Masterarbeit, 2017
51 Seiten, Note: 1
Geschichte Deutschlands - Erster Weltkrieg, Weimarer Republik
1. Rahmenbedingungen und Fragestellungen
1.1 Thematische Einführung
2. Historischer Überblick zum Umgang mit Abfall
2.1 Terminologie zur Geschichte des Abfalls und andere Begrifflichkeiten
2.2 Umweltgeschichte: Umgang mit Ressourcen, Nachhaltigkeit und Recycling als Denkmodelle
2.3 Geistesgeschichtlicher Hintergrund: Modernität im 19. Jahrhundert
2.4 Medizingeschichte: Hygienebewegung und medizinischer Fortschritt
2.5 Kommunalgeschichte: Institutionelle Reformen in Preußen und die akute Frage der Müllbeseitigung
3. Berlin-Charlottenburg – eine preußische Stadt im 19. und 20. Jahrhundert
3.1 Voraussetzungen für die Einführung der Mülltrennung in Berlin-Charlottenburg 1907
3.2 Entscheidung für das Dreiteilungssystem und Probleme
3.3 Erste Bilanz 1911
3.4 Endgültiges Scheitern des Dreiteilungssystems 1917
3.5 Exkurs: Gender
4. Fazit
4.1 Wer versagte bei der Mülltrennung? – Protagonisten und Interessen
5. Ausblick: Die überforderten Abfalltrenner – damals und heute
Diese Arbeit untersucht die Einführung und das Scheitern des "Dreiteilungssystems" zur Mülltrennung in Berlin-Charlottenburg zwischen 1907 und 1917. Ziel ist es, die vielfältigen gesellschaftlichen, ökonomischen und institutionellen Faktoren zu identifizieren, die zu diesem frühen Mülltrennungsexperiment führten und schließlich dessen Scheitern herbeiführten.
3.1 Voraussetzungen für die Einführung der Mülltrennung in Berlin-Charlottenburg 1907
Wenn man den Ausführungen von Maria Curter zum Abfuhrwesen folgt, war es ein Charlottenburger Stadtbaurat, nämlich Samuel-Leopold Kinsbrunner, der wichtige technische Elemente zur staubfreien Müllabfuhr erfunden hat: einen verzinkten eisernen Müllkasten mit einem Schiebedeckel und einen dicht geschlossenen Sammelkasten im Abfuhrwagen, an dessen Unterseite sich Klappen befanden, „die der staubfreien Entleerung des Wageninhaltes in Schiffe, Eisenbahnwagen oder Verbrennungsanstalten dienten“.
Um 1901 beherrschten vier große Unternehmen den „Berliner Müllmarkt“, zu denen auch schon die erwähnte „Firma Bruno Röhrecke“ gehörte. Für die weitere „Verwendung“ des Abfalls standen fortan drei verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, wobei die landwirtschaftliche Verwendung zu dieser Zeit kaum noch von Bedeutung war: a) Lagern auf Deponien, meist außerhalb der Städte; b) Kompostieren (landwirtschaftliche Verwendung und Verwertung); c) Verbrennen.
In vielen deutschen Städten wurden Versuche unternommen, den angefallenen Müll zu verbrennen, mit unterschiedlichen Erfolgen und Erkenntnissen. In Berlin wurde mit einem „Kostenaufwand von etwa 130.000 Mark“ festgestellt, dass der Brennwert des Berliner Mülls wegen zu geringem Kohlerestanteil sehr niedrig war. Man verwarf – ähnlich wie in anderen deutschen Städten zur Jahrhundertwende – die Müllverbrennung.
1. Rahmenbedingungen und Fragestellungen: Einführung in das Thema der Mülltrennung im frühen 20. Jahrhundert und Formulierung der zentralen Forschungsfragen.
2. Historischer Überblick zum Umgang mit Abfall: Analyse der geschichtlichen Entwicklung des Abfallwesens von der Antike bis zur Industrialisierung.
3. Berlin-Charlottenburg – eine preußische Stadt im 19. und 20. Jahrhundert: Detaillierte Betrachtung der städtischen Entwicklung Charlottenburgs und der spezifischen Einführung des Dreiteilungssystems.
4. Fazit: Zusammenfassende Beurteilung der Faktoren, die zum Scheitern des Systems führten, unter Einbeziehung ökonomischer und sozialer Aspekte.
5. Ausblick: Die überforderten Abfalltrenner – damals und heute: Reflexion über die Kontinuität der Herausforderungen bei der Mülltrennung vom 19. Jahrhundert bis in die heutige Zeit.
Mülltrennung, Berlin-Charlottenburg, Dreiteilungssystem, Abfallwirtschaft, Kommunalgeschichte, Modernisierung, Stadtentwicklung, Hygienewissenschaft, Ressourcennutzung, Müllverbrennung, Magistrat, 20. Jahrhundert, Kaiserreich, Stadtreinigung, Recycling.
Die Arbeit untersucht das 1907 in Berlin-Charlottenburg eingeführte, innovative "Dreiteilungssystem" zur Mülltrennung, das jedoch 1917 als gescheitert angesehen und eingestellt wurde.
Die Themenfelder umfassen die Umwelt- und Medizingeschichte, die Kommunalverwaltung des Deutschen Kaiserreichs, die Rolle technischer Innovationen bei der Müllentsorgung sowie sozioökonomische Faktoren des frühen 20. Jahrhunderts.
Das Ziel ist es, die spezifischen Beweggründe für die Einführung der Mülltrennung zu analysieren und zu klären, warum das System trotz ambitionierter Ziele letztlich scheiterte.
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer umfassenden Literaturübersicht sowie der Auswertung von Magistratsakten und zeitgenössischen Zeitungsartikeln basiert.
Der Hauptteil analysiert die historischen und institutionellen Hintergründe, die städtebauliche Entwicklung Charlottenburgs, die technischen Aspekte der Müllabfuhr sowie die politischen und sozialen Konflikte zwischen den beteiligten Akteuren.
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören Mülltrennung, Berlin-Charlottenburg, Dreiteilungssystem, Kommunalgeschichte, Stadtreinigung und Modernisierung.
Das System litt unter zu knapper Kalkulation, hohen operativen Kosten für Personal und Transport sowie unvorhergesehenen Krisen wie der Schweinepest, welche die Einnahmen aus der Schweinemast in Seegefeld einbrechen ließen.
Die Polizei, die anfangs als Überwachungsorgan vorgesehen war, weigerte sich ab 1911 zunehmend, autoritär gegen Müllsünder vorzugehen, was die Durchsetzung der Trennungsvorschriften im privaten Haushalt unmöglich machte.
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