Bachelorarbeit, 2015
38 Seiten, Note: 1,0
(I) Einleitung: Die Identität als zentrales Thema in Hesses Œuvre
1 Einführung: Fragestellung
2 Eine begriffliche Fassung von Identität
(II) Methodisches Vorgehen
1 Herangehensweise
(III) Die Identitätskonzeption in Hermann Hesses Demian
1 Strukturale Konzeption
2 Figurative Konzeption von „Demian“
3 Symbiose von Struktur und Inhalt: Diskussion und Funktion der Ergebnisse
(IV) Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht die Identitätskonzeption in Hermann Hesses Roman „Demian“ unter Anwendung einer modifizierten Strukturanalyse, um den Entwicklungsprozess des Protagonisten Emil Sinclair von der Kindheit bis zur Adoleszenz nachzuvollziehen. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, wie Identität als dynamisches Konstrukt durch die Interaktion mit verschiedenen identitätsstiftenden Figuren und sozialen Räumen geformt wird.
Die ‚mögliche Welt‘ des Protagonisten
Ausgehend von Oroszs Ansatz sollen im Folgenden die Weltstruktur Emil Sinclairs und ihre Veränderung auf der Grundlage signifikanter Textstellen untersucht werden, um so die Form der Identitätsbewegung, welche von Ratz vorgestellt wird, textuell fassbarer zu machen. Nach Orosz setzt sich die ‚mögliche Welt‘ einer Figur aus der Gesamtheit aller über sie getätigten Aussagen und ihrer Charakteristika zusammen. Demnach müsste eine Berücksichtigung der Figur Sinclair, wie sie sich aus der vollständigen Lektüre des Demian ergibt, erfolgen. Um jedoch seine Entwicklung greifbar machen zu können, werden etappenweise die ‚möglichen Welten‘ dieser Figur herausgearbeitet werden, um diese jeweils einem Stadium seiner Identitätsentwicklung zuordnen und diese zueinander in Beziehung setzen zu können.
Es wird davon ausgegangen, dass eine ‚mögliche Welt‘ direkten Einfluss auf die Identität und ihren Zustand ausübt. Interessanterweise stellt der Erzähler zu Beginn seiner Erzählung selbst ein Weltkonstrukt vor, mithilfe dessen er seine Lebenswelt näher charakterisiert: „Zwei Welten liefen dort aufeinander, von zwei Polen her kamen Tag und Nacht. Die eine Welt […] umfaßte eigentlich nur meine Eltern […]. Die andere Welt indessen begann schon mitten in unserem eigenen Hause und war völlig anders, roch anders, sprach anders, versprach und forderte anderes. In dieser zweiten Welt gab es Dienstmägde und Handwerksburschen, Geistergeschichten und Skandalgerüchte, es gab da eine bunte Flut von ungeheuren, lockenden, furchtbaren, rätselhaften Dingen, Sachen wie Schlachthaus und Gefängnis, Betrunkene und keifende Weiber, gebärende Kühe, gestürzte Pferde, Erzählungen von Einbrüchen, Totschlägen, Selbstmorden.“
Der Erzähler Emil Sinclair selbst stellt in seiner Rückblende fest, wie „die beiden Welten aneinander grenzten, wie nah sie beisammen waren“. Diese Auffassung ist insbesondere bedeutsam für die folgende Herausarbeitung seiner ‚möglichen Welt‘, da sie die Grundlage darstellt, auf Basis derer er seine Rezeption der Umwelt wie auch seine Agitation darin beurteilt und beschreibt.
(I) Einleitung: Die Identität als zentrales Thema in Hesses Œuvre: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Identitätsfindung bei Hermann Hesse ein und definiert Identität als ein komplexes Wortfeld, das den Prozess der „Mensch-Werdung“ beschreibt.
(II) Methodisches Vorgehen: Hier wird der methodologische Rahmen festgelegt, der auf Norbert Ratz’ Identitätsroman-Theorie basiert und durch raumanalytische Konzepte von Magdolna Orosz erweitert wird.
(III) Die Identitätskonzeption in Hermann Hesses Demian: Dieser Hauptteil analysiert die strukturelle Entwicklung Sinclairs anhand seiner „möglichen Welten“ sowie den Einfluss der zentralen Figuren Kromer, Demian und Pistorius auf dessen Ich-Werdung.
(IV) Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass Identität ein soziales Konstrukt ist und Sinclair erst durch die Integration gegensätzlicher Welten zu einer stabilen Identität findet.
Identität, Individuation, Emil Sinclair, Hermann Hesse, Demian, Identitätsbewegung, mögliche Welt, Sozialisierung, Adoleszenz, Alterität, Franz Kromer, Max Demian, Pistorius, Abraxas, Ich-Werdung.
Die Arbeit untersucht die Entwicklung des Protagonisten Emil Sinclair in Hermann Hesses Roman „Demian“ unter dem Aspekt der Identitätskonzeption.
Im Fokus stehen die Begriffe der Identität, der Individuation, die Interaktion zwischen Individuum und Gesellschaft sowie die Bedeutung der sozialen Umgebung für die Persönlichkeitsentwicklung.
Ziel ist es, den Reifeprozess Sinclairs durch ein theoretisches Modell der „Identitätsbewegung“ sowie eine raumanalytische Betrachtung der „möglichen Welten“ greifbar und nachvollziehbar zu machen.
Die Analyse stützt sich primär auf eine textimmanente Detailanalyse, die methodisch durch das Modell des „Identitätsromans“ nach Norbert Ratz und ergänzende raumanalytische Ansätze von Magdolna Orosz gerahmt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine strukturelle Analyse der Identitätsentwicklung und eine figurative Analyse, in der die identitätsstiftende Wirkung der drei Figuren Franz Kromer, Max Demian und Pistorius untersucht wird.
Wichtige Begriffe sind Identität, Individuation, „mögliche Welt“, Sozialisierung, Adoleszenz und die spezifischen Charaktere des Romans.
Pistorius fungiert als wichtiger Traumdeuter und Impulsgeber, der Sinclair dabei hilft, sein Selbstbewusstsein zu stärken und seine Träume als Teil seiner Identität zu akzeptieren, bevor Sinclair sich später von ihm abwendet.
Die Arbeit postuliert, dass soziale Isolation eine notwendige Bedingung für den Individuationsprozess darstellt, da sie Sinclair zwingt, sich intensiv mit dem eigenen Inneren auseinanderzusetzen, anstatt nur Konventionen zu folgen.
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