Magisterarbeit, 2004
113 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1 Der Sport als Distinktionsmittel
2 Bourdieus Kultursoziologie
2.1 Der Habitusbegriff
2.1.1 Der Habitus als Gedächtnisstütze
2.1.2 Der Klassenhabitus
2.1.3 Das Habituskonzept zwischen Determinismus und Freiheit
2.2 Der Kapitalbegriff
2.3 Soziale Klassen und Soziale Stellung
2.4 Der Raum der Lebensstile und der Geschmacksbegriff
2.5 Der Sportgeschmack von sozialen Klassen
3 Ältere Menschen und ihre gesellschaftliche Stellung
3.1 Demografische Entwicklung
3.2 Wann ist man alt? Grenzen und Definitionen
3.3 Soziale Ungleichheit im Alter
3.4 Die Lebenssituation der Älteren
3.5 Sport im Alter
4 Anlage der Untersuchung
4.1 Gegenstand der Untersuchung
4.2 Methodologische Grundentscheidung
4.2.1 Forschungsfrage
4.2.2 Operationalisierung
4.3 Auswahl der Probanden
4.4 Erhebungsinstrumente
4.5 Datenauswertung
4.6 Das Kategoriensystem
5 Die Kurzportraits
Frau Niebaum: „Leute aus allen Schichten“
Herr Günther: „kann ich tun und lassen was ich will“
Herr Meyer: „man spielt ja gegen sich“
Herr Wanzke: „Welche mit Krawatte und Leute im Trainingsanzug“
Herr Herold: „Solange wir durch den Wald reiten, wird nicht gesprochen“
6 Diskussion
7 Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht, inwiefern der Sportgeschmack älterer Menschen als Distinktionsmittel im Sinne der kultursoziologischen Theorie von Pierre Bourdieu fungiert und ob ein systematischer Zusammenhang zwischen der Wahl einer Sportart und der sozialen Position im Alter besteht.
2.1.1 Der Habitus als Gedächtnisstütze
Wie erlangt man nun diesen Habitus? Der Habitus wird von gesellschaftlichen Einflüssen und nicht vom Akteur selbst geprägt, so dass im Habitus das Individuelle immer etwas Kollektives ist. Auch zu beschreiben als sozialisierte Subjektivität oder Verinnerlichung der äußeren Bedingungen. Nun ist es so, dass der Habitus nicht angeboren, sondern aus der Geschichte der eigenen subjektiven Erfahrungen heraus zu kristallisieren und dadurch Teil des Unbewussten ist. Die im Habitus inkorporierten − Bourdieu spricht von Inkorporation, wenn externe soziale Strukturen in dauerhafte innere Strukturen transferiert werden − und verinnerlichten Strukturen werden zur zweiten Natur, also zur Kultur (vgl. Schwingel 1995, S. 56 f.). Mit anderen Worten: es entsteht ein doppelter Prozess der „Interiorisierung der Exteriorität“ und der „Exteriorisierung der Interiorität“, wenn eine Beziehung zwischen den objektiven Strukturen und den strukturierten Dispositionen, die diese zu aktualisieren und zu reproduzieren trachten, die Erkenntnisweise bestimmt (vgl. Bourdieu 1976, S. 147 und Bourdieu 1987, 102).
Die Einverleibung von Objektivität ist demzufolge die Verinnerlichung kollektiver Schemata, da das, was verinnerlicht wird, das Produkt der Entäußerung einer ähnlich strukturierten Subjektivität darstellt. Also sowohl eine Entäußerung der Innerlichkeit wie eine Verinnerlichung der Äußerlichkeit (vgl. Bourdieu 1976, S. 170). Einfacher, „indem die Umwelt auf den Menschen einwirkt, trägt sie zu dessen Identitätsbildung bei; gleichzeitig führt menschliches Handeln zu Resultaten, die Spuren in der Umwelt hinterlassen“. Somit prägt nicht nur die Gesellschaft das Individuum, sondern das Individuum auch die Gesellschaft (vgl. Weiß 1999, S. 70 f.).
Einleitung: Einführung in die sportsoziologische Relevanz des Alters und der Forschungsfrage nach Distinktion im Seniorensport.
1 Der Sport als Distinktionsmittel: Theoretische Einordnung des Sports als Ausdruck gesellschaftlicher Strukturen und kulturelles Produkt.
2 Bourdieus Kultursoziologie: Darstellung des Habitus- und Kapitalbegriffs sowie des Modells des sozialen Raums zur Analyse von Lebensstilen.
3 Ältere Menschen und ihre gesellschaftliche Stellung: Soziodemografische Analyse der Lebenssituation, Ungleichheit und Sportaktivität im Alter.
4 Anlage der Untersuchung: Erläuterung des Forschungsdesigns, der Methodik des qualitativen Leitfadeninterviews und der Operationalisierung der Begriffe.
5 Die Kurzportraits: Vorstellung der empirischen Ergebnisse anhand von Kurzportraits der interviewten Sportler.
6 Diskussion: Kritische Reflexion der Ergebnisse und Auseinandersetzung mit alternativen Theorien zur Lebensstilforschung.
7 Zusammenfassung: Abschließendes Fazit der Arbeit und Beantwortung der Forschungsfrage.
Pierre Bourdieu, Habitus, Sportgeschmack, Distinktion, Alterssport, Soziale Schichtung, Kapitalformen, Lebensstil, Sportsoziologie, Qualitative Sozialforschung, Seniorensport, Sozialer Raum, Distinktionsmittel, Körperhabitus, Soziale Ungleichheit.
Die Arbeit untersucht, ob Sportgeschmack bei älteren Menschen als Mittel zur sozialen Unterscheidung (Distinktion) dient.
Zentral sind die Kultursoziologie von Pierre Bourdieu, die Lebenssituation älterer Menschen und die Bedeutung des Sports als kulturelles Gut.
Die Frage lautet: Fungiert ein Sportgeschmack bei älteren Menschen in Abhängigkeit von ihrer sozialen Position als Distinktionsmittel?
Es wird ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der Leitfadeninterviews mit älteren Sporttreibenden umfasst.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Habitus, Kapital, sozialer Raum), eine soziodemografische Analyse der Zielgruppe und die Durchführung sowie Auswertung der Interviews.
Die wichtigsten Begriffe sind Bourdieu, Habitus, Distinktion, Alterssport und soziale Schichtung.
Die Gruppe wurde gewählt, um die Anwendbarkeit von Bourdieus Klassentheorie auf eine Lebensphase zu prüfen, die sich durch spezifische soziale Übergänge wie die Verrentung auszeichnet.
Nach Bourdieu ist der Körper ein Speichermedium kultureller Prägungen; der Körperhabitus offenbart dabei oft unbewusst die Klassenzugehörigkeit.
Es konnte gezeigt werden, dass die Wahl einer Sportart nicht rein zufällig ist, sondern habituell mit den sozialen Voraussetzungen und dem Bedürfnis nach Selbstverwirklichung korrespondiert, auch wenn Distinktionsbemühungen im Alter eine komplexere Form annehmen.
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