Bachelorarbeit, 2018
83 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Das Konzept Industriepolitik
2.1 Begriffliche Abgrenzung und Definition
2.2 Theoretische Grundlagen
2.3 Kritische Betrachtung und abgrenzende Einordnung
3 Industriepolitik der Volksrepublik China
3.1 Politiken und Programme von 1978 bis 2008
3.1.1 Industriepolitik ab 1978
3.1.2 Phasen chinesischer Industriepolitik
3.1.3 Advokatorische Koalitionen und konkurrierende Ministerien
3.1.4 Industrialisierung als Wachstumsmotor – Zwischenfazit
3.2 Reaktionen auf die globale Finanz- und Wirtschaftskrise
3.3 Eine ökonomische Neujustierung
3.3.1 Industriepolitiken zur Umsteuerung
3.3.2 Analyse kritischer Faktoren
3.3.3 Einordnung, Perspektiven und Ausblick
4 Implikationen für Industriepolitik anderer Länder
5 Entwicklungserfolg „allein“ durch Industriepolitik?
6 Fazit
Die Arbeit untersucht die Rolle der Industriepolitik bei der wirtschaftlichen Transformation der Volksrepublik China seit 1978, analysiert deren Erscheinungsformen und Auswirkungen und bewertet, inwieweit daraus industriepolitische Lehren für andere Schwellen- und Industrienationen abgeleitet werden können.
3.1 Politiken und Programme von 1978 bis 2008
Nach dem Tod Maos 1976 stand die KPCh unter dem Druck, verlorengegangene Legitimität in der Bevölkerung über ein hohes Wirtschaftswachstum in Verbindung mit einer Verbesserung des Lebensstandards wiederherzustellen; zusätzlich hatte das „Chaos“ der Kulturrevolution die Kapazität der Zentralplanung geschwächt und die VR befand sich in einer Zeit politischer Unsicherheiten (Knight, 2012: 4; Li, 2013: 4). Die Nahrungsmittelproduktion reichte nicht mehr aus, um 965 Mio. ChinesInnen zu versorgen; hunderte Mio. Menschen lebten in Armut und das Land stand vor dem Kollaps (ibid.). Zur Wiederherstellung der politischen Rechtmäßigkeit wurden auch Politikempfehlungen, fortgeschrittene Technologie und Kapital aus dem Ausland bezogen (Heilmann & Shih, 2013: 5); Regierungsdelegationen unternahmen Erkundungsreisen in wirtschaftlich fortgeschrittene westliche und ostasiatische Länder und bauten diplomatische Beziehungen mit Japan und Westeuropa auf (Shih, 2014: 56f.). Von chinesischer Seite wurde nicht nach einem Wirtschaftsmodell gesucht, welches als „Ganzes“ importiert werden konnte; vielmehr waren wirtschaftspolitische Rezepte gefragt, die einen inkrementellen und risikoarmen Abbau essentieller Probleme möglich machen würden (Heilmann & Shih, 2013: 5). Voraussetzung für die im folgenden beschriebene Einführung der IP war der ideologische Wandel – also die Abwendung vom orthodoxen Sozialismus – unter Leitung von Deng Xiaoping (1978-1989) (Shih, 2014: 232). Anfang der 1980er wurden zusätzlich zu ökonomischen Reformen politische Restrukturierungen von Staat und Partei zur Professionalisierung der Führungsriege mit dem Ziel vorgenommen (Knight, 2012: 5), das wirtschaftliche Leben zu entpolitisieren, Führung von Ministerien und Unternehmen zu entmilitarisieren und die zentrale Planung – zumindest in Teilen – wiederherzustellen (Huchet, 2014: 4). Partei, Staatsbürokraten und Manager von SU wurden angewiesen, Zielen der KPCh – insbesondere dem wirtschaftlichen Aufholprozess – zuzuarbeiten (ibid.). Bis heute sind viele SU noch keine komplett gewinnorientierten Unternehmen, sodass Prestige der Manager und insbesondere Größen- und Beschäftigungszuwächse für Belegschaften, Staat und Partei eine wichtige Rolle spielen (Priewe, 2005: 28). Daraus ergibt sich ein ausgeprägtes Investitionsverhalten der SU und eine Vorwärtsstrategie zur Modernisierung, verstärkt durch wirtschaftlichen Druck überlegener privater konkurrierender Unternehmen und eine tabuisierte Exit-Option einer Firmeninsolvenz (ibid.). Die KPCh erzeugte zusammen mit Zentralregierung, Zentralbank (ZB) und Provinzregierungen einen moralischen Imperativ zu hohem Wachstum, der für die soziale Stabilität des Landes als notwendig erachtet wurde (ibid.) und wesentlich ist für die weitere Untersuchung chinesischer IP.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der Industriepolitik als analytischen Rahmen für die wirtschaftliche Transformation Chinas ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage der Arbeit.
