Examensarbeit, 2004
102 Seiten, Note: 1
1. Forschungsanliegen
THEORETISCHER TEIL
2. Grundpositionen der Sprechakttheorie
2.1. Sprechakttypen
2.2. Weiterentwicklung der Sprechakttheorie
2.3. Taxonomie illokutionärer Akte
2.4. Indirekte Sprechakte
3. Ausgewählte Prinzipien und Maximen verbaler Kommunikation
3.1. Bedeutungnn
3.2. Konversationale Implikaturen, Kooperationsprinzip und Maximen
4. Höflichkeit als Gegenstand der Linguistik
4.1. Begriff der Höflichkeit
4.2. Höflichkeit aus Sicht des ‚Face’-Konzepts
4.3. Höflichkeit aus Sicht der Konversationsmaximen
4.4. Interkulturelle Pragmatik
4.5. Forschungsgegenstand: Komplimenterwiderungen und Ablehnungen
4.5.1. Komplimente und deren Erwiderungen
4.5.2. Anfragen und Ablehnungen
EMPIRISCHER TEIL
5. Methodik der Untersuchung
5.1. Methodische Vorüberlegungen und Hypothesen
5.2. Planung und Durchführung der Datenerhebung
5.3. Verarbeitung und Analyse des Datenmaterials
6. Ergebnisse
6.1. Komplimenterwiderungen
6.2. Ablehnungen
7. Diskussion
7.1. Komplimente und Komplimenterwiderungen
7.1.1. Geschlechtsspezifische Unterschiede
7.1.2. Kulturspezifische Faktoren
7.1.3. Aufbau und Durchführung der Datenerhebung
7.2. Ablehnungen und andere Anfrageerwiderungen
7.2.1. Geschlechtsspezifische Unterschiede
7.2.2. Versuchsleitereffekt
7.2.3. Aufbau und Durchführung der Datenerhebung
8. Fazit
9. Summary
10. Bibliographie
Die vorliegende Arbeit untersucht Höflichkeitsstrategien bei mexikanischen Studierenden, wobei der Fokus auf zwei spezifischen Sprechakten liegt: Komplimenterwiderungen und Ablehnungen von Bitten. Ziel ist es, durch eine empirische Analyse der Kommunikationsmuster zu verstehen, wie kulturelle Konventionen und soziale Faktoren die sprachliche Höflichkeit in diesem Kontext prägen.
4.2. Höflichkeit aus Sicht des ‚Face’-Konzepts
Einer der einflussreichsten Beiträge zur Höflichkeitsforschung, der zahlreichen empirischen Arbeiten als Erklärungsmodell dient, ist das ‚Face’-Konzept von Brown/ Levinson (1978, 1987). Erklärtes Ziel ist die Entwicklung eines formalen Modells zu interkulturellen Universalien der Höflichkeit, wobei fiktive Beispiele des Englischen, Tzeltal (Maya-Sprache aus Chiapas/ Mexiko) und Tamil (Dialekt im Süden Indiens) herangezogen werden.
Als generellen Rahmen ihrer Theorie nennen Brown/ Levinson die Implikatur-Theorie und die Konversationsmaximen von Grice. Ihr Ansatz stellt eine Ergänzung dar, denn: "One powerful and pervasive motive for not talking Maxim-wise is the desire to give some attention to face. […] Politeness is then a major source of deviation from such rational efficiency, and is communicated precisely by that deviation" (1987: 94).
Grundsätzlich gehen die Autoren von drei Hauptstrategien aus, der positiven (‚expression of solidarity’), der negativen (‚expression of restraint’) sowie der ‚off-record’-Höflichkeit (‚avoidance of unequivocal impositions’). Bezüglich positiver Höflichkeit benennen Brown/ Levinson 15 Strategien, deren gesamte Darstellung in diesem Rahmen zu weit führen würde (vgl. 1987: 101f.). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Sprecher einerseits eine gemeinsame Basis anstreben sollte (z.B. “Bringe dein Interesse an dem Adressaten zum Ausdruck“ oder „Vermeide Unstimmigkeiten“ mittels ‚white lies’ und Heckenausdrücken/ ‚hedges’) und andererseits seinen Kooperationswillen verdeutlichen sollte (z.B. „Begründe dein Handeln“ oder „Bekunde dein Interesse an den Bedürfnissen des Adressaten“). Mit der Anwendung negativer Höflichkeit strebe der Sprecher an, durch Zurückhaltung und die Formalität seiner Äußerung die Handlungsfreiheit des Adressaten nicht einzuschränken. Dazu werden zehn Strategien formuliert, die besagen, dass der Sprecher beispielsweise mittels impersonaler Ausdrücke oder Entschuldigungen seinen Einfluss auf den Adressaten zurücknehmen und ihn zu keiner Handlung zwingen sollte (vgl. 1987: 129f.).
