Diplomarbeit, 2005
236 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung (Acar & Karrasch)
2. Die historische Entwicklung der institutionellen Rahmenbedingungen im deutschen Ausbildungssystem (Karrasch)
2.1 Die Gründungsphase des Berufsausbildungssystems (1870 – 1920)
2.2 Die Konsolidierungsphase (1920 – 1970)
2.2.1 Die industrietypische Ausbildung und die Entwicklung der Berufsschule während der Weimarer Republik und des NS-Staates
2.2.2 Die Reformbestrebungen nach 1945
2.3 Die Ausbauphase des dualen Systems der Berufsausbildung ab 1970: Staatseinfluss und Rationalisierung
2.3.1 Einführung der beruflichen Grundbildung
2.3.2 Die Finanzierungsfrage
2.3.3 Der Ausbau und die Stabilisierung der Überbetrieblichen Ausbildungsstätten (ÜBS)
2.3.4 Die Neuordnung und Reduktion der Ausbildungsordnungen im System der anerkannten Ausbildungsberufe
2.3.5 Die Institutionalisierung der Abstimmung zwischen schulischer und betrieblicher Ausbildung
2.3.6 Die Qualifikation der betrieblichen Ausbilder
2.4 Versuche einer Bildungsreform: die politischen Auseinandersetzungen der 70er Jahre
3. Die Grundstrukturen der beruflichen Bildung im gegenwärtigen Ausbildungssystem (Karrasch)
3.1 Das deutsche Schul- und Bildungssystem (Karrasch)
3.1.1 Elementar- und Primarbereich (Karrasch)
3.1.2 Der Sekundarbereich I (Karrasch)
3.1.3 Der Sekundarbereich II (Karrasch)
3.1.4 Das Hochschulwesen (Karrasch)
3.1.5 Die Bedeutung formaler Bildungsabschlüsse (Karrasch)
3.2 Das duale System und seine Funktionselemente (Karrasch)
3.2.1 Der Ausbildungs- und Beschäftigungsmarkt der Bundesrepublik (Karrasch)
3.2.1.1 Alte Bundesländer (Acar)
3.2.1.2 Die neuen Bundesländer und Berlin (Acar)
3.2.2 Funktionselement: Berufsbildungsrecht (Karrasch)
3.3 Die Lernorte im dualen System der Berufsausbildung (Karrasch)
3.3.1 Der Lernort Betrieb (Karrasch)
3.3.2 Der Lernort Berufsschule (Acar)
3.3.3 Die „Überbetrieblichen Berufsbildungsstätten“ (ÜBS) (Acar)
4. Theoretische Ansätze zur Erklärung von Benachteiligungen im dualen Ausbildungssystem (Karrasch)
4.1 Soziale Ungleichheit durch Habitus und Lebensstil (Karrasch)
4.1.1 Auswirkungen des Habitus auf das Schulsystem (Karrasch)
4.1.2 Auswirkungen des Habitus auf die Erwerbstätigkeit (Karrasch)
4.2 Integrationstheorie: Der soziale Prozess der Ein- und Zuordnung verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen (Acar)
4.2.1 Die vier Integrationsprozesse nach Eisenstadt (Acar)
4.3 Extremfälle der Integration (Acar)
4.3.1 Die drei Integrationsformen nach Esser (Acar)
4.4 Die begriffliche Dimension der Eingliederung von Migranten (Acar)
5. Benachteiligung von Jugendlichen mit geringer Schulbildung (Schwerpunkt: Karrasch)
5.1 Schulische Sozialisation
5.2 Was vermittelt Schule?
5.3 Die Selektion der Schule
5.3.1 „Schulversager“: Warum fällt das Lernen (zu lernen) so schwer?
