Masterarbeit, 2016
118 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Men’s Studies
2.1 Entwicklung, Fokus und Stand der Männerforschung
2.2 Exkurs: Der weiße Heteromann als Angriffsfläche
3. Männlichkeit(en) theoretisieren: Entscheidende Konzepte
3.1 Männlichkeit ≠ Weiblichkeit
3.2 Männlichkeit ≠ Männlichkeit
3.3 Männlichkeit = Macht
4. Zwischenfazit Männlichkeit(en)
5. Die mediale Konstruktion von Männlichkeit(en)
5.1 Gender Media Studies
5.2 Konstruierte Männlichkeiten im Fokus der Forschung
5.3 Männlichkeitskonstruktionen und die Rolle der populären Medien
5.4 „The male-centered serial” (Lotz, 2014)
6. Untersuchungsgegenstand
6.1 „True Detective“ (2014, Pizzolatto)
6.2 Das Polizei- und Krimidrama als maskulines Genre
7. Methodisches Vorgehen
8. Analyse „True Detective“ (Pizzolatto, 2014)
8.1 Staffel 1 (2014)
8.2. Staffel 2 (2015)
8.3 Abschließender Vergleich
9. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die mediale Konstruktion von Männlichkeitsbildern in der populären Anthologieserie „True Detective“. Das primäre Ziel ist es, die Inszenierung von Männlichkeit im Kontext des Polizei- und Krimigenres zu ergründen, wobei insbesondere die Frage beantwortet werden soll, ob die Serie traditionelle hegemoniale Männlichkeitsbilder festigt, problematisiert oder dekonstruiert.
Rust und Marty als „bad men“
In der dritten Folge „The Locked Room“ kommt es zu einer spannungsreichen Unterhaltung zwischen Marty und Rust (vgl. Einstellungsprotokoll Nr. 2). Sie befinden sich gemeinsam im Auto, Rust sitzt am Steuer und Marty im Beifahrersitz. Marty ist sichtlich aufgebracht, zuvor ist er nachts betrunken zu seiner ehemaligen Affäre Lisa gefahren und hat ihren neuen Liebhaber gewaltvoll konfrontiert (hierzu später mehr). Marty wirkt gedankenverloren und ernst und fragt Rust: „You think a man can love two women at once?“. Marty spricht hier eindeutig von seiner Affäre mit Lisa und wird ersichtlich, dass er mit jemandem sprechen will. Er sucht jedoch nicht offen Rat bei seinem Partner und spricht seine konkrete Situation, sondern sucht den Umweg indem er die Thematik verallgemeinert. Marty scheint die Fähigkeit zu fehlen, seine Probleme unmittelbar emotional konfrontieren zu können. Rust antwortet gewohnt freudlos: „I don’t think that men can love“. Diese generalisierende Aussage, die er hier trifft, sagt etwas über ihn als Person aus. Zum einen offenbart sie seinen eher bedrückt melancholischen Charakter, zum anderen zeigt sie wie Rust über Männer im Allgemeinen denkt und sagt somit auch viel über seine Selbstwahrnehmung als Mann aus. Rust sagt bewusst: „I don’t think men (sic) can love, at least not the way that he means“.
Er spricht hier über alle Männer. Er trifft keine allgemeine Aussage über romantische Beziehungen oder Monogamie, sondern diese ist an das Mannsein gekoppelt. In gewisser Weise gibt er also Männern die Schuld dafür, dass (monogame) Liebe nicht funktionieren kann. Rust wirkt in dieser Szene ruhig und gefasst, Marty eher emotional aufgewühlt und besorgt. Marty fragt Rust schließlich: „You wonder ever of you’re a bad man?“. Worauf Rust nur unbeeindruckt antwortet: „No, I don’t wonder, Marty. The world needs bad men. We keep the other bad men from the door“.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung des Fernsehens als kulturelles Medium ein und begründet den Fokus auf die Serie „True Detective“ zur Analyse medialer Männlichkeitskonstruktionen.
