Masterarbeit, 2011
85 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
Einführung
1. Die Unterschiede zwischen der 1. und 2. Generation der Einwanderer in Deutschland und Frankreich
2. Erläuterung der Grundbegriffe und Konzepte
2.1 Das Cinéma du métissage
2.2 Das Cinéma beur
2.3 Das Accented Cinema
2.4 Das "writing back"/"filming back"
3. Vom Migrantenkino zu einem Cinéma du métissage
3.1 Die Darstellung des Fremden in Hark Bohms YASEMIN (1988)
3.1.1 „Othering“ – Wie die türkische Kultur zum Fremden wird
3.1.2 „Es war einmal ein mutiger Ritter...“ ̶ Brautwerbung im 20. Jahrhundert
3.2 "filming back" in Fatih Akins GEGEN DIE WAND (2004)
3.2.1 Cahit und Sibel – Transkulturelle Figuren
3.2.2 Das Motiv der Scheinehe
3.2.3 Bewegungen im transkulturellen Raum
3.2.4 Zwischenfazit
4. "filming back" im Cinéma beur
4.1 Fremdheit in Matthieu Kassovitz' LA HAINE (1995)
4.1.1 Das (koloniale) Fremde in LA HAINE
4.1.2 „Wo Macht ist, ist auch Widerstand“ ̶ Die Stimme des marginalisierten Subjekts in LA HAINE
4.2 Transkulturalität in Abdellatif Kechiches LA GRAINE ET LE MULET (2007)
4.2.1 Portrait einer franco-arabischen Familie
4.2.2 Ein Restaurant-Schiff als Metapher für kulturelle Hybridität
5. Reflexion über die Anwendung des "filming back"-Konzepts in den analysierten Filmen
6. Schluss
Die Arbeit untersucht, wie Migrationsgeschichten in ausgewählten deutschen und französischen Filmen als Form des kulturellen Widerstands neu erzählt werden. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, welche Transkulturationsmuster dem Cinéma beur sowie dem deutsch-türkischen Kino zugrunde liegen und worin sich deren jeweilige Strategien des "filming back" unterscheiden.
3.2.2 Das Motiv der Scheinehe
„Ich wollte einen Film machen, der eine Liebesgeschichte erzählt von Borderlinern – von Menschen, die sich weh tun, um sich klar zu machen: ,Ich lebeʼ“, sagt Akin in einem Interview über GEGEN DIE WAND (vgl. Reuters, 16.02.2004). In dieser Aussage steckt der Kern des Films: Akin hätte durchaus eine klassische interkulturelle Liebesbeziehung, die die Hindernisse und Grenzen zwischen der deutschen und der türkischen Kultur überwinden muss, inszenieren können. Ihm ging es aber gerade nicht um die Symbiose von zwei sich sonst nicht treffenden Kulturen, sondern vielmehr darum zu zeigen, dass Migration und Transkulturalität eine Selbstverständlichkeit des Lebens in den Großstädten des 21. Jahrhunderts sind. Mit „Borderlinern“ kann beides gemeint sein: die Menschen, die von dieser Krankheit betroffen sind und (kulturelle) Grenzgänger, die sich stets in einem konfliktreichen Prozess des Aushandelns von Differenzen befinden.
Anstatt also von einer interkulturellen Liebe mit einem Happy-End durch die Auflösung aller Konflikte zu erzählen, nimmt Akin das bekannte Motiv der Scheinehe auf und bettet es in den realistischeren, transkulturellen Kontext ein. Sibel und Cahit begegnen sich zum ersten Mal nach ihrem Suizidversuch im Wartezimmer eines Psychiaters. Als Sibel Cahits türkischen Namen vernimmt, macht sie ihm kurzerhand einen Heiratsantrag, denn Sibels Eltern akzeptieren für ihre Tochter nur einen türkischen Ehemann. Unter dem Deckmantel einer Scheinehe mit Cahit könnte Sibel endlich frei und ausgelassen leben, wie sie Cahit mit den Worten: „Ich will leben, ich will tanzen, ich will ficken und nicht nur mit einem Typen“ (13:34) deutlich zu verstehen gibt. Das Motiv der Scheinehe ist als Gegendiskurs zur Thematisierung der Zwangsehe zu verstehen, die zum Beispiel in YASEMIN anklingt und ein gängiges Klischee von türkischen Familienstrukturen darstellt. Sibel nutzt den „in-between space“ zwischen dem türkischen und dem deutschen Wertesystem, indem sie den Wunsch ihrer Eltern, einen Türken zu heiraten, erfüllt und sich damit gleichzeitig ihre persönliche Freiheit erkämpft.
