Fachbuch, 2019
41 Seiten
Psychologie - Klinische Psychologie, Psychopathologie, Prävention
1 Einleitung
2 Theoretische Hintergründe
2.1 Achtsamkeit
2.2 Prosozialität
2.3 Fragestellung & Hypothesen
3 Methode
3.1 Stichprobe & Rekrutierung
3.2 Erfassung der Variablen
3.3 Ablauf
3.4 Statistische Auswertung
4 Ergebnisse
4.1 Positiver Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und Prosozialität
4.2 Auswirkungen von Achtsamkeit auf kurzfristige und langfristige Prosozialität
4.3 Positiver Zusammenhang der Facetten Beschreiben, Achtsames Handeln und Nichturteilen und Prosozialität
4.4 Negativer Zusammenhang der Facetten Beobachten und Nicht-Reagieren und Prosozialität
5 Diskussion
5.1 Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und prosozialem Verhalten
5.2 Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und langfristiger versus kurzfristiger Prosozialität
5.3 Zusammenhang zwischen einzelnen Facetten der Achtsamkeit und prosozialem Verhalten
5.4 Limitationen der Studie und Ausblick
6 Literatur
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Achtsamkeit sowie deren spezifischer Facetten auf das kurzfristige und langfristige prosoziale Verhalten von Menschen. Dabei wird insbesondere erforscht, ob Achtsamkeit als mehrdimensionales Konstrukt unterschiedlich auf das soziale Verhalten einwirkt und ob eine Unterscheidung zwischen aktiven und nicht-aktiven Facetten der Achtsamkeit empirisch begründete Zusammenhänge zur Prosozialität aufweist.
2.1 Achtsamkeit
Achtsamkeit als Konzept zur Selbstschulung ist schon aus alten buddhistischen Lehren bekannt. Die Erkenntnisse des legendären Buddha sind in detaillierten Übungswegen dokumentiert und in umfassen Methoden und Praktiken zur Erforschung und Schulung des Geistes mit dem Ziel, alles Leid der Welt zu überwinden, überliefert. Buddha sagte, dass alles Leid durch Unwissenheit entstehe und daher diese beendet werden müsse (Pischel, 2015). An diesem Punkt setzt das Konzept der Achtsamkeit an.
Ein zeitgenössischer Vertreter der buddhistischen Lehren, Thich Nhat Hanh, schreibt in einem seiner Bücher über Achtsamkeit, dass der gegenwärtige Augenblick das Einzige sei über das wir verfügen könnten und deshalb die Kunst nicht darin bestehe, über Wasser laufen zu können, sondern auf der Erde (1992). Diese poetisch anmutende Beschreibung der Achtsamkeit wird von Jon Kabat-Zinn in einer Art Arbeitsdefinition als „absichtsvolle und nicht urteilende Aufmerksamkeit im gegenwärtigen Moment“ bezeichnet (Kabat-Zinn, 2014, S. 29). Jon Kabat-Zinn ist Begründer der Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR), ein Achtsamkeits-Trainingsprogramm, welches inzwischen in zahlreichen Therapien erfolgreich eingesetzt wird.
Die Psychologinnen Shapiro und Carlson schreiben in ihrem Buch zur Integration der Achtsamkeit in die psychologische Praxis von Achtsamkeit als Bewusstheit, Umsicht und Einsicht (2009). Sie teilen Achtsamkeit in zwei Bereiche: das achtsame Bewusstsein (mindful awareness), welches ein dauerhaftes und wandelbares Wissen über den aktuellen Zustand des Geistes beinhaltet und zu einer Art innerem Frieden führen kann, sowie die achtsame Praxis (mindful practice), welche eine bewusste, offene, mitfühlende und beobachtende Anteilnahme am augenblicklichen Geschehen voraussetzt (Shapiro & Carlson, 2009). Man könnte also sagen, sie unterscheiden Achtsamkeit in das achtsame Sein und das achtsame Handeln. Beide interagieren miteinander und bedingen sich gegenseitig.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Achtsamkeit als soziales Konstrukt ein und leitet das wissenschaftliche Erkenntnisinteresse der Arbeit ab.
