Masterarbeit, 2014
79 Seiten
0. Einleitung
1. Zwei Beispiele aktueller Verfallsdiagnosen und der Sinn des Sprachspiels narzisstischer Pathologie
1.1 H.-J. Maaz: „Der Lilith-Komplex“ und „Die Narzisstische Gesellschaft“
1.2 P. V. Zima: „Narzissmus und Ichideal“
1.3 Erste Beurteilung und zentrale Begriffe der Beiträge von Maaz und Zima
1.4 Psychoanalytische Narzissmus-Theorien
1.4.1 'Narzissmus' – Begriffsdefinitionen
1.4.2 'Primärer' und 'sekundärer' Narzissmus
1.4.3 Zur narzisstischen Pathologie
1.4.4 Narzissmus in der Adoleszenz und im mittleren Lebensalter
1.4.5 Narzissmus aus der Perspektive von Struktur und Wandel der psychischen Struktur
1.5 Eine psychoanalytisch fundierte Kritik der Beiträge von Maaz und Zima
1.5.1 Falsche Mütterlichkeit und pathologischer Narzsissmus (Maaz)
1.5.2 Narzissmus und „echte“ Subjektivität (Zima)
1.5.2.1 Narzissmus als Bewusstseinstyp
1.5.2.2 Ich-Ideal und Ideal-Ich
1.5.2.3 Subjektivität und Narzissmus: ein dialogisches Modell
1.5.2.4 Narzissmus als Kompensation für den Verlust individueller Autonomie
1.5.2.5 Abschließende Beurteilung von „Narzissmus und Ichideal“ unter dem Fokus von Subjektivität und Beziehungserfahrung
1.6 Fazit: Narzissmus und Gesellschaftskritik
1.6.1 Verschiedene psychoanalytische Grundannahmen von 'Narzissmus'
1.6.2 Narzisstische Individualpathologien und narzisstische Gesellschaftspathologie (Maaz)
1.6.3 Argumentativer Brückenschlag vom Niedergang der Werte zum Niedergang von individueller Subjektivität (Zima)
1.7 Diskursanalytische Ergänzungen nach A. Ehrenberg
1.7.1 'Narzissmus' als Sprachspiel zeitgenössischer demokratischer Gesellschaft
1.7.2 'Narzissmus' und die Sorge um den Niedergang republikanischer Werte (Frankreich)
1.7.3 'Narzissmus' und die Rückbesinnung auf den Wert individueller Verantwortung (USA)
1.7.4 'Narzissmus' als Sprachspiel – Fazit und Kritik
1.7.5 Abschließende Beurteilungen der Beiträge von Maaz und Zima unter besonderer Berücksichtigung von '(individueller) Autonomie' und '(gesellschaftlicher) Heteronomie' (nach Ehrenberg)
1.7.5.1 Abschließende Beurteilung von „Lilith-Komplex“ und „Die narzisstische Gesellschaft“ (Maaz)
1.7.5.2 Abschließende Beurteilung von „Narzissmus und Ich-ideal“ (Zima)
1.8 Abschließender Kommentar zur Eignung des psychoanalytischen Narzissmus-Begriffs für zeitgenössische Gesellschaftskritik
2. Dornes' „Modernisierung der Seele“
2.1 Theoretische Grundannahmen und empirische Befunde zu verbessertern Etern-Kind Beziehungen der Gegenwart – Darstellung und Kritik
2.2 Zu Dornes' These einer Erleichterung adoleszenter Konflikte
2.3 Dornes' These einer „Verflüssigung“ der psychischen Struktur – Psychische Widerstandsfähigkeit versus Regression
2.4 Dornes' Kritik an gesellschaftlichen Verfallsdiagnosen
2.4.1 Allgemeine Kritik im Sinne gestiegener Problemsensibilität
2.4.2 Spezifische Kritik an generalisierenden Diagnosen narzisstischer Pathologie
2.5 Methodenkritik – zur Reichweite der von Dornes rezipierten Befunde und zu dem Problem begrifflicher Unschärfen
2.6 Dornes' Strukturwandlungsthese - Darstellung und Kritik
3. Narzissmus, „echte“ Subjektivität und die Errettung des (postmodernen) Subjekts?
4. Schluss
Die Arbeit analysiert kritisch aktuelle gesellschaftliche „Verfallsdiagnosen“ in der modernen Jugendforschung, insbesondere mit Blick auf den Narzissmus-Begriff. Ziel ist es, die Verknüpfung von psychoanalytischen Theorien mit gesellschaftskritischen Thesen zu untersuchen, deren methodische Fundierung zu hinterfragen und die Auswirkungen dieser Diagnosen auf das Verständnis von Subjektivität und Autonomie zu beurteilen.
1.4.1 'Narzissmus' – Begriffsdefinitionen
Zur Einführung in die psychoanalytische Perspektive führt kein Weg an deren bekannten Begründer vorbei, der Vorstellungen über den psychischen Apparat und über psychische Grunddynamiken entscheidend geprägt hat. Vergeblich suchte man in Freuds Werk aber nach einer eindeutigen Bestimmung des 'Narzissmus'. Freud versteht ihn entweder als zwischen Autoerotismus und Objektliebe liegender sexuelle Entwicklungsstufe oder strukturell als „Libidobesetzung des Ichs“.
