Fachbuch, 2019
57 Seiten
1 Einleitung
2 Begriffsklärungen
2.1 Soziale Arbeit
2.2 Profession/ Professionalisierung/ professionelles Handeln
2.3 Diskussionsstand
3 Die öffentliche Kinder‐ und Jugendhilfe als Berufsfeld
3.1 Geschichtliche Entwicklung der Kinder- und Jugendhilfe
3.2 Ein breites Betätigungsfeld
3.3 Gesellschaftliche Erwartungshaltungen
3.4 Rahmenbedingungen und Anforderungen der Akteure
4 Professionsvermögen anhand von Paradoxien in der KJH
4.1 Typisierung von Fällen und deren Situierung
4.2 Prognosen über soziale und biographische Prozesse der Fallentfaltung auf schwankender empirischer Basis
4.3 Geduldiges Zuwarten vs. Sofortige Intervention
4.4 Das Mehrwissen des Professionellen und seines Verschweigens möglicher Ergebnisse
4.5 Professionelle Ordnungs- und Sicherheitsgesichtspunkte und die Eingrenzung der Entscheidungsfreiheit des Klienten
4.6 Die biographische Ganzheitlichkeit der Fallentfaltung und die Expertenspezialisierung
4.7 Exemplarisches Vormachen und die Gefahr, den Klienten unselbstständig zu machen
5 Fazit
Die Arbeit untersucht das Professionsverständnis in der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe (KJH) unter dem Einfluss von ökonomischen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Erwartungen. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie sich diese Bedingungen auf die Professionalität und das professionelle Handeln der in diesem Bereich tätigen pädagogischen Fachkräfte auswirken, wobei insbesondere paradoxe Handlungsanforderungen analysiert werden.
4.1 Typisierung von Fällen und deren Situierung
Um nun die allgemeine Typisierung von Schütze aufzugreifen und sich der speziell professionellen Handlung der Sozialarbeiter zuzuwenden, meint dieser damit ein Orientierungsparadox aufgrund des Einordnens des Falles in „…relativ abgegrenzten, höhersymbolischen Sinnbezirken…“ (Schütze, 1992, S. 147). Diese Zuordnung soll demnach aufgrund des theoretischen Wissens innerhalb bestimmter Kategorien erfolgen. So den Fall des Klienten auf eine standardisierbare Ebene heben soll und damit eine Lösung dessen von der tatsächlichen Individuallage sowie Möglichkeit zur Interpretation in größeren Zusammenhängen erlaubt. Eine Typisierung nach allgemeinen Schemata und Kategorien fehlerfrei vorzunehmen, bedeutet insofern auch das Erkennen der Fallmerkmale in ihrer Gesamtheit sowie deren Zuordnung zu den als richtig anzusehenden Theorien für genau diese Fallmerkmale.
Dies kann und muss auch aufgrund des persönlichen Habitus, welcher wie dies in Kapitel 2.3 beschrieben ist, erfolgen. Dazu ist es unweigerlich notwendig ein enorm breites Fachwissen anzuhäufen und hier wird der Bezug zur Studienausrichtung und dem dort zu vermittelnden Know-how und der Ausprägung von persönlichen Merkmalen hergestellt. Es sind bestenfalls während des Studiums genügend allgemeine fachliche Wissenstatbestände zu vermitteln, die eine Einordnung verschiedener spezifischer Problemlagen ermöglichen und somit später seitens der Professionellen vorhanden sind. So sind denn die Wissenstatbestände und Prozessabbildungen nach Schütze „…mit den problematischen Projekten und Fällen im Gegenstands- und Handlungsbereich der Profession…“(ebd., 1991, S. 147) verknüpft. Und somit können die persönlichen Einstellungsmerkmale des Professionellen selbst auch den Zugang und die Anwendung bestimmter Theorien fördern oder vermindern.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das komplexe System der Kinder- und Jugendhilfe ein und verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen gestiegenen Fallzahlen, knappen finanziellen Ressourcen und dem professionellen Anspruch an die Arbeit.
2 Begriffsklärungen: Dieses Kapitel definiert zentrale Termini wie Soziale Arbeit, Profession und professionelles Handeln und skizziert den aktuellen wissenschaftlichen Diskussionsstand unter Bezugnahme auf verschiedene professionstheoretische Ansätze.
3 Die öffentliche Kinder‐ und Jugendhilfe als Berufsfeld: Hier werden die historische Entwicklung, das gesetzliche Aufgabenfeld und die spezifischen Rahmenbedingungen sowie Erwartungshaltungen an die Akteure der KJH analysiert.
4 Professionsvermögen anhand von Paradoxien in der KJH: Das Kapitel verknüpft theoretische Konzepte der professionellen Handlung mit der Praxis der KJH, indem exemplarisch sieben Paradoxien analysiert werden, die den Handlungsspielraum von Fachkräften bestimmen.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Bedeutung der akademischen Ausbildung und des professionellen Habitus für die Bewältigung von Fallparadoxien und gibt Anregungen für weiterführende empirische Forschungen.
Kinder- und Jugendhilfe, Soziale Arbeit, Professionalisierung, Profession, professionelles Handeln, Paradoxien, Habitus, Kinderschutz, SGB VIII, Fallverstehen, Handlungskompetenz, Fachkräftegebot, biographische Ganzheitlichkeit, pädagogische Fachkräfte, Wirkungsorientierung.
Die Arbeit befasst sich mit der Professionalisierung in der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe und untersucht, wie Fachkräfte in einem komplexen Spannungsfeld zwischen gesetzlichen Vorgaben, ökonomischem Druck und individuellen Hilfebedarfen professionell agieren können.
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung Sozialer Arbeit, die historische und strukturelle Einordnung der Kinder- und Jugendhilfe sowie das professionelle Handeln in paradoxen Situationen des Arbeitsalltags.
Das Ziel ist zu analysieren, wie sich die gegebenen Rahmenbedingungen und Anforderungen der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe auf die Professionalität und das konkrete Handeln der dort pädagogisch tätigen Personen auswirken.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer Literaturanalyse basiert, um das Professionsverständnis und professionstheoretische Ansätze – insbesondere von Ulrich Oevermann und Fritz Schütze – auf das spezifische Berufsfeld der Kinder- und Jugendhilfe zu übertragen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung, die Darstellung des Berufsfeldes KJH sowie die detaillierte Analyse von sieben spezifischen Paradoxien professionellen Handelns, wie beispielsweise das Spannungsfeld zwischen geduldigem Zuwarten und sofortiger Intervention.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Professionsvermögen, beruflicher Habitus, paradoxe Interventionsanforderungen, Kindeswohlgefährdung und das SGB VIII charakterisiert.
Die Arbeit zeigt auf, dass Fachkräfte zur Bewältigung der Fallkomplexität auf theoretische Schemata zurückgreifen müssen, dabei jedoch Gefahr laufen, individuelle Bedürfnisse bei zu starker Standardisierung oder oberflächlicher Kategorisierung zu übersehen.
Der Zeitfaktor ist zentral, da eine qualitativ hochwertige Fallanalyse und biographische Arbeit zeitintensiv sind, während das kommunale Kostencontrolling und der Fachkräftemangel häufig zu einer unzureichenden Zeitbudgetierung führen, was die Qualität der Hilfeleistung beeinträchtigen kann.
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