Einleitung: Einführung in das Thema des transnationalen Kinos und die zentrale Problemstellung der Repräsentation von Migration.
Einführung: Historischer Überblick über die Migrationsgeschichten in Deutschland und Frankreich sowie Einführung zentraler Konzepte wie Cinéma du métissage.
1. Die Unterschiede zwischen der 1. und 2. Generation der Einwanderer in Deutschland und Frankreich: Darstellung der divergenten sozialen und historischen Kontexte der Migrationsgenerationen.
2. Erläuterung der Grundbegriffe und Konzepte: Theoretische Definitionen von Cinéma du métissage, Cinéma beur, Accented Cinema und dem Konzept des "writing back"/"filming back".
3. Vom Migrantenkino zu einem Cinéma du métissage: Filmanalysen der deutschen Filme YASEMIN und GEGEN DIE WAND im Kontext der filmischen Entwicklung.
4. "filming back" im Cinéma beur: Filmanalysen der französischen Filme LA HAINE und LA GRAINE ET LE MULET im Hinblick auf deren Umgang mit Marginalisierung.
5. Reflexion über die Anwendung des "filming back"-Konzepts in den analysierten Filmen: Zusammenführende Betrachtung der Konzepte und deren Anwendbarkeit auf die verschiedenen Kinos.
6. Schluss: Zusammenfassung der Ergebnisse und Beantwortung der Ausgangsfrage zur Transkulturalität und den Strategien des "filming back".
Transkulturalität, Migrationskino, Cinéma du métissage, Cinéma beur, filming back, Othering, Identität, Hybridität, Postkolonialismus, Integration, Generationenkonflikt, Deutschland, Frankreich, Repräsentation, Raumtheorie.
Die Arbeit untersucht das filmische Schaffen von Regisseuren mit Migrationshintergrund in Deutschland und Frankreich und wie diese durch ihre Filme kulturelle Widerstandsstrategien entwickeln.
Die zentralen Themen sind die Darstellung von Migration, die Überwindung von kulturellen Stereotypen, die Rolle des Regisseurs als transkulturelles Subjekt und der Prozess der Identitätsbildung in einer postkolonialen Gesellschaft.
Ziel ist es herauszufinden, welche Transkulturationsmuster den untersuchten Filmen zugrunde liegen und wie sich das Konzept des "filming back" spezifisch auf die untersuchten Kinos anwenden lässt.
Die Autorin verwendet eine filmanalytische Methode, die auf filmtheoretischen und kulturwissenschaftlichen Konzepten, insbesondere postkolonialen Theorien (wie Bhabha und Ashcroft), basiert.
Im Hauptteil werden vier spezifische Filme (Yasemin, Gegen die Wand, La Haine, La Graine et le Mulet) analysiert und hinsichtlich ihrer Strategien gegen kolonial geprägte Erzählmuster untersucht.
Wichtige Begriffe sind Transkulturalität, Filming Back, Othering, Hybridität und Postkolonialismus.
Das Konzept dient als theoretischer Rahmen, um zu prüfen, ob und wie Regisseure der zweiten und dritten Einwanderergeneration die Perspektive des imperialen Zentrums in ihren Filmen dekonstruieren.
Während im deutsch-türkischen Kino (insb. Akin) die individuelle Befreiung und transnationale Bewegung im Vordergrund steht, ist das Cinéma beur stärker an die spezifischen sozio-ökonomischen Bedingungen der französischen Banlieues gebunden.
Kechiche wird als Regisseur analysiert, der den Fokus auf einen humanistischen Ansatz legt und sich von der stigmatisierenden Darstellung des "Beur-Kinos" löst, womit er die Grenzen klassischer Widerstandskonzepte erweitert.
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