Diplomarbeit, 2017
41 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Grundbegriffe, Entwicklung und Bedeutung
2.1 Grundbegriffe der Arbeitnehmerüberlassung
2.2 Internationaler Ursprung, Entwicklung in Deutschland
2.3 Volkswirtschaftliche Bedeutung
3 Deregulierung – Ein Erfolgsrezept für den Arbeitsmarkt?
3.1 Schrittweiser Abbau der Beschränkungen
3.1.1 Gemäßigte Deregulierung, 1982 bis 2002
3.1.2 Rapide Deregulierung durch die Hartz-Gesetze
3.2 Zusammenhang zwischen Liberalisierung und Nachfrageexplosion
3.2.1 Im Arbeitsmarkt (Beschäftigung und Entgelt)
3.2.2 Wohlfahrtseffekte
3.2.3 Sonstige Effekte
3.3 Missbrauch / Fehlentwicklung
4 Reregulierung – Vorwärts durch Rückschritt?
4.1 Erste Reregulierungen, 2008 bis 2016
4.2 Reform Zeitarbeit: Gesetz zur Änderung des AÜG und anderen Gesetzen
4.3 Analyse der ersten Monate und Entwicklungsausblick
4.4 Umgehungsstrategien
5 Fazit
Die Diplomarbeit analysiert die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Deregulierung der Zeitarbeit in Deutschland und untersucht die Wirksamkeit der jüngsten gesetzlichen Reregulierungsmaßnahmen (AÜG-Reform 2017) im Hinblick auf die Bekämpfung von Missbrauch und die Verbesserung der Beschäftigungssituation.
3.1.2 Rapide Deregulierung durch die Hartz-Gesetze
Zum Ende der Legislaturperiode des ersten Kabinetts Schröder wurde durch die damalige Bundesregierung aus politischer Motivation eine Expertenkommission mit der Vorbereitung einer großen Arbeitsmarkt- und Sozialreform beauftragt. Diese Kommission schlug der Bundesregierung vier Gesetzespakete vor, die nach der Wiederwahl im zweiten Kabinett Schröder Ende 2002 umgesetzt wurden und heute im allgemeinen Sprachgebrauch als die Hartz-Gesetze bekannt sind.
Mit dem ersten Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt wurde das AÜG 2002, mit Wirkung zum 1.1.2003 bzw. 1.1.2004, stark liberalisiert. So wurden Wiedereinstellungsverbot, Befristungsverbot, das Synchronisationsverbot und die Höchstüberlassungsdauer aufgehoben. Gleichzeitig wurde ein allgemeiner Gleichstellungsgrundsatz im Gesetz verankert. Dieser Grundsatz schreibt vor, dass Leiharbeitnehmer unter gleichen Bedingungen eingesetzt werden müssen, wie beim Entleiher fest angestellt Mitarbeiter. Dies betrifft insbesondere Arbeitsentgelt, Arbeitszeiten und Urlaubsansprüche. Allerdings sieht das Gesetz auch zwei wichtige Ausnahmen von dieser Regelung vor. Bei erstmaliger Einstellung konnte Leiharbeitnehmern, die zuvor arbeitslos waren, für sechs Wochen ein Nettoentgelt gezahlt werden, das dem bisherigen Arbeitslosengeld entsprach. Der Gleichstellungsgrundsatz konnte auch umgangen werden, sollte ein gültiger Tarifvertrag abweichende Regelung vorsehen bzw. im Arbeitsvertrag die Anwendung eines solchen Tarifvertrags vereinbart worden sei.30 Diese Tariföffnungsklausel hatte zur Folge, dass der bis dahin nahezu tarifbindungsfreien Zeitarbeitsbranche (nur wenige Haustarifverträge) innerhalb weniger Monate eine nahezu flächendeckende Tarifbindung zukam.31
Neben der direkten Reform des AÜG wurde mit dem ersten Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt die Grundlage für die Einrichtung von mehreren hundert Personalserviceagenturen (PSA) geschaffen, teils als eigenständige Einheiten der Arbeitsämter (später Arbeitsagenturen), teils privatrechtlich über bestehende lokale Zeitarbeitsfirmen. Hierdurch wurde die Leiharbeit nicht mehr nur staatlich gefördert, sondern aktiv staatlich betrieben und finanziert.