1. Forschungsanliegen: Einführung in die Komplexität von Höflichkeit und Darlegung des Studienziels: die Analyse von Komplimenterwiderungen und Ablehnungen bei mexikanischen Studierenden.
2. Grundpositionen der Sprechakttheorie: Erläuterung der Grundlagen der Sprechakttheorie von Austin und Searle als Basis für das Verständnis sprachlicher Handlungen.
3. Ausgewählte Prinzipien und Maximen verbaler Kommunikation: Darstellung der Bedeutungstheorie von Grice sowie des Kooperationsprinzips und seiner Maximen für die Konversationsanalyse.
4. Höflichkeit als Gegenstand der Linguistik: Theoretische Herleitung verschiedener Höflichkeitskonzepte (Face, Konversationsmaximen) und Diskussion von deren Anwendbarkeit im interkulturellen Kontext.
5. Methodik der Untersuchung: Beschreibung des experimentellen Designs, der Datenerhebung mittels Interviews und der methodischen Herangehensweise an das Audiomaterial.
6. Ergebnisse: Präsentation und Kategorisierung der gesammelten Daten zu Komplimenterwiderungen und Ablehnungen im mexikanischen Spanisch.
7. Diskussion: Kritische Analyse der Ergebnisse in Bezug auf die aufgestellten Hypothesen, die soziokulturellen Faktoren der mexikanischen Gesellschaft und die untersuchten Theorien.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Studie und Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten im Bereich der interkulturellen Kommunikation.
9. Summary: Englische Zusammenfassung der Arbeit.
10. Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Höflichkeit, Sprechakttheorie, interkulturelle Pragmatik, Komplimente, Ablehnungen, mexikanisches Spanisch, Face-Konzept, Konversationsmaximen, soziale Distanz, ethnolinguistische Analyse, Kommunikationsstrategien, non-verbale Kommunikation, Geschlechtsspezifik, soziale Variablen, Konversationsimplikaturen.
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Erforschung von Höflichkeitsstrategien in der Alltagskommunikation, spezifisch am Beispiel von Komplimenterwiderungen und Ablehnungen.
Die Schwerpunkte liegen auf der interkulturellen Pragmatik, der Sprechakttheorie sowie der soziolinguistischen Analyse von Höflichkeit unter Berücksichtigung kultureller und geschlechtsspezifischer Faktoren.
Das Ziel ist es, herauszufinden, welche Strategien mexikanische Studierende bei der Erwiderung von Komplimenten und der Ablehnung von Anfragen anwenden und wie diese im Vergleich zu existierenden Modellen zu bewerten sind.
Es wurde eine empirische Untersuchung in Form von teils standardisierten, qualitativ ausgewerteten Interviews (face-to-face) mit mexikanischen Studierenden auf dem Campus der Universität von Morelos durchgeführt.
Der Hauptteil gliedert sich in einen ausführlichen Theorieteil zur Sprechakttheorie und Höflichkeitsforschung sowie einen empirischen Teil, der die methodische Vorgehensweise, die Ergebnisse der Datenerhebung und deren kritische Diskussion umfasst.
Wichtige Begriffe sind Höflichkeit, Sprechakttheorie, interkulturelle Pragmatik, Komplimente, Ablehnungen sowie soziolinguistische Faktoren wie soziale Distanz und Geschlechterrollen.
Komplimente werden in der Arbeit als "Face Threatening Acts" (FTA) analysiert, um zu verstehen, wie Adressaten mit dem durch das Kompliment ausgelösten sozialen Dilemma (Bescheidenheit vs. Zustimmung) umgehen.
Die Studie zeigt signifikante Unterschiede in den Reaktionen der Probanden in Abhängigkeit vom Geschlecht und äußeren Erscheinungsbild der Interviewer, was als Versuchsleitereffekt in der Diskussion kritisch hinterfragt wird.
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