verantwortlich.
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