1 Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema Zeitarbeit ein, erläutert die Relevanz der öffentlichen Diskussion über Missstände und definiert die Forschungsfrage bezüglich des Zusammenhangs von Regulierung und wirtschaftlicher Bedeutung.
2 Grundbegriffe, Entwicklung und Bedeutung: Dieses Kapitel definiert die Arbeitnehmerüberlassung, zeichnet ihre internationale Entstehung sowie Entwicklung in Deutschland nach und beleuchtet ihre volkswirtschaftliche Funktion.
3 Deregulierung – Ein Erfolgsrezept für den Arbeitsmarkt?: Der Autor analysiert den schrittweisen Abbau von Beschränkungen, die Auswirkungen der Hartz-Gesetze, das Verhältnis von Liberalisierung und Nachfrage sowie auftretende Fehlentwicklungen wie Scheinwerkverträge.
4 Reregulierung – Vorwärts durch Rückschritt?: Es werden die Maßnahmen zur Reregulierung, insbesondere die Umsetzung der EU-Richtlinien und die AÜG-Reform von 2017, sowie die Reaktionen der Branche und Umgehungsstrategien kritisch bewertet.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bewertet die Wirksamkeit der jüngsten Reformen als eher gering („Wolf ohne Zähne“) und diskutiert die Zukunft der Zeitarbeit.
Zeitarbeit, Leiharbeit, Arbeitnehmerüberlassung, AÜG, Deregulierung, Reregulierung, Arbeitsmarkt, Hartz-Gesetze, Gleichstellungsgrundsatz, Equal Pay, Werkverträge, Lohndifferenzial, Beschäftigungspolitik, Flexibilisierung, Niedriglohnsektor
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der Zeitarbeit in Deutschland, fokussiert auf den Wandel der gesetzlichen Rahmenbedingungen von der Deregulierung bis zur jüngsten Reregulierung und deren wirtschaftliche Folgen.
Die Themenfelder umfassen die Definition und Bedeutung der Arbeitnehmerüberlassung, die Auswirkungen liberalisierender Reformen, das Problem des Missbrauchs und die Wirksamkeit neuerer Gesetzesänderungen.
Das Ziel ist es, zu ermitteln, welche Erfolgsfaktoren die Branche prägen, wie sich geänderte Rahmenbedingungen auf den Arbeitsmarkt auswirken und ob die Reregulierung den beabsichtigten Missbrauch stoppen kann.
Die Arbeit nutzt eine Analyse der gesetzlichen Rahmenbedingungen, statistische Daten zur Beschäftigungsentwicklung sowie eine Auswertung einschlägiger Literatur und ergänzt diese durch persönliche Erfahrungen des Autors.
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Historie der Regulierung, der Analyse von Beschäftigungsdaten, der Untersuchung des Lohndifferenzials und der Darstellung von Umgehungsstrategien wie Scheinwerkverträgen.
Wichtige Begriffe sind Zeitarbeit, Arbeitnehmerüberlassung, AÜG, Deregulierung, Reregulierung, Equal Pay und Werkverträge.
Der Autor bezeichnet die Reform im Fazit als „Wolf ohne Zähne“, da die Branche bereits zu stark etabliert ist und zu einfache Möglichkeiten zur Umgehung bestehen, weshalb die strengere Fassung eher Appellcharakter habe.
Der Autor identifiziert Werkverträge als ein zentrales Instrument zur Umgehung von Arbeitnehmerüberlassungsregeln und Tarifvorgaben, um Personalkosten zu senken und Kündigungsschutz zu unterlaufen.
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