Masterarbeit, 2018
148 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Untersuchungsgegenstand und -methode
3. Islamisch orientierte Parteien in demokratischen Systemen – potenzielle Konfliktfelder
3.1 Legitimität von Herrschaft
3.2 Einstellung zum Pluralismus
3.3 Einfluss von Interessensgruppen
3.4 Parteiziele
4. Fallstudie: Die Ennahda-Partei im demokratischen System Tunesiens
4.1 Legitimität von Herrschaft
4.2 Einstellung zum Pluralismus
4.3 Einfluss von Interessensgruppen
4.4 Parteiziele
5. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kompatibilität der Ennahda-Partei mit dem demokratischen System in Tunesien, um zu ergründen, ob eine islamisch orientierte Partei konstruktiv in einem demokratischen Rahmen agieren kann. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der Parteikommunikation und deren Übereinstimmung mit demokratischen Grundprinzipien.
1. Einleitung
Als sich der Gemüsehändler Mohamed Bouazizi am 17. Dezember 2010 im tunesischen Sidi Bouzid nach einem Streit mit einer Polizistin selbst anzündete, war das nicht nur der Start der tunesischen Revolution – der sogenannten Revolution der Würde – sondern auch der Anfang einer Protestwelle, die den gesamten arabischen Raum erfasste und große politische Umstürze herbeiführte. Fast acht Jahre später sind die Systemtransformationen hin zur Demokratie in fast allen Ländern der Region gescheitert, Autokraten zurückgekehrt, Staaten zerfallen. Tunesien hingegen ragt heraus, als einziges Land, das den Übergang zur Demokratie zumindest fürs Erste geschafft hat, in dem das Volk die Regierung durch freie Wahlen bestimmt, in dem die Grundrechte der Bürger gesichert sind, auch wenn der Staat weiter vor großen ökonomischen und sozialen Problemen steht.
Die politische Landschaft in Tunesien hat sich in den letzten knapp acht Jahren stark verändert: Seit der Revolution und der Absetzung des Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali im Januar 2011 sind in Tunesien zahlreiche neue politische Parteien gegründet worden und alte, bis dahin verbotene, zurückgekehrt. Darunter auch die Ennahda-Partei, die 1981 als Bewegung der islamischen Tendenz (MTI) gegründet wurde, und sowohl unter Präsident Ben Ali als auch unter seinem Vorgänger Habib Bourguiba verboten war. Seit dem 1. März 2011 ist die Ennahda in Tunesien wieder zugelassen, viele Mitglieder und Repräsentanten kehrten aus dem Exil oder dem Untergrund zur Partei und in die Öffentlichkeit zurück.
1. Einleitung: Dieses Kapitel skizziert den Ausgangspunkt der Arbeit durch die tunesische Revolution von 2011 und die Wiedereinführung der Ennahda-Partei, gefolgt von der Darlegung der Forschungsfragen.
2. Untersuchungsgegenstand und -methode: Hier werden das methodische Vorgehen der qualitativen Inhaltsanalyse sowie die Auswahl der analysierten Primärquellen erläutert.
3. Islamisch orientierte Parteien in demokratischen Systemen – potenzielle Konfliktfelder: Dieses Kapitel erarbeitet theoretische Grundlagen, indem es vier zentrale Konfliktfelder (Legitimität, Pluralismus, Interessensgruppen, Parteiziele) identifiziert.
4. Fallstudie: Die Ennahda-Partei im demokratischen System Tunesiens: Der empirische Hauptteil wendet das erarbeitete Kategoriensystem auf die Ennahda an und stellt Eigendarstellung und Fremdwahrnehmung gegenüber.
5. Fazit und Ausblick: Das Kapitel evaluiert die zu Beginn aufgestellten Hypothesen und zieht ein abschließendes Resümee über die Kompatibilität der Ennahda.
Ennahda, Tunesien, Demokratisierung, Islam, Islamismus, Politische Transformation, Demokratie, Pluralismus, Herrschaftslegitimität, Religionsfreiheit, Politische Parteien, Sharia, Politische Partizipation, Politische Kultur, Transformation.
Die Masterarbeit befasst sich mit der Frage, wie kompatibel islamisch orientierte Parteien, exemplarisch dargestellt an der tunesischen Ennahda, mit demokratischen Systemen sind.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Legitimität von Herrschaft, die Einstellung zum Pluralismus, den Einfluss von Interessensgruppen und die Parteiziele.
Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, ob sich die Ennahda-Partei seit ihrer Legalisierung im Jahr 2011 tatsächlich in ein demokratisches System integriert hat oder ob ideologische Konflikte bestehen.
Die Autorin nutzt eine qualitative Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring, um Primärquellen der Partei systematisch zu untersuchen und mit Sekundärliteratur abzugleichen.
Im Hauptteil findet die konkrete Fallstudie statt, in der die identifizierten Konfliktfelder anhand von Wahlprogrammen, Reden, Manifesten und Interviews der Ennahda-Repräsentanten analysiert werden.
Wichtige Begriffe sind unter anderem "islamisch orientiert" versus "islamistisch", "Souveränität des Volkes", "Demokratisierung" und die Einordnung der Partei entlang eines Spektrums von radikal bis progressiv.
Die Ennahda-Partei betont in ihren offiziellen Texten zunehmend eine Trennung von Religion und Politik und positioniert sich als "muslim-demokratische" Partei, die den Islam eher als kulturelle Instanz denn als politisches Gesetzgebungswerkzeug versteht.
Die Analyse zeigt, dass die Partei von ihrem ursprünglichen Ziel, die Sharia explizit in die Verfassung aufzunehmen, aufgrund von Kompromissbereitschaft und pragmatischen Erwägungen abrückte.
Während die Ennahda-Vertreter sich stark pro-demokratisch und pragmatisch darstellen, weisen Forscher in der Sekundärliteratur auf die internen Spannungen zwischen konservativen und liberalen Flügeln sowie auf eine teils defensive, taktisch motivierte Art der Politikgestaltung hin.
Ja, vereinzelte problematische Aussagen einzelner Parteimitglieder und die Nähe zu bestimmten salafistischen Gruppen in der Vergangenheit wurden in der Forschung kritisch thematisiert, wobei die Partei jedoch eine Tendenz zur inhaltlichen Mäßigung zeigt.
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