Kohuts Narzissmus-Theorie hat den Diskurs weiterhin grundlegend und nachhaltig geprägt. Dieser versteht unter Narzissmus die „libidinöse Besetzung des Selbst“, die in der menschlichen Psyche angelegt und ihm nach maßgeblich an der Entwicklung einer gesunden Persönlichkeit beteiligt ist. Dies entspricht in etwa Freuds struktureller Perspektive, allerdings unter dem Zusatz einer Kohärenz stiftenden Funktion, weil anstelle des Ichs das ganze Selbst zum Besetzungsobjekt wird.
R. Battegay hat verschiedene Narzissmus-Ansätze diskutiert. In Anlehnung an Kohut ist Narzissmus auch bei ihm deutlich positiv konnotiert. Er versteht darunter das „Selbst“ des Menschen, welches er an anderer Stelle ausweist als „narzißtische Besetzung von Ich, Es, Über-Ich und Körper, die dem Menschen im Normalfall das Gefühl vermittelt, eine lustvoll erlebte Einheit zu bilden und ihm kompaßartig eine – dauerhafte – Richtung gibt.“ Die Formulierung vom Selbst als „Sitz des Narzißmus“ ist irreführend, weil Battegay auch an anderer Stelle feststellt, dass erst über die narzisstische Besetzung der psychischen Instanzen und des Körpers der Mensch zu einem Gefühl von „Selbstidentität“ oder einem „gesunden Selbstwerterleben“ gelange. Das Selbst (als einheitliches Selbsterleben) setzt die narzisstische Besetzung also voraus und als lustvoll erlebte Einheit fällt dieses Selbst gleichzeitig mit 'Narzissmus' in eins. Das Attribut „narzisstisch“ erlangt seine Bedeutung demnach erst über seine Funktion. Die libidinöse Besetzung der sich herausbildenden Strukturen ist also nur dann narzisstisch zu nennen, wenn daraus die lustvolle Einheitserfahrung zustande kommt, so meine These.
0. Einleitung: Die Einleitung führt in die gesellschaftskritische Debatte ein und skizziert das Ziel der Arbeit, die Konzepte von Maaz, Zima und Dornes psychoanalytisch zu beleuchten.
1. Zwei Beispiele aktueller Verfallsdiagnosen und der Sinn des Sprachspiels narzisstischer Pathologie: Dieses Kapitel analysiert die Diagnosen von Maaz und Zima, klärt psychoanalytische Grundlagen und bewertet deren Anwendung als Gesellschaftskritik.
2. Dornes' „Modernisierung der Seele“: Das Kapitel stellt Dornes' positivere Sichtweise auf moderne Familienbeziehungen dar und kritisiert seine methodische Herangehensweise sowie seine Interpretation empirischer Daten.
3. Narzissmus, „echte“ Subjektivität und die Errettung des (postmodernen) Subjekts?: Hier werden die untersuchten Positionen im Hinblick auf ihre Konzeptionen von Subjektivität und der Möglichkeit eines „gelungenen Lebens“ in der Moderne zusammengeführt.
4. Schluss: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse über die Reichweite psychoanalytischer Diagnosen für gesellschaftliche Prozesse zusammen und würdigt die Bedeutung einer differenzierten Subjektivitätsbetrachtung.
Narzissmus, Psychoanalyse, Subjektivität, Autonomie, Gesellschaftsdiagnose, Mütterlichkeit, Ich-Ideal, Sozialisation, Pathologie, Bindung, Resonanz, Moderne, Identität, Selbstwertgefühl, Gesellschaftskritik.
Die Arbeit untersucht, wie aktuelle gesellschaftskritische Diagnosen – insbesondere solche, die den Begriff „Narzissmus“ verwenden – das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft deuten und welche Rolle dabei psychoanalytische Konzepte spielen.
Zentrale Themen sind der angenommene Niedergang von Werten und Autonomie, die Bedeutung familiärer Sozialisation, der Einfluss gesellschaftlicher Strukturen auf die psychische Entwicklung sowie die Frage nach authentischer Subjektivität.
Ziel ist es, zu klären, inwiefern die psychoanalytische Fundierung von Gesellschaftsdiagnosen (wie bei Maaz und Zima) wissenschaftlich belastbar ist und welche Alternativen (wie bei Dornes) existieren.
Die Arbeit verwendet eine theoretisch-analytische Methode, welche die ausgewählten Texte (Maaz, Zima, Dornes, Ehrenberg) psychoanalytisch-kritisch kontrastiert, deren Argumentationsstrukturen prüft und diskursanalytisch ergänzt.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Thesen von Maaz und Zima zur „narzisstischen Gesellschaft“, kontrastiert diese mit den positiven Thesen von Dornes zur „Modernisierung der Seele“ und zieht Alain Ehrenbergs diskursanalytische Perspektive zur Einordnung hinzu.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Narzissmus, Subjektivität, Autonomie, Gesellschaftsdiagnose, Sozialisation und Identität charakterisiert.
Während Maaz und Zima eine Zunahme pathologischer Störungen und einen Werteverfall beklagen, bewertet Dornes die „Modernisierung der Seele“ optimistischer und sieht in heutigen Familienbeziehungen eine erhöhte Flexibilität und demokratische Chancen für das Subjekt.
Autonomie wird in den Diagnosen oft als schützenswertes, aber gefährdetes Gut verstanden. Die Autoren diskutieren, ob moderne Bedingungen die Autonomie stärken oder – durch den Verlust traditioneller Bindungen – zu einer „Scheinautonomie“ oder narzisstischen Kompensation führen.
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