Magisterarbeit, 1995
208 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Das Treuhandsystem der Vereinten Nationen
2.1. Das Mandatsystem des Völkerbundes
2.2. Das Treuhandsystem der UNO - Kompromiß und Fortschritt
2.2.1. Die Treuhandgebiete
2.2.1.2. Strategische Treuhandgebiete
2.2.1.3. Das `Joint-Trustee'-Prinzip
2.2.2. Der Treuhandrat
2.3. Entkolonisierung - ein alternatives Konzept zum Treuhandsystem
2.4. Das Treuhandsystem in der Praxis
3. Pazifik-Inseln: Eine Geschichte der Unterdrückung
3.1. Die Kolonialzeit
3.2. Der lange Weg vom Treuhandgebiet in die Selbständigkeit
3.2.1. Die Föderierten Staaten von Mikronesien
3.2.2. Der Commonwealth der nördlichen Marianen
3.2.3. Die Republik der Marshall-Inseln
3.2.4. Die Republik Palau
4. Die Vereinigten Staaten und das strategische Treuhandgebiet
4.1. Der Pazifik-Krieg und Gedanken zum amerikanischen Imperialismus
4.2. Amerikanische Interessen im Konflikt mit den eigenen Idealen
4.2.1. Zur Rolle der Militärs und der nuklearen Entsorgung
4.2.2. Die Amerikaner vor Ort
4.2.3. Die Geheimdienstaffären
4.3. Amerikanische Interessen im Konflikt mit den Idealen der UN
4.3.1. Soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Treuhandgebiete
4.3.2. Restriktionen und Auflagen - Diplomatie der USA
4.3.3. Die Mikronesier und die Treuhandverwaltung
4.3.4. Der Streit um Palau
4.4. Zur Rolle der Sowjetunion im Treuhandrat
4.5. Entkolonisierung durch den `Compact of Free Association'?
5. Schlußteil
5.1. Erfolge und Defizite der Vereinigten Staaten
5.2. Das Ende des Treuhandsystems?
Die vorliegende Arbeit untersucht die Geschichte des strategischen Treuhandgebiets Pazifik-Inseln und analysiert die Rolle der Vereinigten Staaten innerhalb des Treuhandrats der Vereinten Nationen im Kontext von Entkolonisierung und geopolitischen Interessen.
1. Einleitung
Am 10. November 1994 wurde die Inselrepublik Palau nach einstimmigem Votum des UN-Sicherheitsrates aus der Treuhandverwaltung der Vereinten Nationen entlassen. Nachdem dieser winzige, rund 15000 Einwohner zählende Staat bereits eine Woche zuvor seine Unabhängigkeit erklärt hatte, ging für die UNO eine Ära zu Ende:
Palau ( Belau), eine zu Mikronesien gehörende Inselgruppe im Pazifischen Ozean, war das letzte existierende Treuhandgebiet gewesen, das bereits seit 1947 unter amerikanischer Verwaltung gestanden hatte. Ursprünglich ein Teil des ganz Mikronesien umfassenden Verwaltungsgebiets Pazifik-Inseln, verblieben die palauischen Inseln nach 1990 allein unter treuhänderischer Verwaltung, nachdem der Sicherheitsrat den separaten Assoziierungsabkommen der anderen übrigen Staaten mit den USA zugestimmt hatte.
In diesem "heißen" Herbst arbeitete der Autor dieser Arbeit im Rahmen eines Praktikums für den CNN Korrespondenten Richard Roth an der UN und bekam den Auftrag, das Ereignis zu recherchieren. Die Entlassung des letzten Treuhandgebietes, das darüberhinaus noch unter amerikanischer Verwaltung gestanden hatte, war dem Sender einen Bericht wert. Die fernen und kaum bekannten Palauischen Inseln standen dabei allerdings nicht im Vordergrund. Die akkreditierten Journalisten in den Vereinten Nationen waren vor allem an der Zukunft des Treuhandrats interessiert, der seine praktische Aufgabe erfüllt und keine Mandate mehr hatte.