5.3.2 Schulverweigerer
5.3.3 Schulabbrecher
5.3.4 Individuelle Beeinträchtigung und Lernbeeinträchtigte
5.4 Verschlechterte Zukunftschancen bei einer geringen Schulbildung im Kontext der Bildungsexpansion
5.5 Jugendliche mit und ohne Hauptschulabschluss in Ausbildungsberufen
5.6 Resümee
6. Benachteiligung ethnischer Minderheiten im System der dualen Ausbildung (Schwerpunkt: Acar)
6.1 Die Entstehung und Entwicklung der Ausländerpolitik
6.1.1 Die drei größten Zuwanderergruppen in der BRD
6.2 Nichtdeutsche Jugendliche zwischen zwei Kulturen und ihre Probleme der Anpassung
6.3 Integration in die Arbeits- und Lebenswelt
6.4 Die berufliche Integration der Migranten in Deutschland
6.5 Der Ausbildungsstand ausländischer Jugendlicher in Deutschland
6.5.1 Ursachen und Erklärungsansätze für die geringe Bildung und somit für den Rückgang der Ausbildungsquoten ethnischer Minderheiten
6.5.1.1 Ausbildungsbeteiligung und Berufswahl
6.5.1.2 Das Sprachdefizit – Die Bedeutung der Sprache für die Integration und für die Berufsausbildung ausländischer Jugendlicher
6.5.1.3 Das Elternhaus
6.5.1.4 Das Selektionsverhalten der Ausbildungsbetriebe
6.6 Resümee
7. Perspektiven in der beruflichen Benachteiligtenförderung (Karrasch)
7.1 (Gesetzliche) Grundlagen bei der Förderung von benachteiligten Jugendlichen (Karrasch)
7.1.1 Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (Karrasch)
7.1.2 Ausbildungsbegleitende Hilfen (Karrasch)
7.2 Berufsvorbereitende Maßnahmen als intermediäre Sozialisationsinstanz (Karrasch)
7.2.1 Die Sozialisationsrelevanz berufsvorbereitender Maßnahmen (Karrasch)
7.3 Förderungsmaßnahmen für benachteiligte Jugendliche (Acar)
7.3.1 Die Berufsausbildungsvorbereitung (Acar)
7.3.1.1 Berufsausbildungsvorbereitende Förderung benachteiligter Jugendlicher durch die Bundesagentur für Arbeit (Acar)
7.3.1.2 Berufsausbildungsvorbereitende Förderung benachteiligter Jugendlicher durch die Schule und Jugendhilfe (Acar)
7.3.2 Die sozialpädagogisch orientierte Berufsausbildung (Acar)
7.3.2.1 Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) (Acar)
7.3.2.2 Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BüE) (Acar)
7.3.2.3 Übergangshilfen (Acar)
7.3.3 Berufsbegleitende Nachqualifizierung (Karrasch)
7.3.3.1 Konzeptionelle Elemente in der berufsbegleitenden Nachqualifizierung (Karrasch)
7.4 Schlussbemerkung hinsichtlich der Benachteiligtenförderung (Karrasch)
8. Schlussbemerkung (Acar & Karrasch)
Die Diplomarbeit analysiert die Benachteiligung von Jugendlichen mit geringer schulischer Vorbildung sowie von Jugendlichen aus ethnischen Minderheiten im dualen Ausbildungssystem der Bundesrepublik Deutschland. Sie untersucht die systemimmanenten Hürden, die zu Integrationsschwierigkeiten führen, und bewertet die Wirksamkeit staatlicher Fördermaßnahmen zur Eingliederung dieser Zielgruppen in den Arbeitsmarkt.
4.1.2 Auswirkungen des Habitus auf die Erwerbstätigkeit
Auch im System der dualen Ausbildung, sowie bei der weiteren Erwerbstätigkeit und Arbeitsprozessen zeigen sich extreme Problematiken bei der Integration von ethnischen Minderheiten sowie bei Jugendlichen mit geringer Schulbildung. So hat der der Soziologe P. Windolf (1981) das Konzept des „beruflichen Habitus“ in die berufliche Sozialisationsanalyse integriert.
Insofern ist der berufliche Habitus ein stabiles System verinnerlichter Handlungsregeln. Diese dienen nicht nur der Anpassung an die jeweiligen Arbeitsanforderungen, sondern auch der Selbstinterpretation und der Deutung gesellschaftlicher Verhältnisse. „...Es sind insbesondere die sozialen Anforderungen beim Erlernen und Ausüben eines Berufs, wie z.B. Umgangsformen und Sprachstil, die Personen mit einem gleichen Habitus, also mit gemeinsamen Denk- und Beurteilungsmustern sowie Handlungsschemata hervorbringen...“ (zit. Heinz, W. 1995, S. 51).
Demzufolge ist der berufliche Habitus ein idealtypisches Konstrukt. Er dient als ein Bezugsrahmen für die Analyse des Vergesellschaftungsaspekts von Sozialisationsprozessen und wird durch die Beteiligung am Arbeitsprozess konkretisiert, indem die Erwerbstätigen in den jeweiligen kulturellen Code der Arbeitsorganisation eingeführt werden. „...Nachdem die betrieblichen Selektionshürden überwunden sind, geschieht dies durch Initiationsprozesse und Statuspassagen...“ (zit. Heinz, W. 1995, S. 51). Hierbei ist entscheidend, dass die impliziten Spielregeln oder der sog. „geheimen Lehrplan“ der jeweiligen Arbeitsorganisation entschlüsselt werden.
Von den Betrieben oder auch Behörden werden die Mitglieder bevorzugt, welche die soziale und kulturelle Grundqualifikation mitbringen. Diese werden anschließend einer Einweisungsphase unterzogen, damit das für den jeweiligen beruflichen Habitus konstitutive „Betriebswissen“ vermittelt werden kann. Nach einer gewissen Orientierungsphase bildet sich der berufliche Habitus, auch wenn der Betrieb an sich keine expliziten Lernprozesse neben der Berufsausbildung und der Weiterbildung organisiert (vgl. Heinz, W. 1995, S. 52).
