Examensarbeit, 2004
92 Seiten, Note: 1,0
EINLEITUNG
Fragestellung
Aufbau der Arbeit
1. EINWANDERUNG IN DEUTSCHLAND
1.1 Deutschland, ein Einwanderungsland
1.2 Rassismusdefinition nach Robert Miles
1.3 Gesellschaftliche Präsenz von Rassismus in Deutschland
1.4 Statistische Information: Allgemein bildende Schulen
2. POSTKOLONIALE KRITIK UND DIE THESE VOM „KULTURKONFLIKT“
2.1 Postkoloniale Theoriebildung auf Deutschland angewendet
2.2 Die „Kulturkonflikt-Defizit-These“ in der Migrationsforschung über Kinder und Jugendliche
2.2.1 Einflussfaktoren
2.2.2 Mögliche Ursachen der „Kulturkonflikt-Defizit-These“
2.3 „Kulturelle Differenz“
2.4 Die sogenannte Integration
3. HERSTELLUNG ETHNISCHER DIFFERENZ IN DER GRUNDSCHULE
3.1 Herstellung ethnischer Differenz an Konflikten um das Kopftuch
3.2 Institutionelle Diskriminierung in der Grundschule
3.2.1 Statistische Auffälligkeiten
3.2.2 Einschulung
3.2.3 Überweisung auf die Sonderschule für Lernbehinderte
3.2.4 Übergang in die Sekundarstufe
3.3 Zusammenfassung
4. SOZIALE UND KULTURELLE KOMPETENZEN VON KINDERN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND
4.1 „Subjektorientierte Sozialisationsforschung“
4.2 DJI-Projekt „Wie Kinder multikulturellen Alltag erleben“
4.2.1 Sozialer und kultureller Bereich
4.2.2 Die Kinder und ihre Sprachen
4.2.3 Bedeutung von Schule
4.3 Auswertung
SCHLUSSBETRACHTUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht die Erfahrungen und Bewältigungspotenziale von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Grundschulalltag. Ziel ist es, die einseitige und defizitorientierte Wahrnehmung dieser Kinder im schulischen Diskurs zu dekonstruieren und aufzuzeigen, wie sie trotz struktureller Benachteiligung und Diskriminierung eigene soziale und kulturelle Kompetenzen entwickeln.
Die Forschungsrichtung der postkolonialen Theoriebildung
Diese Forschungsrichtung der Kultur- und Sozialwissenschaften stellt Fragen nach der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte des Kolonialismus und dessen globalem Fortwirken. Untersucht werden Herrschaftsverhältnisse wie Rassismus, Vergeschlechtlichung, gesellschaftliche Klassen, Sexualisierung und politische Diskriminierung. Es geht dabei um eine historische und gesellschaftspolitische Kontextualisierung von Kategorien der „Differenz“ (Kultur, Identität, „ethnische Minderheit“, etc.). Als solche ist diese Forschung eine gesellschaftskritische Theoriebildung mit einem dynamischen und sehr heterogenen Charakter. Eine lineare Darstellung der postkolonialen Theoriebildung lässt sich nicht beschreiben. In verschiedenen Ausprägungen und mit unterschiedlichen Schwerpunkten entwickelt sie Analysen, die klassische eurozentristische und die „ideologischen Diskurse der Moderne“ (Bhabha 1996: 345) über die „Anderen“ als Herrschaftsinstrumente entlarven, um das homogene Kulturverständnis zu sprengen (ebd.). Aufgezeigt werden dabei Lebenswirklichkeiten in den verschiedenen Lebenslagen der Marginalität. Marginalität ist nicht nur ein Problem der kolonisierten Länder, sondern „Effekte jener mit Macht betriebenen In- und Exklusionsprozesse, die selbst unabschließbar sind und in den Zentren nicht minder intensiv zu Werke gehen als an der Peripherie“ (Gutiérrez Rodríguez 2003: 23).
