Magisterarbeit, 2004
79 Seiten, Note: 1,7
1. EINLEITUNG
2. ESCHATOLOGISCHES DENKEN UM DIE JAHRTAUSENDWENDE
2.1. ANTICHRIST UND APOKALYPSE
2.1.1. Friedenskaiser der Endzeit
2.1.2. De ortu et tempore Antichristi
2.1. DAS JAHR 1000 – INTENSIVIERUNG DER ENDZEITERWARTUNG?
3. DAS UMFELD OTTOS III.
3.1. BYZANTINISCHE EINFLÜSSE
3.2. ERZIEHER UND RATGEBER
3.2.1. Gerbert von Aurillac
3.2.2. Leo von Vercelli
3.3. HEILIGE UND EINSIEDLER
3.3.1. Adalbert von Prag
3.3.2. Romuald von Camaldoli
3.3.3. Nilus von Rossano
3.4 FREUNDE UND VERWANDTE
3.4.1. Gregor V.
3.4.2. Brun von Querfurt
4. ENDZEITBEZOGENE HANDLUNGEN OTTOS III.
4.1. SORGE UM DAS SEELENHEIL
4.1.1. Bußübungen und Pilgerfahrten
4.1.2. Das Versprechen des Amtsverzichtes
4.1.3. Adalbertkult und der „Akt von Gnesen“
4.1.4. Die Öffnung des Karlsgrabes
4.2. RENOVATIO IMPERII ROMANORUM
4.2.1. Herrschertitel Ottos III.
4.2.2. Heidenmission
4.2.3. Die „Familie der Könige“
4.2.4. Endzeiterwartungen in Urkunden
5. SCHLUßBETRACHTUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht das Wirken Ottos III. im Kontext eschatologischer Erwartungen um die erste Jahrtausendwende. Sie geht der Forschungsfrage nach, inwieweit das Handeln des Kaisers durch die Überzeugung geprägt war, in einer Endzeit zu leben, und ob seine politische "Renovatio"-Politik als Versuch verstanden werden kann, das Römische Reich als "Bollwerk" gegen den Antichrist zu stärken oder sich selbst in der Rolle eines Friedenskaisers sah.
2.1. Antichrist und Apokalypse
Die Heilige Schrift besagte, daß dem Weltende kosmische Katastrophen unmittelbar vorausgehen werden. Als weiteres warnendes Vorzeichen galt – nach dem großen Abfall der verschiedenen Völker vom Römischen Reich – das Erscheinen des Antichrists. Dieser Gestalt im Mittelpunkt gewaltiger endzeitlicher Ereignisse wandte sich das besondere Interesse der Theologen zu, die zu erkunden versuchten, ob der Widersacher Gottes als Individuum faßbar sein würde, oder die biblischen Aussagen symbolisch-eschatologisch zu verstehen seien. Schon die Kirchenväter hatten die Ankunft des Antichrists mit zeitgeschichtlichen Geschehnissen in Zusammenhang gebracht. Seinen Auftritt würden Helfer vorbereiten, die nicht selten mit historischen Persönlichkeiten identifiziert wurden.
Setzte man in der jüdischen Auffassung den Antichrist noch mit dem Imperium Romanum gleich, galt dieses später, nun in ein christliches Reich gewandelt, als „Bollwerk“ gegen den Teufel, den man nunmehr aus dem Judentum erwartete. Die Existenz des Römischen Reiches galt den Zeitgenossen als sichere Garantie, daß mit Erscheinen des göttlichen Widersachers noch nicht zu rechnen wäre. Als letztes Weltreich werde das Imperium bis zum Anbruch der Endzeit bestehen, als geschichtlicher Schluß- und Höhepunkt konnte es vor dem Weltende nicht mehr abgelöst, sondern nur noch „übertragen“ werden. Die Weltreichlehre und die Translationsidee verbanden sich im später zu behandelnden Traktat von Adso von Montier-en-Der mit der Antichristsage und der Vorstellung eines Endkaisers.
1. EINLEITUNG: Darstellung der Forschungsdebatte um die Endzeiterwartung in der ottonischen Zeit und der historiographischen Kontroverse um die Person Ottos III.
2. ESCHATOLOGISCHES DENKEN UM DIE JAHRTAUSENDWENDE: Analyse des eschatologischen Hintergrunds, insbesondere der Rolle von Antichrist-Vorstellungen und der Erwartung eines Endkaisers um das Jahr 1000.
3. DAS UMFELD OTTOS III.: Untersuchung der geistigen Mentoren, Eremiten und Freunde des Kaisers und deren Einfluss auf seine religiöse Weltanschauung.
4. ENDZEITBEZOGENE HANDLUNGEN OTTOS III.: Analyse kaiserlicher Bußübungen, der Renovatio-Politik, der Adalbertverehrung und der Graböffnung Karls des Großen unter eschatologischen Gesichtspunkten.
5. SCHLUßBETRACHTUNG: Zusammenfassende Bewertung, wie sehr das Handeln Ottos III. von eschatologischen Motiven und dem Bestreben, ein "Bollwerk" gegen den Antichrist zu errichten, geleitet wurde.
Otto III., Jahrtausendwende, Endzeiterwartung, Antichrist, Renovatio imperii Romanorum, Apokalyptik, Adalbert von Prag, Romuald von Camaldoli, Nilus von Rossano, Eschatologie, Friedenskaiser, Heiligenkult, Bußübungen, Kaiserurkunden, Mittelalter.
Die Arbeit analysiert die religiöse Mentalität Kaiser Ottos III. und seines Umfelds im Hinblick auf apokalyptische Erwartungen, die um das Jahr 1000 im Abendland verbreitet waren.
Zentrale Themen sind die eschatologische Reichstheologie, die asketische Lebensführung des Kaisers, der Einfluss byzantinischer Vorstellungen und die Rolle der Kirche bei der Legitimierung seiner Herrschaft.
Es soll geklärt werden, ob Ottos III. "Renovatio"-Politik und sein Bußverhalten als bewusste Vorbereitung auf das nahende Weltgericht und als Schutz vor dem Antichrist zu deuten sind.
Die Autorin stützt sich auf eine Analyse zeitgenössischer Quellen, insbesondere Chroniken, Lebensbeschreibungen (Vitae), Briefe und kaiserliche Urkunden sowie deren Arengen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des geistigen Umfelds des Kaisers, seiner Bußhandlungen, seiner Renovatio-Politik und des Adalbert- und Karlskultes als Instrumente kaiserlicher Selbstdarstellung.
Die zentralen Schlagworte sind Otto III., Endzeiterwartung, Renovatio imperii Romanorum, Apokalyptik, Bußfrömmigkeit und Heiligenverehrung.
Sie fungierten als geistliche Berater und "Seelenführer", die den Kaiser massiv zu Askese, Weltflucht und der Vorbereitung auf das Seelenheil vor dem Jüngsten Gericht drängten.
Der Titel diente dazu, sich in eine christliche Herrschertradition einzuordnen und seine Stellung als "Apostel" und Stellvertreter Gottes auf Erden zu manifestieren.
Die Handlung wird als Versuch gedeutet, den Apostelkaiser Karl als himmlischen Fürbitter und Vorbild für das Jüngste Gericht in den ottonischen Heiligenkult zu integrieren.
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