1. Einleitung (Acar & Karrasch): Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass Qualifikationsdefizite nicht nur den Jugendlichen zuzuschreiben sind, sondern gesellschaftliche und wirtschaftliche Faktoren eine entscheidende Rolle spielen.
2. Die historische Entwicklung der institutionellen Rahmenbedingungen im deutschen Ausbildungssystem (Karrasch): Das Kapitel zeichnet die drei Entwicklungsphasen des dualen Systems nach und beleuchtet die Entstehung des Facharbeitertyps durch industrielle und staatliche Einflüsse.
3. Die Grundstrukturen der beruflichen Bildung im gegenwärtigen Ausbildungssystem (Karrasch): Hier wird das aktuelle duale System beschrieben, inklusive der Bedeutung des allgemeinbildenden Schulsystems und der Funktion von Lernorten wie Betrieb, Berufsschule und ÜBS.
4. Theoretische Ansätze zur Erklärung von Benachteiligungen im dualen Ausbildungssystem (Karrasch): Der Abschnitt diskutiert soziologische Theorien, insbesondere den Habitus-Begriff von Bourdieu und die Integrationstheorie, um soziale Ungleichheiten zu erklären.
5. Benachteiligung von Jugendlichen mit geringer Schulbildung (Schwerpunkt: Karrasch): Dieses Kapitel analysiert die Rolle der Schule als Selektionsinstanz und die Faktoren, die zu Schulversagen, Schulverweigerung und dem Abbruch der Ausbildung führen.
6. Benachteiligung ethnischer Minderheiten im System der dualen Ausbildung (Schwerpunkt: Acar): Das Kapitel thematisiert die Integrationsprobleme nichtdeutscher Jugendlicher und beleuchtet Sprachdefizite, kulturelle Anpassungsprozesse und das Selektionsverhalten von Betrieben.
7. Perspektiven in der beruflichen Benachteiligtenförderung (Karrasch): Hier werden konkrete Maßnahmen vorgestellt, wie die Berufsausbildungsvorbereitung und berufsbegleitende Hilfen, um benachteiligten Jugendlichen den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern.
8. Schlussbemerkung (Acar & Karrasch): Die Schlussbetrachtung kritisiert die bisherige Wirksamkeit staatlicher Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und fordert ein grundsätzliches bildungspolitisches Umdenken.
Duale Berufsausbildung, Soziale Benachteiligung, Integration, Ethnie, Schulversagen, Habitus, Pierre Bourdieu, Bildungsabschluss, Ausbildungsmarkt, Jugendarbeitslosigkeit, Berufsvorbereitung, Ausbildungsbegleitende Hilfen, Migration, Selektion, Sozialisation
Die Diplomarbeit untersucht die Benachteiligung von Jugendlichen mit geringer schulischer Vorbildung sowie Jugendlichen aus ethnischen Minderheiten beim Zugang zum und innerhalb des dualen Ausbildungssystems in Deutschland.
Die Arbeit fokussiert sich auf historische Entwicklungslinien des Ausbildungssystems, theoretische Ansätze zur sozialen Ungleichheit, schulische Sozialisationsprozesse sowie spezifische Hürden für Migranten und benachteiligte Jugendliche bei der Integration in den Arbeitsmarkt.
Ziel ist es aufzuzeigen, dass Qualifikationsdefizite nicht allein den Jugendlichen zuzuschreiben sind, sondern wesentlich durch institutionelle, wirtschaftliche und gesellschaftliche Selektionsmechanismen geprägt werden, um daraus notwendige Förderperspektiven abzuleiten.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Sekundärdatenanalyse. Sie verknüpft historisch-analytische Betrachtungen mit soziologischen Theorien (Habitus-Konzept, Integrationstheorie) und wertet aktuelle Statistiken (z.B. aus Berufsbildungsberichten) aus.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, die Darstellung aktueller Bildungsstrukturen, theoretische Erklärungsmodelle zur sozialen Benachteiligung, eine detaillierte Untersuchung schulischer Selektion und ethnischer Benachteiligung sowie die Vorstellung konkreter Fördermaßnahmen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie duale Berufsausbildung, soziale Ungleichheit, Integration, Migrationshintergrund, Schulversagen, Bildungsexpansion und berufliche Benachteiligtenförderung charakterisiert.
Der Habitus-Begriff dient als theoretisches Erklärungsmodell, um aufzuzeigen, dass schulischer und beruflicher Erfolg eng mit der sozialen Herkunft und dem daraus resultierenden kulturellen Kapital verknüpft sind, was die Chancen benachteiligter Gruppen systemisch einschränkt.
Die Arbeit kritisiert, dass viele Maßnahmen eher symptomatisch wirken, eine "Maßnahmekarriere" in Warteschleifen begünstigen und die Ursachen der Benachteiligung im Schulsystem sowie der Wirtschaft oft nicht an der Wurzel packen.
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