Angesichts des nahenden Jubiläums der Weltorganisation geisterten ständig Begriffe wie "Erneuerung" und "Veränderung" durch die Gänge des ehrwürdigen Bauwerks an der First Avenue; neben der Erweiterung des Security Council waren andere Gremien im Gespräch.
1. Einleitung: Beschreibt den historischen Moment der Unabhängigkeitserklärung von Palau als Abschluss der Treuhandverwaltung im Pazifik und motiviert die Forschungsarbeit.
2. Das Treuhandsystem der Vereinten Nationen: Analysiert die theoretische Basis des Treuhandsystems, seine Evolution vom Völkerbund und die Rolle des Treuhandrats als Überwachungsorgan.
3. Pazifik-Inseln: Eine Geschichte der Unterdrückung: Bietet einen historischen Abriss über die Kolonialzeit, die politische Entwicklung der Teilgebiete und den Weg in die Unabhängigkeit.
4. Die Vereinigten Staaten und das strategische Treuhandgebiet: Untersucht die spezifischen Interessen und Konflikte der USA bei der Verwaltung der Pazifik-Inseln, einschließlich nuklearer Tests und Geheimdienstaktivitäten.
5. Schlußteil: Zieht Bilanz über die Erfolge und Defizite der Verwaltungsmacht USA und thematisiert das Ende des Treuhandsystems.
Treuhandgebiet, Vereinte Nationen, Pazifik-Inseln, USA, Mikronesien, Entkolonisierung, Palau, Strategisches Treuhandgebiet, Selbstbestimmung, Treuhandrat, Nukleartests, Compact of Free Association, Geopolitik, Treuhänderschaft, Kolonialgeschichte
Die Arbeit analysiert die historische Verwaltung der Pazifik-Inseln durch die Vereinigten Staaten im Rahmen des Treuhandsystems der UNO sowie die politische und ökonomische Entwicklung der Inselstaaten bis hin zu deren Unabhängigkeit.
Zentrale Themen sind die Rolle der USA als Verwaltungsmacht, der Einfluss des Treuhandrats, die Auswirkungen amerikanischer Sicherheitsinteressen (einschließlich nuklearer Aktivitäten) und die langwierigen Prozesse zur Erlangung der Selbstbestimmung.
Ziel ist es, die Politik der USA gegenüber den Pazifik-Inseln zu hinterfragen und zu beleuchten, wie diese trotz der UN-Vorgaben ihre eigenen strategischen Interessen verfolgten und die Entwicklung der Region prägten.
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung offizieller UN-Dokumente und Quellentexte sowie eine umfassende Indexierung von Presseberichten der New York Times aus dem Zeitraum 1946 bis 1994, um Zusammenhänge und öffentliche Wahrnehmung darzustellen.
Der Hauptteil behandelt detailliert die Einrichtung und Praxis des Treuhandsystems, die Geschichte der verschiedenen Inselgruppen wie Palau und die Marshall-Inseln sowie die Konflikte zwischen den Idealen der UN und der US-amerikanischen Realpolitik.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Treuhandgebiet, Mikronesien, Strategisches Treuhandgebiet, Entkolonisierung, Nukleartests und Compact of Free Association charakterisiert.
Die Sowjetunion protestierte gegen die Art und Weise, wie die USA ihre Kontrolle über die strategischen Gebiete ausübten, und kritisierte die fehlende Einbindung betroffener Nationen bei der Ratifizierung von Treuhandabkommen.
Der Solomon-Report diente als geheime Leitlinie für die US-Administration, um die Pazifik-Inseln politisch und ökonomisch stärker an die Vereinigten Staaten zu binden und deren Unabhängigkeit als Ziel zu verhindern oder hinauszuzögern.
Palau blieb aufgrund seiner konsequenten Haltung gegen nukleare Stoffe und langwieriger Verhandlungen über den politischen Status länger unter treuhänderischer Verwaltung als andere pazifische Gebiete.
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