Magisterarbeit, 2017
93 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Zur Forschungslage
3. Grundlagen zur Schwerhörigkeit im Alter
3.1 Prävalenz und Begriffsbestimmungen
3.2 Stand und Ablauf der Hörgeräteversorgung
4. Folgen von Schwerhörigkeit im Alter
4.1 Soziologie des Hörens - Primäre Auswirkungen von Schwerhörigkeit
4.2 Stigmatisierung - Sekundäre Auswirkungen von Schwerhörigkeit im Alter
4.3 Umgang mit der Stigmatisierung
5. Identitätsproblematik durch Schwerhörigkeit im Alter
5.1 Herausforderung der Neuidentifizierung
5.2 Leib-Körper-fundiertes Identifikationsmodell von Gugutzer
6. Fragestellung und Methode der qualitativen Untersuchung
7. Ergebnisse der Interviewauswertung
7.1 Auswertung der Experteninterviews
7.2 Auswertung der Kundeninterviews
8. Diskussion und Schlussfolgerung
9. Literaturverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen der Unterversorgung mit Hörgeräten bei älteren Menschen und analysiert, wie sich die Schwerhörigkeit im Alter auf die Identität und das soziale Leben der Betroffenen auswirkt, wobei ein besonderer Fokus auf Stigmatisierungsprozessen liegt.
4.1 Soziologie des Hörens - Primäre Auswirkungen von Schwerhörigkeit
Nachdem die Grundlagen der Schwerhörigkeit im Alter dargelegt wurden, widmet sich das folgende Kapitel dem klassischen Text Simmels über die Soziologie der Sinne. Es werden Kernaussagen über den Gehörsinn und seine Funktionen herausgefiltert und mit Aussagen der aktuellen Forschungsliteratur gegeneinandergestellt.
Simmels Essays „Exkurs über die Soziologie der Sinne“ und „Soziologie der Sinne“ beinhalten nahezu den gleichen Text. Der Unterschied der beiden Essays ist, dass der „Soziologie der Sinne“ eine Einführung vorangestellt ist, während im „Exkurs“ die zusätzliche Thematisierung des Geschlechtssinnes stattfindet. In der hier folgenden Untersuchung werden beide Inhalte berücksichtigt. Es wird besondere Aufmerksamkeit auf die Aussagen über das Gehör gelegt, die in den beiden Versionen des Textes nahezu identisch sind.
In seiner Einleitung schreibt Simmel: „Daß wir uns überhaupt in Wechselwirkungen verweben, hängt zunächst davon ab, daß wir sinnlich aufeinander wirken“ und „jeder Sinn liefert nach seiner Eigenart charakteristische Beiträge für den Aufbau der vergesellschafteten Existenz, den Nuancierungen seiner Eindrücke entsprechen Besonderheiten der sozialen Beziehung, das Überwiegen des einen oder des andern Sinnes in der Berührung der Individuen verleiht oft dieser Berührung eine sonst nicht herstellbare soziologische Färbung.“
Eine erste Aussage Simmels lautet: „Die Tatsache, daß wir überhaupt den Nebenmenschen sinnlich wahrnehmen, entwickelt sich nach zwei Seiten hin, deren Zusammenwirken von fundamentaler soziologischer Bedeutung ist.“ Die erste Richtung, in die ein Sinneseindruck wirkt, ist in das Subjekt hinein. Dort löst der Sinneseindruck Gefühle aus. Die zweite Richtung ist „zu dem Objekt hinaus, als Erkenntnis seiner“. Der Sinneseindruck liefert also gleichzeitig einen Gefühlswert und einen Kenntniswert, er enthält eine emotional und eine kognitiv Dimension. Als Beispiel nennt Simmel den Sprachlaut und seine Bedeutung. Im gesprochenen Satz hört man den Ton der Stimme, der emotional anziehend oder abstoßend wirken kann und den Inhalt des Gesagten, der zu einer sachlichen Erkenntnis führt. Diese Aussage gilt für alle wahrnehmenden Sinne.
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Hörgeräte-Unterversorgung und Darlegung der Forschungsfragen sowie methodischen Vorgehensweise.
2. Zur Forschungslage: Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu Schwerhörigkeit bei älteren Menschen und Identitätsprozessen.
3. Grundlagen zur Schwerhörigkeit im Alter: Definition von Begriffen und Darstellung des offiziellen Versorgungsweges in Deutschland.
4. Folgen von Schwerhörigkeit im Alter: Untersuchung soziologischer Theorien zum Hören und der psychologischen Folgen durch Stigmatisierung.
5. Identitätsproblematik durch Schwerhörigkeit im Alter: Analyse der Herausforderungen bei der Identitätsbildung unter Verwendung des Modells von Gugutzer.
6. Fragestellung und Methode der qualitativen Untersuchung: Erläuterung der Forschungsdesign-Entscheidungen und der Durchführung der Experten- sowie Kundeninterviews.
7. Ergebnisse der Interviewauswertung: Präsentation der gewonnenen Erkenntnisse aus den Experten- und Kundeninterviews bezüglich Identität und Versorgung.
8. Diskussion und Schlussfolgerung: Synthese der Ergebnisse und Beantwortung der Forschungsfragen sowie Ausblick für zukünftige Studien.
9. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen.
Schwerhörigkeit, Alter, Identität, Hörgeräte, Stigmatisierung, Soziologie, Hörgeräteakustik, Lebensqualität, Kommunikation, Neuidentifizierung, qualitative Sozialforschung, Versorgungsgrad, Gehörsinn, Hörverlust, Gerontologie.
Die Arbeit untersucht die soziologischen und psychologischen Hintergründe der Hörgeräte-Unterversorgung bei älteren Menschen und wie sich Schwerhörigkeit im Alter auf die persönliche Identität auswirkt.
Zentrale Themen sind die Soziologie des Hörens, Stigmatisierungsprozesse durch den Hörverlust sowie die Identitätskrise beim Übergang in das Alter.
Das Ziel ist es, die Faktoren zu identifizieren, die eine erfolgreiche oder eben ausbleibende Hörgeräteversorgung beeinflussen und die Rolle der Identität dabei zu klären.
Es handelt sich um eine qualitative Untersuchung, die auf Experteninterviews mit Hörgeräteakustikern und Kundeninterviews mit betroffenen Hörgeräteträgern basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen soziologischer Art, das Identitätsmodell von Gugutzer sowie die empirische Auswertung der geführten Interviews.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Schwerhörigkeit, Alter, Identität, Stigmatisierung und Hörgeräteversorgung.
Viele versuchen, die Schwerhörigkeit zu verbergen (z.B. durch Haare), oder sehen das Hörgerät als notwendiges Übel an, wobei der schleichende Prozess des Hörverlusts die Akzeptanz erschwert.
Die Interviews zeigten, dass die Betroffenen dem Gerät durch diese distanzierte Bezeichnung eine gewisse Fremdheit zuschreiben, da es sich nicht als natürlicher Teil des eigenen Körpers anfühlt.
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