Examensarbeit, 2005
40 Seiten, Note: 1,0
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Einleitung
1 Historische Hinführung
2 Xenophanes
2.1 Hinführung
2.2 Kosmologische Entwürfe
2.3 Das neue Gottesbild
2.4 Die erkenntnistheoretische Betrachtung durch K.R. Popper
3 Parmenides
3.1 Das Grundverständnis der parmenideischen Lehre
3.1.1 Hinführung
3.1.2 Das Lehrgedichtes und dessen argumentative Struktur
3.1.3 Attribute des Seienden
3.2 Die Betrachtung durch K.R. Popper
3.2.1 Die beiden Kosmologien
3.2.2 Erkenntnistheoretische Aspekte
4 Zenon
4.1 Hinführung
4.2 Beweise gegen die Vielheit
4.3 Paradoxien der Bewegung
5 Melissos
Schlussbemerkung
Die vorliegende Arbeit rekonstruiert die Entstehung eines kritischen Philosophieverständnisses innerhalb der eleatischen Schule unter besonderer Berücksichtigung der erkenntnistheoretischen und wissenschaftsphilosophischen Perspektive von Karl Raimund Popper.
3.1.3 Attribute des Seienden
[...] weil ungeboren ist es auch unvergänglich, [...] es war nie und wird nie sein, weil es im Jetzt zusammen vorhanden ist als Ganzes, Eines, Zusammenhängendes (Kontinuierliches). [...] Auch teilbar ist es nicht, weil es ganz gleichartig ist. [...] Aber unbeweglich – unveränderlich [...]. Es ist ja nichts und wird nichts anderes sein außerhalb des Seienden [...]. Aber da eine letzte Grenze vorhanden, so ist es vollendet von (und nach) allen Seiten, einer wohlgerundeten Kugel Masse vergleichbar, von der Mitte her überall gleichgewichtig.“
Die Argumentation seiner These, das Seiende sei unentstanden und unvergänglich, stellt Parmenides wie folgt dar: Würde das Seiende entstehen, so müsste es entweder aus dem Seienden selbst oder dem Nicht-Seiendem entstanden sein. Aus einem Seienden kann es insofern nicht entstanden sein, da neben ihm kein weiteres Sein denkbar wäre, aus dem es hätte entstehen können. Aus dem Nicht-Seienden kann es wiederum nicht geboren sein, da Nicht-Seiendes nicht denkbar ist und somit nicht existiert. An dieser Stelle lässt sich ein erster monistischer Ansatz des parmenideischen Seienden dokumentieren, welcher an anderer Stelle des Lehrgedichts noch deutiger pointiert wird. Rapp thematisiert in dem geschilderten Zusammenhang die berechtigte Problematik, ob das Seiende entweder „Ewigkeit oder zeitlose Gegenwart“ ausdrücke. Parmenides gibt darauf eine mögliche Antwort mit Fragment 8,5:
„[...] und es war nie und wird nie sein, weil es im Jetzt zusammen vorhanden ist [...]“
1 Historische Hinführung: Überblick über die Geburt der abendländischen Philosophie von Thales bis Demokrit sowie die geographische Differenzierung in ionische und italische Traditionsstränge.
2 Xenophanes: Untersuchung der Person Xenophanes als Brücke zwischen milesischen Denkern und Eleaten sowie Darstellung seiner kosmologischen Entwürfe, seiner Gotteskritik und Poppers erkenntnistheoretischer Interpretation.
3 Parmenides: Analyse des parmenideischen Lehrgedichts, des Attribut-Systems des Seienden und Poppers Rekonstruktion einer erkenntnistheoretischen Offenbarung sowie der Bedeutung für die moderne Wissenschaft.
4 Zenon: Vorstellung der zenonischen Dialektik, seiner Argumente gegen die Vielheit und der vier berühmten Paradoxien der Bewegung sowie deren physikalisch-mathematische Bedeutung.
5 Melissos: Erörterung der Lehren des Melissos als konsequente Weiterführung der eleatischen Grundmotive, insbesondere im Hinblick auf den strengen Monismus und die Erkenntniskritik.
Schlussbemerkung: Zusammenfassende Betrachtung der eleatischen Philosophie als Ursprung des kritisch-rationalen Denkens und dessen langfristigem Einfluss auf die wissenschaftliche Theoriebildung.
Vorsokratiker, Schule von Elea, Xenophanes, Parmenides, Zenon, Melissos, Karl R. Popper, Erkenntnistheorie, Ontologie, Kritischer Rationalismus, Monismus, Hypothetisches Denken, Wahrheitsannäherung, Dialektik, Logik.
Die Arbeit behandelt die Entwicklung des frühen kritischen Philosophieverständnisses durch die eleatischen Denker und analysiert deren Lehren aus der spezifischen wissenschaftsphilosophischen Perspektive von Karl Raimund Popper.
Im Zentrum stehen die Mitglieder der Schule von Elea: Xenophanes, Parmenides, Zenon und Melissos.
Das Ziel ist die Rekonstruktion einer frühen erkenntnistheoretischen Tradition, die auf hypothetischem Denken und rationaler Begründung basiert, sowie die Einordnung dieser Denker in den Kontext des kritischen Rationalismus.
Die Arbeit stützt sich primär auf die Interpretation vorsokratischer Fragmente durch K.R. Popper, kombiniert mit einer philologischen und philosophiehistorischen Aufarbeitung der antiken Quellen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Kosmologie, Gottesbild und Erkenntnislehre bei Xenophanes, der logischen Struktur von Sein und Nicht-Sein bei Parmenides, den paradoxen Beweisführungen Zenons und dem monistischen System bei Melissos.
Die Arbeit ist gekennzeichnet durch die Verknüpfung antiker antimetaphysischer Ansätze mit modernen Wissenschaftstheorien und das Aufzeigen der Bedeutung dieser Entwicklung für die westliche Zivilisation.
Popper interpretiert Parmenides primär als Kosmologen und Begründer einer hypothetisch-deduktiven Methode, anstatt ihn nur als Sprachanalytiker oder rein ontologischen Metaphysiker zu betrachten.
Zenons Paradoxien dienen als logische Untermauerung der parmenideischen Lehre, indem sie die Annahmen von Vielheit und Bewegung mittels indirekter Beweisführung widerlegen und den Weg für spätere physikalisch-mathematische Analysen bereiten.
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