2 Theoretische Hintergründe: Hier werden die Konzepte Achtsamkeit und Prosozialität definiert und der aktuelle Forschungsstand zur Ableitung der Hypothesen zusammengefasst.
3 Methode: Dieses Kapitel beschreibt das Studiendesign, die Stichprobe von 72 Probanden sowie die eingesetzten Erhebungsinstrumente (FFMQ, MAAS) und das experimentelle Vorgehen zur Messung von Prosozialität.
4 Ergebnisse: Die statistische Auswertung der Daten wird präsentiert, wobei die Korrelationen zwischen den Achtsamkeitsfacetten und dem prosozialen Verhalten untersucht und auf Signifikanz geprüft werden.
5 Diskussion: Die Befunde werden kritisch eingeordnet, die Diskrepanzen zu den Hypothesen interpretiert sowie Limitationen und Anregungen für zukünftige Forschungsarbeiten aufgezeigt.
6 Literatur: Umfassendes Verzeichnis der in der Arbeit zitierten Quellen und verwendeten Fachliteratur.
Achtsamkeit, Facetten der Achtsamkeit, Prosozialität, Hilfeverhalten, prosoziales Verhalten, FFMQ, MAAS, kurzfristige Prosozialität, langfristige Prosozialität, psychologische Grundlagen, Verhaltensbeobachtung, psychologische Forschung, Achtsamkeitstraining, soziale Interaktion, Selbstbelohnung.
Die Arbeit untersucht, ob und wie die Eigenschaft der Achtsamkeit das soziale Verhalten von Menschen beeinflusst, insbesondere ob achtsamere Personen eher zu prosozialem Verhalten neigen.
Die zentralen Themen sind das psychologische Konstrukt der Achtsamkeit (mit seinen fünf Facetten), verschiedene Definitionen und Erscheinungsformen prosozialen Verhaltens sowie die empirische Schnittmenge beider Bereiche.
Das Ziel ist es, den Einfluss von Achtsamkeit auf das tatsächliche prosoziale Handeln in einer realen Situation zu erforschen und zu überprüfen, ob einzelne Facetten der Achtsamkeit unterschiedliche Auswirkungen auf das Verhalten haben.
Es wurde eine Kombination aus Fragebögen (FFMQ, MAAS) zur Erhebung der Achtsamkeit und eine objektive Verhaltensbeobachtung (Unterschrift unter eine Petition) zur Erfassung von kurzfristiger und langfristiger Prosozialität eingesetzt.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die detaillierte Methodenbeschreibung, die Auswertung der erhobenen Daten mittels statistischer Verfahren wie der logistischen Regression sowie die fachliche Diskussion der Ergebnisse.
Wichtige Begriffe sind Achtsamkeit, Prosozialität, das Five Facet Mindfulness Questionnaire (FFMQ), die Mindful Attention Awareness Scale (MAAS) und die Differenzierung in kurzfristiges und langfristiges Hilfeverhalten.
Die Cover-Story diente dazu, das Wissen über die Messung der Prosozialität zu verschleiern, um den "Social Desirability Bias" (soziale Erwünschtheit) zu vermeiden und eine unverfälschte Reaktion der Teilnehmer zu erhalten.
Die Ergebnisse zeigten keine signifikanten Bestätigungen der Hypothesen, deuteten jedoch darauf hin, dass insbesondere die Facette des Nichturteils einen positiven Einfluss auf prosoziales Verhalten haben kann, während andere Facetten eher hemmende Tendenzen aufwiesen.
Die Autorin kritisiert die fehlende Interpretationsobjektivität des FFMQ, die Schwierigkeit der Einteilung in "hoch" vs. "niedrig" achtsam sowie den Einfluss unkontrollierter situativer Variablen wie die Tagesstimmung der Probanden.
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