Wesentliche Bezugspunkte sind die Demaskierung und Dekonstruktion gesellschaftlicher Konstruktionen und Präsentationen des „Anderen“. Sie beschäftigt sich mit der „Funktion der Wissenschaft bei dem Versuch, die Praktiken und das Denken derer zu beschreiben, die in der herrschenden Öffentlichkeit faktisch nicht vertreten sind“ (ebd.: 26). Kritisiert werden vorherrschende Deutungsmuster und die damit verbundene Definitionsmacht der „westlichen Leitkultur“. Postkoloniale Theoriebildung kann auch als Aneignungsprozess des Wissens über die eigene Geschichte bezeichnet werden, das Marginalisierten so lange vorenthaltene wurde. Insofern ist sie die Artikulation von Widerstandsstrategien und die Rückgewinnung von Repräsentationsformen jenseits determinierter Bilder und Vorstellungen von Identitäten der westlichen Moderne.
EINLEITUNG: Die Einleitung formuliert den persönlichen Bezug der Autorin und stellt die Forschungsfrage nach den Kompetenzen von Kindern mit Migrationshintergrund im Kontext struktureller Diskriminierung.
1. EINWANDERUNG IN DEUTSCHLAND: Dieses Kapitel kontextualisiert die Einwanderungsgeschichte Deutschlands, definiert Rassismus nach Robert Miles und beleuchtet die statistische Präsenz von Migrantenkindern im Schulwesen.
2. POSTKOLONIALE KRITIK UND DIE THESE VOM „KULTURKONFLIKT“: Hier werden die defizitorientierten Denkmuster der Migrationsforschung theoretisch dekonstruiert und den Perspektiven der postkolonialen Theorie gegenübergestellt.
3. HERSTELLUNG ETHNISCHER DIFFERENZ IN DER GRUNDSCHULE: Dieses Kapitel zeigt exemplarisch an Konflikten um das Kopftuch und institutionellen Abläufen auf, wie die Grundschule aktiv ethnische Differenzen produziert und verstärkt.
4. SOZIALE UND KULTURELLE KOMPETENZEN VON KINDERN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND: Basierend auf dem DJI-Projekt werden die vielfältigen Alltagspraktiken, Freundschaftsnetzwerke und der mehrsprachige Kompetenzumgang der Kinder analysiert.
Migration, Rassismus, Ethnisierung, institutionelle Diskriminierung, Kulturkonflikt-Defizit-These, Grundschule, postkoloniale Theorie, Kindheitsforschung, kulturelle Differenz, soziale Kompetenz, Mehrsprachigkeit, Integration, Subjektorientierung, Bildungschancen, Ausschlussmechanismen.
Die Arbeit untersucht den Alltag von Kindern mit Migrationshintergrund an deutschen Grundschulen, wobei besonders die Mechanismen von Diskriminierung und die gleichzeitig vorhandenen Kompetenzen der Kinder beleuchtet werden.
Die Schwerpunkte liegen auf Einwanderungsgeschichte, der Kritik an kulturellen Defizit-Theorien, institutioneller Diskriminierung im Schulsystem und der subjektorientierten Forschung zur Lebenswelt der Kinder.
Die zentrale Frage ist, ob Kinder mit Migrationshintergrund trotz negativer Defizitzuschreibungen durch das Bildungssystem spezifische soziale und kulturelle Kompetenzen entwickeln.
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse basierend auf postkolonialen Theorien sowie die Auswertung von empirischen Daten und Studienergebnissen, insbesondere des DJI-Projekts.
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Dekonstruktion des Kulturkonflikt-Narrativs, der Analyse von Selektionspraktiken an Schulen und der Auswertung der Perspektive der Kinder auf ihre eigene Lebenswelt.
Wichtige Begriffe sind Migration, Ethnisierung, institutionelle Diskriminierung, Mehrsprachigkeit und kindliche Perspektive.
Das Kopftuch wird als exemplarischer Konfliktpunkt untersucht, an dem Lehrkräfte häufig stereotypisierende Zuschreibungen vornehmen, die zu einer ethnisierenden Stigmatisierung der Schülerinnen führen.
Die Schule wird als Institution identifiziert, die durch unbewusste oder routinierte Prozesse der Begründung (z.B. Sprachdefizite) aktiv dazu beiträgt, Bildungsungleichheiten und Ausschluss zu zementieren.
Damit sind die Fähigkeiten der Kinder gemeint, ihre mehrsprachigen Erfahrungen aktiv zu nutzen, soziale Beziehungen über ethnische Grenzen hinweg zu knüpfen und ihre eigene Alltagswelt kreativ und eigenständig zu gestalten.
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