2 Das Konzept Industriepolitik: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Industriepolitik, definiert den Begriff und setzt sich kritisch mit den ökonomischen Argumenten für und gegen staatliche Interventionen auseinander.
3 Industriepolitik der Volksrepublik China: Das Hauptkapitel analysiert detailliert die historische Entwicklung, die verschiedenen Phasen, Akteure, Krisenreaktionen und aktuellen Neujustierungen der chinesischen Industriepolitik.
4 Implikationen für Industriepolitik anderer Länder: Hier wird untersucht, inwiefern die chinesischen Erfahrungen als Lektionen für Länder mit nachholender Entwicklung und Industrienationen dienen können.
5 Entwicklungserfolg „allein“ durch Industriepolitik?: Dieses Kapitel bewertet die Rolle der Industriepolitik im Kontext der gesamten wirtschaftlichen Entwicklung Chinas und diskutiert das Zusammenspiel mit anderen makroökonomischen Faktoren.
6 Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen und betont die Komplexität und den fortwährenden Einfluss chinesischer industriepolitischer Strategien auf die globale Wirtschaftsordnung.
Industriepolitik, Volksrepublik China, Wirtschaftstransformation, Staatsunternehmen, Innovationspolitik, Made in China 2025, Strukturwandel, Weltwirtschaft, Wachstumsmodell, Wettbewerbsfähigkeit, Technologietransfer, Entwicklungsökonomie, Staatsversagen, Institutionen, Industrielle Modernisierung.
Die Arbeit analysiert die industriepolitischen Strategien der Volksrepublik China seit 1978 und untersucht deren Beitrag zur rasanten wirtschaftlichen Transformation des Landes sowie die Übertragbarkeit dieser Erfahrungen auf andere Staaten.
Zentrale Themen sind die theoretische Einordnung von Industriepolitik, die verschiedenen Phasen chinesischer Industriepolitik, die Reaktion auf globale Krisen wie die Weltwirtschaftskrise 2008 sowie die aktuelle Ausrichtung auf eine innovative Fertigungsindustrie durch Programme wie "Made in China 2025".
Die Forschungsfrage lautet: Welche Erscheinungsformen sowie Auswirkungen hat Industriepolitik innerhalb der wirtschaftlichen Transformation Chinas nach 1978 und inwieweit lassen sich davon industriepolitische Lehrbeispiele für andere Länder ableiten?
Die Arbeit stützt sich auf eine detaillierte Analyse der industriepolitischen Literatur, die historische Aufarbeitung der wirtschaftspolitischen Entwicklung Chinas und eine kritische Betrachtung staatlicher Interventionsmodelle im internationalen Vergleich.
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Analyse der Industriepolitik Chinas in verschiedenen Phasen, die Untersuchung politischer Koalitionen, die Reaktion auf globale Wirtschaftskrisen sowie die spezifische Analyse aktueller Modernisierungsprogramme und der damit verbundenen kritischen Erfolgsfaktoren.
Wichtige Schlüsselwörter sind Industriepolitik, Wirtschaftstransformation, China, "Made in China 2025", Staatsunternehmen, Technologietransfer, Wachstumsmodell und industrielle Modernisierung.
Die Staatsunternehmen dienen als zentrales „Rückgrat“ der Industrie und werden von der Regierung gezielt für langfristige Modernisierungsstrategien eingesetzt, wobei sie oft unter politisch beeinflussten Investitionsvorgaben stehen.
Die Neujustierung zielt weg von einer rein arbeitsintensiven Exportproduktion hin zu einem nachhaltigen, innovativen und binnenmarktorientierten Wachstumspfad, der den Übergang zu einer "intelligenten Fabrik der Welt" forcieren soll.
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