Masterarbeit, 2017
68 Seiten, Note: 1,3
1. Soziale Ungleichheit als zeitübergreifendes Problem
2. Die terminologische Grundlage: In-/Exklusion oder Des-/Integration?
1. Die methodologische Grundlage: Intersektionalität & Narratologie – Forschungsstand und Problematisierung
2. Raumanalytische Modifizierung des Ansatzes und eigene Herangehensweise
1. Konformität als Identitätsgrundlage? Die höfische Gesellschaft als Ausgangspunkt
2. Inklusionsdynamiken
2.1 Beschreibung
a) Tristan
b) Brünhild
c) Parzival
d) Kundrie
2.2 Abstraktion der Beobachtungen
3. Exklusionsdynamiken
3.1 Beschreibung
a) Mabonagrin
b) Siegfried
3.2 Abstraktion der Beobachtungen
ZUM VORMODERNEN TOLERANZBEGRIFF: RÜCKBLICK UND FAZIT
Die Arbeit untersucht soziale Inklusions- und Exklusionsmechanismen im höfischen Roman um 1200. Ziel ist es, unter Anwendung des Intersektionalitätsansatzes und einer raumanalytischen Erweiterung zu bestimmen, unter welchen Voraussetzungen literarische Figuren in die höfische Gesellschaft aufgenommen oder aus dieser ausgeschlossen werden.
Die methodologische Grundlage: Intersektionalität & Narratologie – Forschungsstand und Problematisierung
„Wird Ungleichheit als eines der prägendsten Prinzipien moderner Gesellschaften verstanden, haben intersektionale Forschungen […] einen erheblichen Anteil an der Aufdeckung und Deutung der Funktionsweise gegenwärtiger Sozialorganisation“.
Obschon Schnicke an dieser Stelle den sogenannten Intersektionalitätsansatz eindeutig mit Forschungsvorhaben in Beziehung setzt, welche moderne Gesellschaften fokussieren, wird in der vorliegenden Arbeit davon ausgegangen, dass es Parallelen hinsichtlich der Funktionsweise gegenwärtiger und vergangener Sozialorganisationen geben muss. Sowohl Ungleichheit als auch soziale In- und Exklusionsprozesse werden demnach nicht als ein Alleinstellungsmerkmal moderner Gesellschaften aufgefasst, sondern als ein ebenfalls prägendes Prinzip vormoderner Gesellschaften angesehen. Die Verknüpfung dieses modernen soziologischen Ansatzes mit vormodernen Untersuchungsgegenständen stellt dabei inzwischen kein Novum mehr dar, sondern spiegelt eine aktuell in der Forschungslandschaft vermehrt feststellbare Neigung wider.
1. Soziale Ungleichheit als zeitübergreifendes Problem: Dieses Kapitel führt in die theoretische Problematik sozialer Ungleichheit ein und verknüpft moderne soziologische Ansätze mit dem Erkenntnisinteresse an vormodernen Gesellschaftsstrukturen.
2. Die terminologische Grundlage: In-/Exklusion oder Des-/Integration?: Hier erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit der Begriffsgeschichte von Inklusion, Exklusion, Integration und Desintegration im Kontext mittelalterlicher Sozialordnungen.
(II) Methodisch-theoretische Situierung: In diesem Teil werden Intersektionalität und Narratologie als methodische Instrumente eingeführt und um eine raumanalytische Perspektive zur Untersuchung vormoderner Texte erweitert.
(III) Soziale In- und Exklusion im höfischen Roman um 1200: Dies ist der Hauptteil der Arbeit, der die theoretischen Annahmen anhand einer Figurenanalyse (Inklusion: Tristan, Brünhild, Parzival, Kundrie; Exklusion: Mabonagrin, Siegfried) praktisch erprobt.
(IV) Zum vormodernen Toleranzbegriff: Rückblick und Fazit: Das abschließende Kapitel synthetisiert die Ergebnisse der Fallstudien und reflektiert die Frage, inwieweit von einem vormodernen Toleranzbegriff im Kontext höfischer Konformität gesprochen werden kann.
Höfischer Roman, Soziale Inklusion, Soziale Exklusion, Intersektionalität, Höfische Gesellschaft, Narratologie, Raumtheorie, Mittelalterliche Literatur, Identitätskonstitution, Mabonagrin, Tristan, Brünhild, Parzival, Siegfried, Kundrie
Die Arbeit analysiert soziale Prozesse der Ein- und Ausgrenzung (In- und Exklusion) von Figuren im höfischen Roman um 1200.
Im Fokus stehen höfische Ideale, soziale Mobilität, die Bedeutung von Geschlecht, Stand und körperlicher Erscheinung sowie die Frage nach Toleranz im Mittelalter.
Das primäre Ziel ist es, zu ergründen, wie soziale Zugehörigkeit im höfischen Roman konstruiert wird und welche Bedingungen über die Inklusion oder Exklusion einer Figur entscheiden.
Die Autorin nutzt den Intersektionalitätsansatz, ergänzt durch eine raumanalytische Perspektive, um die Dynamiken in den Primärtexten systematisch zu erfassen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Inklusionsdynamiken bei Tristan, Brünhild, Parzival und Kundrie sowie Exklusionsdynamiken bei Mabonagrin und Siegfried.
Zentrale Begriffe sind Inklusion, Exklusion, Höfische Gesellschaft, Intersektionalität, Raumkonzepte und höfische Ideale wie mâze und hövescheit.
Die äußere körperliche Erscheinung, ihre Harmonie mit der Kleidung und die ritterliche Ausstattung dienen als wesentliche Signale für die soziale Akzeptanz am Hof.
Mabonagrin ist eine seltene Beispielgestalt, da seine Exklusion durch eine bewusste lokale Isolation im Baumgarten und die nicht-höfische Gewaltanwendung motiviert ist.
Tristans Inklusion gelingt durch sein Wissen über höfische Jagdzeremonien und seine Fähigkeit zur aktiven Selbstdarstellung, womit er sich geschickt in den sozialen Raum des Hofes integriert.
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