2. Men’s Studies: Dieses Kapitel erläutert die Entwicklung und theoretischen Grundlagen der Männerforschung sowie die kritische Auseinandersetzung mit dem Konstrukt des weißen Heteromannes.
3. Männlichkeit(en) theoretisieren: Entscheidende Konzepte: Hier werden theoretische Konzepte wie die binäre Abgrenzung von Männlichkeit und Weiblichkeit, das performative „Doing Gender“ und das Konzept der hegemonialen Männlichkeit nach Connell erörtert.
4. Zwischenfazit Männlichkeit(en): Ein kurzes Resümee der theoretischen Grundlagen und der wichtigsten Erkenntnisse zum Männlichkeitsbegriff.
5. Die mediale Konstruktion von Männlichkeit(en): Dieses Kapitel beleuchtet das Feld der Gender Media Studies und die Rolle populärer Medien bei der Repräsentation von Gender, mit einem Fokus auf das Genre der „male-centered serial“.
6. Untersuchungsgegenstand: Vorstellung der Serie „True Detective“ als Anthologieserie sowie eine Einordnung des Polizei- und Krimidramas als maskulin geprägtes Genre.
7. Methodisches Vorgehen: Beschreibung der angewandten qualitativen Film- und Fernsehanalyse nach Keppler sowie der verwendeten Hilfsmittel wie Screenshots und Einstellungsprotokolle.
8. Analyse „True Detective“ (Pizzolatto, 2014): Der Hauptteil umfasst die detaillierte Analyse der beiden Staffeln, inklusive der Beziehung der Protagonisten, ihrer Rollen als Väter und Männer sowie ein abschließender Vergleich.
9. Fazit: Die Zusammenfassung der Forschungsergebnisse schließt mit einer Reflexion über die Wirkung und Berechtigung der in „True Detective“ gezeigten Männlichkeitsbilder.
Männlichkeit, Hegemoniale Männlichkeit, Gender Studies, True Detective, Medienanalyse, Film- und Fernsehanalyse, Repräsentation, Doing Gender, Vaterschaft, maskulines Genre, Geschlechterkonstruktion, Intersektionalität, Krimidrama, Filmanalyse, kulturelle Identität.
Die Arbeit analysiert die mediale Inszenierung und Konstruktion von Männlichkeiten in der TV-Serie „True Detective“ unter Einbeziehung medienwissenschaftlicher und soziologischer Theorien.
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung von Männlichkeit(en), die mediale Repräsentation von Geschlecht, die Struktur der „male-centered serial“ sowie das Genre des Polizeikrimis.
Das Ziel ist es, zu untersuchen, wie „True Detective“ hegemoniale Männlichkeitsbilder darstellt und ob die Serie diese tradierten Normen dekonstruiert oder unfreiwillig restituiert.
Es wird eine qualitative Film- und Fernsehanalyse nach dem Ansatz von Keppler durchgeführt, die durch die Verwendung von Einstellungsprotokollen und Screenshots intersubjektiv nachvollziehbar gemacht wird.
Der Hauptteil widmet sich der konkreten Analyse der ersten beiden Staffeln von „True Detective“, insbesondere der Dynamik zwischen den männlichen Protagonisten und ihrer privaten Rollen als Väter und Partner.
Wichtige Begriffe sind hegemoniale Männlichkeit, „Doing Gender“, Intersektionalität, Repräsentation und das Konzept der „male-centered serial“.
Während Staffel 1 stark auf ein rein männliches Duo fokussiert ist, führt Staffel 2 mit der Ermittlerin Ani Bezzerides einen weiblichen Hauptcharakter ein, was die männliche Dominanz des Genres leicht aufbricht.
Vaterschaft fungiert in der Serie als Hauptsäule der Männlichkeit und Urgrund für die Unsicherheit der Protagonisten, da ihr Rollenbild oft mit ihrem beruflichen Leben kollidiert.
Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass die Serie zwar traditionelle Männlichkeitsbilder dekonstruiert, aber daran scheitert, progressive oder positive Alternativen zu den stereotypen männlichen Charakteren anzubieten.
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